Com­merz­bank auf schwie­ri­ger Mis­si­on

Der neue Vor­stand macht sich kei­ne Il­lu­sio­nen mehr: Der Mil­li­ar­den­ge­winn aus dem Jahr 2015 ist in die­sem Jahr nicht zu wie­der­ho­len. Zin­s­tief und schär­fe­re Auf­la­gen brem­sen den Kon­zern. Gibt es ei­nen Aus­weg?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Frank­furt am Main Die Com­merz­bank ver­ab­schie­det sich nach ei­nem Ge­winn­ein­bruch im ers­ten Halb­jahr end­gül­tig von ih­rem Ziel, auch 2016 ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro Ge­winn zu ma­chen. „Das Nied­rig­zins­um­feld und die an­hal­ten­de Kun­den­zu­rück­hal­tung wer­den die Er­trä­ge trotz Wachs­tum wei­ter be­las­ten“, heißt es im Zwi­schen­be­richt, den der teil­ver­staat­lich­te Frank­fur­ter Da­xKon­zern am Diens­tag ver­öf­fent­licht hat. „Wir er­war­ten da­her für das Ge­samt­jahr 2016, dass das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis und das Kon­zern­er­geb­nis un­ter dem Vor­jahr lie­gen wer­den.“Die Ak­tie rutsch­te ges­tern um mehr als neun Pro­zent auf ein Re­kord­tief von nur noch gut 5,24 Eu­ro ab. Seit Jah­res­be­ginn hat das Pa­pier rund 45 Pro­zent ver­lo­ren.

„Ich ma­che mir kei­ne Sor­gen um die Sta­bi­li­tät der Com­merz­bank“, sag­te aber Fi­nanz­vor­stand Ste­phan En­gels. Es sei un­an­ge­mes­sen, ei­ne neue Ban­ken­kri­se her­bei­zu­re­den. Die In­sti­tu­te stün­den viel bes­ser da als vor ei­ni­gen Jah­ren, das ha­be auch der eu­ro­päi­sche Stress­test am Frei­tag ge­zeigt. Zu­letzt hat­te die Com­merz­bank noch ge­hofft, die gut ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro Über­schuss aus dem Vor­jahr wie­der­ho­len zu kön­nen, dies aber schon als „am­bi­tio­niert“be­zeich­net. Ur­sprüng­lich hat­te der Vor­stand – noch un­ter dem da­ma­li­gen Chef Mar­tin Bles­sing – so­gar Zu­wäch­se in Aus­sicht ge­stellt.

Um zu­min­dest ei­ni­ger­ma­ßen auf Kurs zu blei­ben, dreht die Bank auch an der Ge­büh­ren­schrau­be bei Pri­vat- und Fir­men­kun­den. In den ers­ten sechs Mo­na­ten 2016 brach der Über­schuss um mehr als 40 Pro­zent auf 372 Mil­lio­nen Eu­ro ein. Das Zin­s­tief mach­te der Bank eben­so zu schaf­fen wie die Un­ru­he an den Ka­pi­tal­märk­ten. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te will der neue Vor­stands­chef Mar­tin Ziel­ke sei­ne Stra­te­gie vor­le­gen, mit der er das Ru­der her­um­rei­ßen möch­te.

Das Nied­rig­zins­ni­veau macht vor al­lem dem Mit­tel­stands­ge­schäft zu schaf­fen, das lan­ge der mit Ab­stand größ­te Ge­winn­brin­ger des Kon­zerns war. Noch stär­ker ge­riet das In­vest­ment­ban­king un­ter die Rä­der. Da­ge­gen ver­dien­te die Bank im Pri­vat­kun­den­ge­schäft mit 371 Mil­lio­nen Eu­ro 13 Pro­zent mehr als in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Vor­jah­res – auch dank rund 58 Mil­lio­nen Eu­ro Son­der­ge­winn aus dem Ver­kauf der An­tei­le am eu­ro­päi­schen Arm des Kre­dit­kar­ten­an­bie­ters Vi­sa.

Das Pri­vat­kun­den­ge­schäft hat sich in den ver­gan­ge­nen knapp vier Jah­ren vom Sor­gen­kind zum Er­trags­brin­ger ent­wi­ckelt. Et­wa 940000 zu­sätz­li­che Kun­den hat die Bank seit 2013 ge­won­nen. „Wir sind sehr si­cher, dass wir bis zum Jah­res­en­de un­ser Ziel von ei­ner Mil­li­on zu­sätz­li­cher Kun­den im Pri­vat­kun­den­ge­schäft er­rei­chen wer­den“, sag­te Pri­vat­kun­den­chef Mi­cha­el Man­del. Am kos­ten­lo­sen Gi­ro­kon­to und dem um­fang­rei­chen Fi­li­al­netz mit bun­des­weit 1050 Stand­or­ten will die Bank fest­hal­ten und Straf­zin­sen für Pri­vat­kun­den ver­mei­den. „Ak­tu­ell pla­nen wir nicht, bei Pri­vat­kun­den ei­nen Preis auf de­ren Ein­la­gen zu schrei­ben und Ne­ga­tiv­zin­sen zu er­he­ben“, sag­te Man­del.

An an­de­rer Stel­le zie­hen die Ge­büh­ren an, et­wa bei Kre­dit­kar­ten, Wert­pa­pier­de­pots und für Über­wei­sun­gen, die am Schal­ter ab­ge­ge­ben wer­den. Auch Ge­schäfts­kun­den müs­sen sich auf hö­he­re Prei­se ein­stel­len. Nach­bes­sern muss die Com­merz­bank bei ih­ren Ka­pi­tal­puf­fern. Im jüngs­ten Stress­test der eu­ro­päi­schen Ban­ken­auf­se­her sack­te die har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te im Kri­sen­sze­na­rio auf 7,4 Pro­zent ab.

Für die ge­plan­te Di­vi­den­de leg­te der Vor­stand im ers­ten Halb­jahr 10 Cent pro An­teils­schein zu­rück. Da­mit steu­ert die Bank wie im Vor­jahr auf 20 Cent Ausschüttung je Ak­tie zu. Es wä­re nach lan­ger Durststrecke die zwei­te Di­vi­den­de in Fol­ge.

Jörn Ben­der und Erik Ne­bel, dpa

Fo­to: Da­ni­el Rein­hardt, dpa

Die Com­merz­bank setzt auf Pri­vat­kun­den, um die Wen­de zu schaf­fen.

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