Die Bi­ber­burg misst gut zwei Me­ter

Der Na­ger ist nicht bei je­der­mann be­liebt. In Behlin­gen ist jetzt die ers­te na­tur­ge­treue Nach­bil­dung ei­nes Baus im Kreis ent­stan­den. So soll das Le­ben des Tiers ver­ständ­li­cher wer­den

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON SARAH-KATHARINA MERK

Land­kreis Na­tür­li­che Fein­de hat der Bi­ber kaum. Das ist auch der Grund, wes­halb er sich seit sei­ner Wie­der­an­sied­lung in den 60er Jah­ren schnell ver­brei­ten konn­te, er­klär­te der Na­tur­schutz­be­auf­trag­te des Land­krei­ses, Ott­mar Frim­mel. Der­zeit gibt es et­wa 700 Bi­ber in der Re­gi­on. Doch nicht al­le Bür­ger sind dem Na­ger ge­gen­über po­si­tiv ein­ge­stellt.

Ähn­lich er­ging es an­fangs auch Katja Flachs­lan­der-Schnat­te­rer, In­ha­be­rin des Baum­ho­tels Aus­zeit in Behlin­gen. Der Bi­ber ha­be im­mer­zu ih­re Wei­den­he­cke ab­ge­fres­sen. Als sich dar­an nichts än­dern ließ, kam ihr ver­gan­ge­nen Herbst ei­ne Idee: War­um nicht aus der Si­tua­ti­on et­was Po­si­ti­ves ma­chen? In Ab­spra­che mit Ott­mar Frim­mel wur­de ein ers­tes ge­mein­sa­mes Kon­zept zur Bi­ber­burg ent­wor­fen.

Doch bei der Idee blieb es nicht. 15 Kin­der aus dem gan­zen Land­kreis setz­ten am Di­ens­tag und Mitt­woch im Rah­men der kom­mu­na­len Ju­gend­ar­beit den Plan in die Tat um. Sie er­bau­ten auf dem an­gren­zen­den Ge­län­de des Was­ser­wirt­schafts­amts ei­ne be­geh­ba­re na­tur­ge­treue Nach­bil­dung ei­nes Bi­ber­baus. Ta­ten­kräf­ti­ge Un­ter­stüt­zung bo­ten Flachs­land-Schnat­te­rer, Ott­mar Frim­mel, sein Kol­le­ge Jo­sef Schmid und Mer­le Kuh­nert von der kom­mu­na­len Ju­gend­ar­beit. Auch Bi­ber­be­ra­ter Da­ni­el Sonn­tag war ges­tern zu Gast, um die Kin­der zu un­ter­stüt­zen. Nicht nur Spaß beim Bau­en wur­de ga­ran­tiert, die jun­gen Ent­de­cker ha­ben auch in den zwei Ta­gen auf dem Ge­län­de des Baum­ho­tels sehr viel über die Tie­re ge­lernt. So konn­ten sie ein Bi­ber­prä­pa­rat be­stau­nen, die na­tür­li­che Bi­ber­rut­sche Ort, die in die Kam­mel mün­det, be­gut­ach­ten und an­hand wei­te­rer In­for­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en spie­lend mehr über die Tie­re ler­nen. „Nur was man kennt, liebt man, und was man liebt, schützt man“, mein­te Ott­mar Frim­mel da­zu.

Ges­tern wur­de die Burg, die gut zwei Me­ter misst, dann fer­tig. In­nen be­steht es aus ei­ner Stahl­kon­struk­ti­on, da­mit al­les sta­bil bleibt. Aber die Ar­bei­ten ge­hen noch wei­ter. Ge- plant sind ei­ne In­fo­ta­fel, Bi­ber­spu­ren, ein grü­nes Klas­sen­zim­mer mit Schie­fer­ta­fel, Bi­ber aus Holz und Ar­beits­sta­tio­nen. Die ers­te „Um­welt­sta­ti­on“soll bald auch Schu­len und Kin­der­gär­ten an­lo­cken. „Von Kin­dern für Kin­der“, be­merk­te Katja Flachs­land-Schnat­te­rer be­geis­tert.

Ne­ben dem Auf­bau des Bi­ber­baus sol­len Gäs­te in der frei­en Na­tur auch mehr zur Prä­ven­ti­on der Schä­vor den, wel­che die Tie­re ver­ur­sa­chen, ler­nen. Bei Pro­ble­men kann man sich an die fünf Bi­ber­be­ra­ter des Krei­ses wen­den. Auch das Land­rats­amt selbst un­ter­stützt die Bür­ger und stellt Bi­ber­zäu­ne zur Ver­fü­gung, er­klär­te der Na­tur­schüt­zer. Die Bi­ber­burg wird ge­mein­sam mit dem Wan­der­weg, der das Vor­gän­ger­pro­jekt dar­stellt, am 1. Ok­to­ber auf dem Ge­län­de des Baum­ho­tels Aus­zeit in Behlin­gen er­öff­net.

Fo­to: Sarah-Katharina Merk

Flei­ßi­ge Hel­fer aus dem gan­zen Land­reis wa­ren am Bau der Bi­ber­burg be­tei­ligt. Hier konn­ten die Kin­der im Al­ter zwi­schen acht und zwölf Jah­ren spie­le­risch ler­nen und ei­ne „Um­welt­lern­sta­ti­on“für künf­ti­ge Be­su­cher er­rich­ten.

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