Jung, mo­dern, Land­wirt

Die bei­den 19-Jäh­ri­gen Stefan und Jür­gen sind auf den Bau­ern­hö­fen ih­rer El­tern auf­ge­wach­sen. Sie zei­gen, was ih­ren Be­ruf aus­macht und wie we­nig Kli­schees mit ih­rem All­tag zu tun ha­ben

Mittelschwaebische Nachrichten - - K!ar.text - VON JU­LIA SCHO­RER

Ai­chen/Wal­ten­hau­sen Mais­fel­der, Mäh­ma­schi­nen und je­de Men­ge Kü­he – das sind die ers­ten Din­ge, die den meis­ten Men­schen ein­fal­len, wenn sie an die Land­wirt­schaft den­ken. Ob mit dem Trak­tor durch die Ge­gend fah­ren, die gan­ze Zeit im Kuh­stall ver­brin­gen oder Dreck an den Schu­hen, der Ge­dan­ke an Bau­ern­hö­fe ist oft mit zahl­rei­chen Vor­ur­tei­len ver­bun­den. Doch hin­ter der Ar­beit als Land­wirt steckt weit­aus mehr als die meis­ten ver­mu­ten.

Wohl am bes­ten wis­sen das Jür­gen Hu­ber aus Bern­bach bei Ai­chen und Stefan Wach­ter aus Wal­ten­hau­sen. Die bei­den 19-Jäh­ri­gen ar­bei­ten als Land­wir­te in ih­ren fa­mi­li­en­ei­ge­nen Be­trie­ben. Ei­nen an­de­ren Be­ruf kön­nen und wol­len sich die bei­den gar nicht vor­stel­len – und der hat nur we­nig mit Lan­didyl­le und Bau­ern­hof­ro­man­tik zu tun.

„Vie­le Leu­te stel­len sich Bau­ern im­mer in Gum­mi­stie­feln und mit ei­ner Mist­ga­bel in der Hand vor. Doch hin­ter ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb steckt viel mehr.“, er­klärt Jür­gen Hu­ber. Der 19-jäh­ri­ge Land­wirt aus Bern­bach bei Ai­chen ist auf dem fa­mi­li­en­ei­ge­nen Bau­ern­hof groß ge­wor­den. Sei­ne Aus­bil­dung zum Land­wirt an der Be­rufs­schu­le in Min­del­heim hat Jür­gen be- reits ab­ge­schlos­sen. Ne­ben So­zi­al­kun­de, Deutsch und Re­li­gi­on stand dort tie­ri­scher und pflanz­li­cher Fach­un­ter­richt auf dem St­un­den­plan. An Pra­xis­ta­gen wur­den land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be be­sich­tigt. Auch ein Holz­fäl­ler­kurs wur­de an­ge­bo­ten. „In der Be­rufs­schu­le wa­ren auch Mäd­chen in mei­ner Klas­se. Vor de­nen ha­be ich vol­len Re­spekt, dass sie sich für die­sen Be­ruf ent­schie­den ha­ben.“, er­zählt Jür­gen.

Der Traum, ei­nes Ta­ges selbst Land­wirt zu wer­den, be­gann für Jür­gen schon früh. „Ich bin die Land­wirt­schaft von klein auf ge­wöhnt.“, er­klärt er. „Ich war von An­fang an im­mer im Melk­stand, bei der Feld­ar­beit und im Stall mit da­bei. Ich ken­ne es gar nicht an­ders.“Heu­te ar­bei­tet Jür­gen die meis­te Zeit drau­ßen an der fri­schen Luft. Ob Trak­tor fah­ren, Kälb­chen füt­tern oder die Ar­beit im Stall, Spaß macht Jür­gen bei sei­nen Auf­ga­ben als Land­wirt ein­fach al­les.

Auch der 19-jäh­ri­ge Stefan Wach­ter aus Wal­ten­hau­sen hat sei­ne Leh­re zum Land­wirt vor Kur­zem er­folg­reich ab­ge­schlos­sen – und auch sei­ne El­tern ha­ben ei­nen Bau­ern­hof. „Ich bin mit der Land­wirt­schaft auf­ge­wach­sen. Das hat mich sehr ge­prägt.“, er­zählt Stefan. „Ich könn­te mir nie ei­nen an­de­ren Be­ruf vor­stel­len, bei dem ich mei­ne Lei- den­schaft je­den Tag aus­le­ben kann.“

Lang­wei­lig wird es nicht. „Ich ste­he je­den Tag vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen“, er­gänzt Stefan. All­täg­li­che Auf­ga­ben wie in den Stall zu ge­hen, ge­hö­ren für Jür­gen eben­so mit da­zu: „Auch wenn das frü­he Auf­ste­hen nach dem Fei­ern am Wo­che­n­en­de manch­mal ganz schön hart sein kann. Aber es lohnt sich ein­fach im­mer.“In Jür­gens Fa­mi­lie pa­cken al­le mit an. „Na­tür­lich hat sich auch mein Va­ter ge­freut, dass es in der Fa­mi­lie mit der Land­wirt­schaft wei­ter­geht“, sagt Jür­gen.

Stefan er­klärt, dass es vor al­lem in Fa­mi­li­en­be­trie­ben un­ver­zicht­bar ist, dass die Ju­gend­li­chen mit an­pa­cken. Das sei auch nicht mit an­de­ren Tä­tig­kei­ten ver­gleich­bar. „Die Ju­gend in der Land­wirt­schaft ar­bei­tet meis­tens frei­wil­lig und oh­ne et­was da­für zu be­kom­men. Al­ler­dings ma­chen wir das ger­ne, weil wir mit Herz­blut bei der Sa­che sind.“Be­son­ders toll ist es für Jür­gen und Stefan, Er­fol­ge in ih­rer Ar­beit als Land­wirt se­hen zu kön­nen. „Wenn so ein Kälb­chen auf die Welt kommt, ist das schon schön.“

Doch die Ar­beit auf ei­nem Bau­ern­hof ist nicht im­mer ein­fach. Vie­le land­wirt­schaft­li­che Groß­be­trie­be wer­den im­mer rie­si­ger, so­dass zahl­rei­che klei­ne­re Bau­ern­hö­fe auf­hö­ren müs­sen. Auch der ak­tu­el­le Milch­preis sei ge­ra­de für klei­ne­re Be­trie­be pro­ble­ma­tisch, sa­gen die bei­den.

Spaß an sei­ner Ar­beit hat Stefan trotz­dem je­den Tag. „Kein Be­ruf ist so viel­sei­tig, wie der des Land­wirts.“, meint Stefan. Für ihn be­deu­tet das nicht nur kör­per­lich har­te Ar­beit, son­dern auch je­de Men­ge fach­li­che Kennt­nis­se. „Der Be­ruf Land­wirt er­for­dert viel Wis­sen in der Pflan­zen- und Tier­pro­duk­ti­on. Auch in der Be­triebs­wirt­schaft muss ich mich aus­ken­nen.“, er­klärt Stefan. Er weiß auch, wie wich­tig sein Be­ruf ist und wie viel Ver­ant­wor­tung da­hin­ter steckt, des­halb lässt er sich von Kli­schees nicht be­ein­dru­cken. „Für mich heißt Land­wirt zu sein, je­den Tag mit Re­spekt vor der Na­tur zu ar­bei­ten. Wir wol­len für die Ver­brau­cher nach­hal­tig ge­sun­de und wert­vol­le Le­bens­mit­tel pro­du­zie­ren.“»Kom­men­tar

Fo­to: Ju­lia Scho­rer

Der 19-jäh­ri­ge Jür­gen Hu­ber ist Land­wirt mit Leib und See­le. Die täg­li­che Ar­beit im Kuh­stall ge­hört für ihn selbst­ver­ständ­lich da­zu – sein Be­ruf bie­tet aber noch viel mehr.

Fo­to: Samm­lung Wach­ter

Von we­gen alt­mo­disch: Land­wirt Stefan Wach­ter hat auf sei­nem Trak­tor auch Zeit für ein Sel­fie.

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