Vor­freu­de auf den olym­pi­schen Geist

Der Krum­ba­cher Paul Walsch­bur­ger fliegt mit der deut­schen olym­pi­schen Sport­ju­gend nach Rio. Was er dort er­lebt, wie sei­ne ei­ge­ne sport­li­che Kar­rie­re wei­ter­geht und was ihm sein Wech­sel zum Drei­sprung ge­bracht hat

Mittelschwaebische Nachrichten - - Sport Aus Der Region -

Krumbach Leicht­ath­let Paul Walsch­bur­ger vom TSV Nie­der­rau­nau hat in die­sem Jahr schon die Dis­zi­plin ge­wech­selt und in sei­nem neu­en Fach­ge­biet bei der deut­schen Meis­ter­schaft ei­ne Me­dail­le ge­won­nen. Am heu­ti­gen Don­ners­tag fliegt er als Teil ei­ner deut­schen Ju­gend­de­le­ga­ti­on nach Rio de Janei­ro. Im In­ter­view er­zählt er, was er sich von der Rei­se ver­spricht, wie es zum Wech­sel vom Weit- zum Drei­sprung kam und was aus sei­nem Traum vom Zehn­kampf ge­wor­den ist.

Am 4. Au­gust geht es los zum Deut­schen Olym­pi­schen Ju­gend­la­ger in Rio. Was steht für dich bis zur Abrei­se auf dem Pro­gramm? Wor­auf freust du dich in Rio am meis­ten? Paul Walsch­bur­ger: Für mich stand zu­letzt noch sehr viel an. Am Wo­che­n­en­de vor zwei Wo­chen hat­te ich in Nürn­berg ein gro­ßes Kon­zert mit mei­ner Mu­si­cal­com­pa­ny, wo ich als Sän­ger auf der Büh­ne ste­he. Ver­gan­ge­nes Wo­che­n­en­de ha­be ich bei mei­nem sport­li­chen Sai­son­hö­he­punkt, der deut­schen Meis­ter­schaft, die Bron­ze­me­dail­le ge­won­nen. Nach ei­ni­gen ma­ge­ren Jah­ren ha­be ich jetzt als Drei­sprin­ger mein Jahr mit ei­ner Me­dail­le krö­nend ab­ge­schlos­sen. Nie­mals hät­te ich das ge­glaubt, wenn man es mir vor ein paar Mo­na­ten er­zählt hät­te. Die Sai­son war der Wahn­sinn, mit Rie­sen­über­ra­schun­gen, tol­len Er­folgs­er­leb­nis­sen. Die­ser Ab­schluss ist die Kir­sche auf dem Sah­ne­häub­chen.

In Rio freue ich mich be­son­ders dar­auf, die­sen Spi­rit, den Geist von Olym­pia, aus nächs­ter Nä­he er­le­ben zu dür­fen. Für un­zäh­li­ge Sport­ler ist es der größ­te Traum, ein­mal dort star­ten zu dür­fen. Die­se Ener­gie und die er­füll­ten Träu­me zu spü­ren, wird ge­ra­de für mich als Nach­wuchs­ath­let ei­ne prä­gen­de Er­fah­rung sein.

Für die Teil­nah­me gab es ein re­la­tiv lang­wie­ri­ges Auf­nah­me­ver­fah­ren. Was muss­test du tun, um aus­ge­wählt zu wer­den? Walsch­bur­ger: Ich ha­be mich wie vie­le an­de­re dar­auf be­wor­ben. Ge­ach­tet wur­de be­son­ders auf sport­li­chen Er­folg und so­zia­les En­ga­ge­ment. Auch Mehr­spra­chig­keit und ein gu­tes Mo­ti­va­ti­ons­schrei­ben, bei dem wir sa­gen soll­ten, was uns die Olym­pi­schen Spie­le be­deu­ten, wa­ren sehr wich­tig.

Bei dem La­ger geht es ne­ben dem Sport dar­um, die Kul­tur des Gast­lan­des ken- nen­zu­ler­nen. Was ist vor Ort da­zu kon­kret ge­plant? Walsch­bur­ger: Wir wer­den ver­schie­de­ne Aus­flü­ge ma­chen, um mög­lichst viel von der Kul­tur ken­nen­zu­ler­nen. Auch die Fa­ve­las, al­so die Ar­men­vier­tel der Stadt, wer­den wir se­hen. Wir wer­den Re­prä­sen­tan­ten der deut­schen so­wie der bra­si­lia­ni­schen De­le­ga­ti­on tref­fen und na­tür- im­mer Au­gen und Oh­ren of­fen hal­ten und al­les in uns hin­ein­sau­gen. Na­tür­lich wer­den uns auch di­rekt vor Ort vie­le In­for­ma­tio­nen ver­mit­telt wer­den.

In dei­ner sport­li­chen Kar­rie­re hat es in die­sem Jahr ei­ne grö­ße­re Um­stel­lung ge­ge­ben. Wie kam es zum Wech­sel vom Weit- zum Drei­sprung? War es schwie­rig, sich auf die neue Tech­nik um­zu­stel­len? Walsch­bur­ger: Die­ser Wech­sel ist wahr­schein­lich das Bes­te, was mir pas­sie­ren konn­te. Ich war im Os­ter­trai­nings­la­ger mit ei­ner be­freun­de­ten Trai­nings­grup­pe aus Mün­chen. Dort hat mich der Lan­des­trai­ner Drei­sprung trai­niert und mich ein­fach aus In­ter­es­se drei­sprin­gen las­lich sen. Ge­ra­de mir als ver­gleichs­wei­se star­kem, aber lang­sa­men Sprin­ger lag die Be­we­gung von An­fang an. Die Tech­nik ha­be ich in Gr­und­zü­gen für al­le Be­tei­lig­ten – mich selbst ein­ge­schlos­sen – sehr schnell ge­lernt. Seit ei­ni­gen Mo­na­ten fei­len wir nun dar­an, sie zu per­fek­tio­nie­ren, was bei ei­ner so kom­ple­xen Be­we­gung na­tür­lich noch viel mehr Zeit brau­chen wird.

Trai­nierst du aus­schließ­lich für Drei­sprung, oder bleibst du viel­sei­tig auf­ge­stellt? Du hat­test ja mal den Traum, Zehn­kämp­fer zu wer­den. Exis­tiert der noch? Walsch­bur­ger: Nein, ab jetzt läuft al­les auf mei­ne Drei­sprung­kar­rie­re hin­aus. Ich muss­te recht bald nach mei­nem Wech­sel nach Nürn­berg ein­se­hen, dass ich mit 1,80 Me­ter für ei­nen Zehn­kämp­fer schlicht­weg zu klein bin. Al­so war der Wech­sel zum Weit­sprung vor­pro­gram­miert. Ab ei­nem ge­wis­sen Al­ter und Leis­tungs­ni­veau muss man lei­der ein­se­hen, dass Viel­sei­tig­keit scha­det. Jetzt gilt es al­so, al­le Kon­zen­tra­ti­on dar­auf zu bün­deln, in ei­ner Dis­zi­plin er­folg­reich zu sein.

Du bist auf ei­ner Eli­te­schu­le des Sports. Klappt dort die Ver­bin­dung von Schu­le und Trai­ning so, wie du es dir vor­ge­stellt hast? Gibt es dar­über hin­aus schon Plä­ne für die Zeit nach der Schu­le? Walsch­bur­ger: Ich pro­fi­tie­re sehr vom Eli­te­schul­sys­tem. Ge­ra­de jetzt in der Schul­zeit­stre­ckung (die elf­te Klas­se wird in zwei Jah­ren ab­sol­viert, Anm. d. Red.) ha­be ich sehr viel mehr freie Zeit zum Trai­nie­ren und Re­ge­ne­rie­ren. Oh­ne die­se Ent­las­tung hät­te ich das heu­ti­ge Ni­veau nicht er­rei­chen kön­nen. Es lief nicht al­les wie ge­plant, aber jetzt bin ich so mit der Si­tua­ti­on doch zu­frie­den, wie sie ist. Wie es nach der Schu­le läuft, kann ich noch nicht un­be­dingt sa­gen. Aber ich ha­be ja auch noch ein biss­chen Zeit zum Über­le­gen.

Wie se­hen dei­ne Zie­le für den Rest des Jah­res aus? Walsch­bur­ger: Ich ha­be ge­ra­de das Schul­jahr ab­ge­schlos­sen und freue mich auf er­leb­nis­rei­che Wo­chen. Nach den Som­mer­fe­ri­en wer­de ich so wei­ter­ma­chen, wie ich es jetzt tue. Mein Abitur­jahr steht an, und ich möch­te mich im Win­ter zum ers­ten Mal für ei­nen gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Wett­kampf qua­li­fi­zie­ren und in der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft sprin­gen.

Die Fra­gen stell­te Adri­an Bau­er

Fo­to: Theo­dor Kief­ner

Paul Walsch­bur­ger fliegt zum Deut­schen Olym­pi­schen Ju­gend­la­ger nach Rio: Die Lieb­lings­ges­te der Olym­pio­ni­ken hat der Krum­ba­cher schon mit sei­ner Bron­ze­me­dail­le bei der deut­schen Meis­ter­schaft trai­niert.

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