Der Bun­des­tag ist jetzt am Zug

Das Ka­bi­nett hat ges­tern den Verkehrswegeplan ab­ge­seg­net. Das bringt in der Re­gi­on zwei ganz ent­schei­den­de Pro­jek­te vor­an

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Nachbarschaft | Landkreis - VON RO­NALD HINZPETER

Land­kreis Das Ka­bi­nett hat ges­tern ent­schie­den, der Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan ist ab­ge­seg­net. Da­mit sind zwei wich­ti­ge Pro­jek­te in der Re­gi­on ei­nen ent­schei­den­den Schritt vor­an­ge­kom­men: Der Aus­bau der Bahn­stre­cke zwi­schen Ulm und Augs­burg so­wie die Um­fah­rung von Ichen­hau­sen. Bei­de Vor­ha­ben sind als so­ge­nann­ter „vor­dring­li­cher Be­darf“ein­ge­stuft, ste­hen al­so auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te ganz oben. Das freut na­tür­lich die lo­ka­len Ent­schei­dungs­trä­ger.

Nach ei­nem sehr auf­wen­di­gen Bür­ger­be­tei­li­gungs­ver­fah­ren mit rund 40 000 Stel­lung­nah­men zu sämt­li­chen Pro­jek­ten ist der im März vor­ge­stell­te Plan noch ein­mal über­ar­bei­tet wor­den. Wich­tig da­bei für den Land­kreis: Günz­burg wur­de als Fern­zug­halt fest­ge­schrie­ben. Zu­dem ist nicht mehr die Re­de da­von, dass zwi­schen Un­ter­fahl­heim und Din­kel­scher­ben ei­ne völ­lig neue Bahn­li­nie ent­lang der Au­to­bahn ent­ste­hen soll.

Der CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ge­org Nüß­lein sag­te ge­gen­über un­se­rer Zei­tung, nun be­ste­he die ei­ni­ge lei­di­ge Ver­kehrs­pro­ble­me in den Griff zu be­kom­men. Wich­tig fin­det er, dass die­ser Plan auch mit ent­spre­chend viel Geld un­ter­füt­tert ist, da­mit er zü­gig um­ge­setzt wer­den kann. Bis 2030 sol­len ins­ge­samt 270 Mil­li­ar­den in den Aus­bau und Er­halt von Stra­ßen so­wie Schie­nen- und Was­ser­we­gen flie­ßen. Der Bun­des­tag wird im Herbst ver­bind­lich über sämt­li­che Vor­ha­ben ent­schei­den.

Was den Fern­zug­halt in Günz­burg be­trifft, so ju­bel­te ges­tern der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Karl­Heinz Brun­ner: „Wir ha­ben es ge­schafft. Der ICE hält wei­ter­hin in Günz­burg.“Die Kreis­stadt ab­zu­hän­gen, wä­re für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Re­gi­on ei­ne Ka­ta­stro­phe ge­we­sen. „Of­fen­sicht­lich hat sich Ver­kehrs­mi­nis­ter Do­brindt ei­nes Bes­se­ren be­leh­ren las­sen“, so Brun­ner wei­ter, „der Dank ge­bührt da­bei Bür­ger­meis­ter Jau­er­nig. Das Rin­gen um ei­ne über­par­tei­li­che Al­li­anz für den Er­halt des Stopps in Günz­burg ist auch sein Er­folg.“

Das Günz­bur­ger Stadt­ober­haupt gibt das Kom­pli­ment zu­rück. Ger­hard Jau­er­nig lobt den Ein­satz der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Brun­ner und Nüß­lein. Um den Fern­zug­halt zu er­hal­ten, ha­be es sich ge­lohnt, früh­zei­tig die Kräf­te zu bün­deln. Hat­te er sich nach Be­kannt­wer­den des nun­mehr vom Ka­bi­nett ab­ge­seg­ne­ten Ent­wurfs noch zu­rück­hal­tend ge­äu­ßert, sagt er jetzt: „Der Sekt ist kalt ge­stellt, ge­öff­net wird er aber noch nicht.“Auch er geht da­von aus, dass an­ge­sichts der Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Bun­des­tag der Verkehrswegeplan so be­wil­ligt wird, wie vom Ka­bi­nett be­schlos­sen. „Jetzt ist ein wich­ti­ges Etap­pen­ziel er­reicht wor­den.“

Jo­sef Brand­ner, Vor­sit­zen­der des IHK-Aus­schus­ses für Ver­kehr und Lo­gis­tik, hält es für ei­nen wich­ti­gen Schritt, dass die Neu- und Aus­bau­stre­cke zwi­schen Ulm und Augs­burg in den „vor­dring­li­chen Be­darf“auf­ge­nom­men wur­de. Im­mer­hin war ein sol­ches Vor­ha­ben 2003 noch aus dem bis heu­te gül­ti­gen al­ten Verkehrswegeplan ge­stri­chen wor­den. Um den Schie­nen­ver­kehr ver­nünf­tig und so­mit wirt­schaft­lich sinn­voll zu be­schleu­ni­gen, muss sei­ner An­sicht nach zwi­schen NeuUlm und Din­kel­scher­ben mög­lichst viel aus- und neu­ge­baut wer­den. Da­bei müs­se der be­ste­hen­de BahnChan­ce, hof in Günz­burg min­des­tens auf heu­ti­gem Ni­veau in das Fern­ver­kehrs­netz ein­ge­bun­den blei­ben.

Was für den Land­kreis wei­ter wich­tig ist: In dem Plan geht es nicht nur um die Schie­ne, denn auch die öst­li­che Orts­um­ge­hung Ichen­hau­sen/Kötz fin­det sich dort im vor­dring­li­chen Be­darf. Hier gibt sich der Abgeordnete Nüß­lein zu­ver­sicht­lich, dass sich in den wei­te­ren Ver­hand­lun­gen ei­ne Lö­sung für die um­strit­te­ne Tras­se fin­den wird, „die auch bei der Be­völ­ke­rung Ak­zep­tanz fin­det“. Er geht da­von aus, dass sie noch wei­ter nach Os­ten ver­scho­ben wird, weg von der Wohn­be­bau­ung. Ichen­hau­sens Bür­ger­meis­ter Ro­bert Stro­bel sag­te spon­tan: „Ich bin froh.“Ihm ist wich­tig, wenn die­ses Um­ge­hungs­pro­jekt wei­ter­hin zum vor­dring­li­chen Be­darf zählt. Auch er meint, in den wei­te­ren Ver­hand­lun­gen wer­de sich ei­ne Lö­sung fin­den, die mög­lichst vie­le der Be­den­ken be­rück­sich­ti­ge. Jetzt soll­te es schnell ge­hen mit der end­gül­ti­gen Ent­schei­dung, wünscht sich Stro­bel: „Wenn es heißt, der Bun­des­tag ent­schei­det nach der Som­mer­pau­se, soll­te das dann nicht Ok­to­ber be­deu­ten.“

Fo­to: Bern­hard Weiz­enegger

Für Günz­burg ist der (Fern-)Zug de­fi­ni­tiv noch nicht ab­ge­fah­ren, da­für sorgt der neue Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan.

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