Wer­be­ta­feln: Bur­gau igno­riert Rechts­an­spruch

Stadt­rats­mit­glie­der wol­len wei­te­re An­la­gen ver­hin­dern. Sie dür­fen es ei­gent­lich nicht – und tun es doch

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Nachbarschaft | Landkreis - VON CHRIS­TI­AN KIRSTGES

Bur­gau Es bleibt da­bei: Die Mit­glie­der des Bur­gau­er Bau­aus­schus­ses wol­len mög­lichst kei­ne wei­te­ren Wer­be­ta­feln in der Stadt. Nach­dem sie im Fe­bru­ar ei­nen An­trag für ei­ne sol­che An­la­ge im Be­reich der Augs­bur­ger Stra­ße ab­ge­lehnt hat­ten, gibt es nun ein Schrei­ben vom Land­rats­amt, in dem die Grün­de so nicht ak­zep­tiert wer­den. Die Ent­schei­dung aus Bur­gau wird so­mit auf­ge­ho­ben. Die Auss­schuss-Mit­glie­der in­ter­es­siert das nicht: Sie blei­ben bei ih­rer Hal­tung. Um ein Zei­chen zu set­zen und ge­ge­be­nen­falls ju­ris­tisch vor­ge­hen zu kön­nen. Auch im Ju­ni hat­ten sie ge­gen ei­nen An­trag für ei­ne sol­che An­la­ge ge­stimmt.

Im Ge­gen­satz zu den Kom­mu­nal­po­li­ti­kern ist das Land­rats­amt al­ler­dings nicht der An­sicht, dass durch Wer­be­ta­feln das Orts­bild be­ein­träch­tigt wird – so hat­ten die Bur­gau­er aber ar­gu­men­tiert. Und wa­ren sich schon be­wusst, dass sie sich auf dün­nem Eis be­we­gen, schließ­lich wur­den an­de­re An­la­gen die­ser Art auch schon ge­neh­migt. Jetzt soll aber da­mit Schluss sein, weil sie „wie Pil­ze aus der Er­de wach­sen“, wie es Wil­helm Frie­ling­haus (CWG) for­mu­liert. Es müs­se ge­prüft wer­den, ob denn ei­ne be­lie­bi­ge Zahl von Wer­be­ta­feln in der Stadt und ge­ra­de im Be­reich ei­ner Stra­ße hin­ge­nom­men wer­den müs­se. Auch Man­fred Kra­mer (SPD) spricht sich da­für aus, sie zu be­gren­zen. Schließ­lich sei­en sie nicht „orts­bild­ver­schö­nernd“, meint eben­falls Her­bert Blasch­ke (FDP/FB). Stadt­bau­meis­ter Wer­ner Mi­hatsch sagt je­doch, dass es wohl schwie­rig sei, hier ei­ne Gren­ze zu zie­hen. Das Land­rats­amt ar­gu­men­tiert, dass sich ei­ne sol­che Ta­fel durch­aus in das Orts­bild ein­fü­ge. In ei­nem Dorf­ge­biet wie Knö­rin­gen sei­en nicht we­sent­lich stö­ren­de Ge­wer­be­be­trie­be zu­läs­sig und auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ha­be fest­ge­stellt, dass es sich bei der­ar­ti­gen Wer­be­an­la­gen eben um nicht stö­ren­des Ge­wer­be han­de­le und da­her er­laubt sei­en. „Der Schutz des Orts­bil­des be­trifft nicht die äs­the­ti­sche Er­schei­nung, son­dern die städ­te­bau­li­chen Aus­wir­kun­gen ei­nes Vor­ha­bens“, heißt es in der Be­grün­dung des Land­rats­am­tes, das sich auf das Bau­ge­setz­buch be­zieht. „Zu un­ter­su­chen ist, ob sich das ge­plan­te Vor­ha­ben in die­se wei­te­re Um­ge­bung ein­passt, wo­bei zu be­ach­ten ist, dass nicht je­des Orts­bild schüt­zens­wer­ten Cha­rak­ter auf­weist.“Es han­de­le sich um ei­ne Orts­durch­fahrt, die sich nicht we­sent­lich von an­de­ren ab­he­be. Auch ge­be es kei­ne ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Ver­kehrs­si­cher­heit.

„Da das Vor­ha­ben bau­pla­nungs­recht­lich zu­läs­sig ist, konn­te be­zie­hungs­wei­se kann das ge­meind­li­che Ein­ver­neh­men nicht zu Recht ver­sagt wer­den“, be­tont das Amt wei­ter. „Viel­mehr be­steht ein Rechts­an­spruch auf Er­tei­lung der Bau­ge­neh­mi­gung, so­dass wir uns ver­an­lasst se­hen, das feh­len­de Ein­ver­neh­men zu er­set­zen. Be­vor wir zu die­ser Maß­nah­me grei­fen, ge­ben wir bis Mit­te Sep­tem­ber die Mög­lich­keit, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Rechts­la­ge Ih­re bis­he­ri­ge Ent­schei­dung noch­mals zu über­den­ken be­zie­hungs­wei­se ab­zu­än­dern oder (...) ei­ne Stel­lung­nah­me ab­zu­ge­ben.“Nun steht fest: Auch, wenn das Recht et­was an­de­res fest­schreibt, blei­ben die Bur­gau­er wei­ter­hin bei ih­rer ei­ge­nen An­sicht.

Fo­tos: Bern­hard Weiz­enegger

Ent­spannt se­hen die Bur­gau­er Bau­aus­schuss-Mit­glie­der die Wer­be­ta­feln in der Stadt nicht – links am Zoll­berg in Un­ter­knö­rin­gen, rechts an der Augs­bur­ger Stra­ße. Sie wol­len wei­te­re mög­lichst ver­hin­dern.

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