Wei­ter­wursch­teln bis zur nächs­ten Kri­se

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON JU­LI­US MÜL­LER-MEI­NIN­GEN re­dak­ti­on@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Ita­li­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Mat­teo Ren­zi gibt Ent­war­nung. Die Stress­tests bei 53 eu­ro­päi­schen Ban­ken hät­ten ge­zeigt, dass die Pro­ble­me der eu­ro­päi­schen Fi­nan­zen nicht in Ita­li­en be­grün­det lie­gen. Vier von fünf Ban­ken sei­en ge­sund. Und für das Sor­gen­kind Mon­te dei Pa­schi ha­be man ei­nen trag­fä­hi­gen Ret­tungs­plan vor­ge­legt.

Ren­zi über­sieht al­ler­dings, dass Ita­li­ens Ban­ken­sys­tem wei­ter an struk­tu­rel­len Pro­ble­men lei­det. Wäh­rend an­de­re EU-Län­der bald nach Be­ginn der Fi­nanz­kri­se kran­ke In­sti­tu­te ge­ret­tet ha­ben, ist das heu­te an­ge­sichts der neu­en eu­ro­päi­schen Re­ge­lun­gen nicht mehr mög­lich. Ita­li­en hat die Chan­ce zu ei­nem ra­di­ka­len Schnitt be­reits vor Jah­ren ver­passt. Das ist nicht Ren­zis Ver­sa­gen, son­dern die Leicht­fer­tig­keit sei­ner Vor­gän­ger, die je­weils nur kurz im Amt wa­ren.

Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung soll­te sich nun aber nicht mit der un­ge­wis­sen Son­der­lö­sung für die Kri­sen­bank Mon­te dei Pa­schi und den ak­zep­ta­blen Er­geb­nis­sen der an­de­ren ita­lie­ni­schen Ban­ken beim Stress­test zu­frie­den­ge­ben. Ita­li­ens Ban­ken­sys­tem muss wei­ter re­for­miert wer­den. Es ist un­ren­ta­bel. Zu vie­le Fi­lia­len und da­mit ho­he Kos­ten be­hin­dern ein pro­duk­ti­ves Wirt­schaf­ten. Auch be­las­ten im­mer noch au­ßer­ge­wöhn­lich vie­le fau­le Kre­di­te die In­sti­tu­te. Ak­zep­tiert Ita­li­en aus po­li­ti­schem Kal­kül den Sta­tus quo, über­steht Ren­zi viel­leicht das Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dum im Herbst, an das er sei­ne po­li­ti­sche Zu­kunft ge­knüpft hat. Bis zur nächs­ten Sys­tem­kri­se ist es hin­ge­gen nur ei­ne Fra­ge der Zeit.

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