„Die­ses Pro­jekt ist ab­so­lut mach­bar“

Hei­mat­mi­nis­ter Sö­der macht sich beim Orts­ter­min für den um­strit­te­nen Ski­lift stark. Wie er das Vor­ha­ben um­set­zen will und war­um er kei­nen Prä­ze­denz­fall be­fürch­tet

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern - VON MAR­KUS RAFFLER

Obermaiselstein Mar­kus Sö­der ist trotz des heik­len The­mas gut ge­launt an die­sem Vor­mit­tag. Lo­cker steht der baye­ri­sche Hei­mat­mi­nis­ter zwi­schen Huf­lat­tich und Hei­del­bee­ren auf ei­ner Berg­wie­se am Ried­ber­ger Horn und lässt sich mit Da­ten füt­tern. An die­ser Stel­le soll die ge­plan­te Fa­mi­li­en­ab­fahrt que­ren, ei­ni­ge hun­dert Me­ter wei­ter in Rich­tung Gip­fel wür­de die neue Ka­bi­nen­bahn ver­lau­fen. Bei­des ge­hört zum über zwölf Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Lift­pro­jekt, um das seit Mo­na­ten ver­bis­sen ge­run­gen wird.

Der Streit um den Ski­lift zwi­schen den Ober­all­gäu­er Ge­mein­den Obermaiselstein und Bal­der­schwang hat das Ried­ber­ger Horn über Nacht be­kannt ge­macht. Um­welt­mi­nis­te­rin Ul­ri­ke Scharf und Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer wa­ren be­reits da. Ges­tern nun der drit­te Orts­ter­min bin­nen we­ni­ger Mo­na­te. Und den nutzt CSU-Mann Sö­der für ei­ne kla­re An­sa­ge: „Das Pro­jekt ist ab­so­lut mach­bar und dar­stell­bar.“Die von Na­tur­schüt­zern und Berg­ver­bän­den ent­fach­te Dis­kus­si­on hält er für „nicht nach­voll­zieh­bar“.

Denn dem ho­hen Gut des Na­tur­schut­zes in Bay­ern ste­he die gro­ße Be­deu­tung der länd­li­chen Re­gio­nen als Wirt­schafts- und Le­bens­raum ge­gen­über. Den Lift­bau am Ried­ber­ger Horn hält Sö­der für ei­ne De­mo­kra­ti­sie­rung der Lan­des­pla­nung: „Wenn die Bür­ger vor Ort das Pro­jekt wol­len, ge­ben wir in Mün­chen lan­des­pla­ne­risch die Mög­lich­keit da­zu.“Es sei falsch, hier nur von Mün­chen aus zu ent­schei­den.

Will hei­ßen: Fal­le das bis Ok­to­ber ge­plan­te Rats­be­geh­ren in Ober­mai- sel­stein und Bal­der­schwang po­si­tiv aus, wer­de das Ka­bi­nett für den ge­plan­ten Lift- und Pis­ten­be­reich die Än­de­rung des baye­ri­schen Al­pen­plans be­an­tra­gen – und zwar die Ab­stu­fung von der höchs­ten Schutz­zo­ne C in die nied­ri­ge­re Schutz­zo­ne B, die laut Mi­nis­ter eben­falls ei­nen ho­hen Schutz für Flo­ra und Fau­na bie­te. Voll­zo­gen wür­de die­ser Schritt über ei­ne Än­de­rung des Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramms. Kein The­ma mehr ist laut Sö­der ei­ne ge­ne­rel­le Lo­cke­rung des Bau­ver­bots in der Schutz­zo­ne C des Al­pen­plans. Auch ei­ne Ver­schie­bung der Schutz­zo­nen­gren­ze in Rich­tung des be­nach­bar­ten Wan­nen­kopfs bringt der Mi­nis­ter vor Ort nicht ins Spiel.

„Es geht hier um ei­nen rei­nen Ein­zel­fall“, sagt Sö­der, der nicht mit ei­ner Prä­ze­denz­wir­kung rech­net. „Zu­mal wir kei­nen ein­zi­gen an­de­ren Be­zugs­fall in Bay­ern ha­ben.“Lie­ber spricht er vom Ziel, „Waf­fen­gleich­heit“mit Ös­ter­reich zu schaf­fen.

Hin­zu kom­me, dass das be­trof­fe­ne Are­al nur 0,08 Pro­zent der Al­pen­plan-Schutz­zo­ne am Ried­ber­ger Horn um­fas­se – ein Pl­an­ge­biet mit will­kür­li­chen Gren­zen und oh­ne ex­ak­te bio­lo­gi­sche und geo­lo­gi­sche Be­grün­dung. Land­rat An­ton Klotz (CSU) är­gert sich zu­dem über Äu­ße­run­gen der Pro­jekt­geg­ner. „Der Hang dort ist et­was la­bil“, räumt er ein. „Aber von ei­ner Ge­fahr durch Hang­rut­sche zu spre­chen ist ein Rie­sen-Blöd­sinn.“Im Schutz­ge­biet ge­be es kei­ne Ro­dun­gen, eben­so­we­nig Bo­den­ein­grif­fe durch den Pis­ten­bau.

Fo­to: Ralf Lie­nert

Orts­ter­min am Ried­ber­ger Horn: Der Ober­maisel­stei­ner Bür­ger­meis­ter Pe­ter Steh­le und Ber­ni Hu­ber, Ge­schäfts­füh­rer der Gras­geh­ren­lif­te, er­klä­ren Hei­mat­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (von links) den Ver­lauf der ge­plan­ten Fa­mi­li­en­ab­fahrt zwi­schen Gras­geh­ren und Bal­der­schwang.

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