In acht Ta­gen zur Tau­fe

Der Ka­te­chis­mus des Je­sui­ten Alex­an­der de Rho­des (1593 bis 1660)

Mittelschwaebische Nachrichten - - Gottesdienstanzeiger -

Krum­bach Seit Je­sus bei sei­ner Him­mel­fahrt den Apos­teln den Auf­trag er­teilt hat: „Ge­het hin in al­le Welt, lehrt al­le Völ­ker und tauft sie!“, ma­chen sich Mis­sio­na­re auf den Weg, um Men­schen die fro­he Bot­schaft zu ver­kün­den, dass Gott al­le Men­schen liebt und ih­nen das ewi­ge Le­ben schen­ken möch­te. Be­reits die Apos­tel mach­ten sich auf den Weg. Sie lehr­ten und sie tauf­ten. Ih­re Schü­ler setz­ten das Werk der Glau­bens­ver­kün­di­gung fort. So brei­te­te sich der christ­li­che Glau­be aus. Gro­ße Mis­sio­na­re wä­ren zu nen­nen wie der hei­li­ge Patrick, der Apos­tel Ir­lands, oder der hei­li­ge Bo­ni­fa­ti­us, der Apos­tel Deutsch­lands, und nicht un­er­wähnt soll blei­ben der Je­su­it Alex­an­der de Rho­des, der Apos­tel Viet­nams.

Je­der Mis­sio­nar hat sei­ne Me­tho­de, Men­schen für Chris­tus zu ge­win­nen und sie auf die Tau­fe vor­zu­be­rei­ten. Der hei­li­ge Franz Xa­ver mach­te dies im Schnell­ver­fah­ren, wäh­rend an­de­re Mis­sio­na­re zwei Jah­re der Vor­be­rei­tung auf den Emp­fang der hei­li­gen Tau­fe be­nö­tig­ten. So lan­ge woll­te sich auch der Mis­sio­nar Alex­an­der de Rho­des im 17. Jahr­hun­dert bei sei­ner Viet­namMis­si­on nicht Zeit las­sen. Er schrieb sei­ne Mis­si­ons­me­tho­de in ei­nem Buch nie­der, das 1651 in Latein und Viet­na­me­sisch er­schien und den Ti­tel trug „Ka­te­chis­mus für Tauf­be­wer­ber in acht Ta­ge auf­ge­teilt“. Ein Acht-Ta­ge-Kurs soll auf die Tau­fe vor­be­rei­ten. Bei sei­nem Ka­te­chis­mus, der mit Zu­stim­mung des Or­dens­ge­ne­rals der Je­sui­ten und der Pro­pa­gan­da­kon­gre­ga­ti­on in Rom er­schien, ver­wen­det de Rho­des nicht das Sche­ma des Pe­trus Ca­ni­si­us, des zwei­ten Apos­tels Deutsch­lands. Pe­trus Ca­ni­si­us hat ei­ne Vie­rer­struk­tur, die bis in die Ge­gen­wart stil­bil­dend war, ver­wen­det: Be­gin­nend mit den Glau­bens­ar­ti­keln geht er über zu den Sa­kra­men­ten, be­han­delt dann die Ge­bo­te und schließt mit Ge­be­ten.

Pa­ter Alex­an­der geht ei­nen an­de­ren Weg. Sein Ka­te­chis­mus be­steht nicht aus Fra­ge und Ant­wort, son­dern er setzt auf Ge­schich­ten, Bil­der und Sprich­wör­ter, die den Viet­na­me­sen ver­traut sind. Schon in der Ein­lei­tung geht er auf den Wunsch der Viet­na­me­sen nach ei­nem lan­gen Le­ben ein. Ge­nau das bie­tet Je­sus. Er bie­tet das ewi­ge Le­ben. Bei der Hin­füh­rung zur Tau­fe in acht Ta­gen be­ginnt Pa­ter Alex­an­der am ers­ten Tag mit dem Schöp­fer­gott, der al­les ins Da­sein ge­ru­fen hat. Am zwei­ten Tag wird die Er­kennt­nis Got­tes ver­tieft.

Be­reits am drit­ten Tag spricht der Mis­sio­nar im Zu­sam­men­hang mit dem Sün­den­fall von der Not­wen­dig­keit der Tau­fe. Am vier­ten Tag ist die Re­de von der Uns­terb­lich­keit der See­le. Hier setzt er sich mit dem Ah­nen­kult aus­ein­an­der. Er lehnt ihn nicht gänz­lich ab, macht aber be­stimm­te Ein­schrän­kun­gen, denn Chris­ten ist nicht al­les er­laubt.

Am fünf­ten Tag ver­mit­telt er die Grund­ge­be­te. Er ver­bin­det sie mit den Glau­bens­wahr­hei­ten vom ei­nen Gott in drei Per­so­nen und der Men­sch­wer­dung des Got­tes­soh­nes. Der sechs­te Tag ist dem Le­ben Je­su ge­wid­met. Er geht da­bei vor al­lem auf die Wun­der ein. Am sieb­ten Tag be­han­delt er das Lei­den Je­su, sei­nen Kreu­zes­tod und sei­ne Au­fer­ste­hung. Der letz­te und ach­te Tag steht ganz im Zei­chen des Jüngs­ten Ge­rich­tes. Hier ha­ben auch die Ge­bo­te ih­ren Platz. Er­staun­li­cher­wei­se feh­len die Sa­kra­men­te. We­der die Eucha­ris­tie kommt vor, ob­wohl es im Zu­sam­men­hang mit dem Letz­ten Abend­mahl na­he­lie­gen wür­de, noch das Buß­sa­kra­ment. Die­se Un­ter­wei­sung er­folgt erst nach dem Emp­fang der hei­li­gen Tau­fe.

Die Ka­te­che­se von Pa­ter Alex­an­der de Rho­des war äu­ßerst er­folg­reich. In­ner­halb we­ni­ger Jah­re hat er meh­re­re Tau­send Viet­na­me­sen tau­fen kön­nen. Die von ihm aus­ge­bil­de­ten Ka­te­chis­ten gin­gen eben­falls nach die­ser Me­tho­de vor und konn­ten den christ­li­chen Glau­ben wei­ter­ver­brei­ten. Auch als Ver­fol­gun­gen her­ein­bra­chen und es an Pries­tern fehl­te, ha­ben die Viet­na­me­sen den Glau­ben be­wahrt. (gsch)

Fo­to: Lud­wig Gschwind

Das Bild zeigt den hei­li­gen Pe­trus Ca­ni­si­us wie er mit sei­nem Ka­te­chis­mus Kin­der un­ter­rich­tet. Es ist ein Glas­fens­ter in der Ka­pel­le des ehe­ma­li­gen Pries­ter­se­mi­nars in Dil­lin­gen/Do­nau.

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