„Un­ter uns, ganz ru­hig, ganz schön“

Der Wei­ler Was­ser­berg ist die ein­zi­ge Streu­sied­lung im Land­kreis. War­um dies auch in Zu­kunft so blei­ben soll und kein Frem­der bau­en darf

Mittelschwaebische Nachrichten - - Krumbach, Kammel- Und Günztal -

Alets­hau­sen/Was­ser­berg Die 73 Was­ser­ber­ger füh­len sich als „gu­te“Alets­hau­ser, sind aber doch „stol­ze“Was­ser­ber­ger und wol­len dies auch blei­ben. Dass ih­nen das auch in Zu­kunft ge­lingt, ha­ben sie sich amt­lich be­schei­ni­gen las­sen. Für das Land­rats­amt in Günz­burg ist Was­ser­berg die ein­zi­ge Streu­sied­lung im Land­kreis, die ei­nen be­son­de­ren Schutz bei Bau­an­fra­gen be­sitzt. Es ha­be in den letz­ten Jah­ren vie­le Vor­an­fra­gen ge­ge­ben, die aber al­le ab­ge­lehnt wur­den. Die Was­ser­ber­ger sind der Be­hör­de dank­bar: Es dür­fen dort nur Ein­hei­mi­sche bau­en.

In die­sem Punkt, näm­lich dem Er­halt der be­ste­hen­den Ver­ein­ödung, sind sich al­le Was­ser­ber­ger ei­nig. „Wir le­ben un­ter uns, ganz ru­hig, ganz schön und füh­len uns wohl“, sagt der „Dor­f­äl­tes­te“Jo­hann Loch­brun­ner mit sei­nen 87 Jah­ren.

Der vor 18 Jah­ren auch von vie­len Alets­hau­sern in den Ge­mein­de­rat ge­wähl­te Wilfried Paul ver­tritt die Was­ser­ber­ger nach au­ßen und be­stä­tigt, dass es mit der Groß­ge­mein­de kei­ner­lei Pro­ble­me ge­be: „Wir füh­len uns gut be­han­delt, er­rei­chen was wir wol­len, er­le­di­gen aber auch viel in Ei­gen­re­gie und zwar durch un­se­ren funk­tio­nie­ren­den Fron­dienst.“Bei­spiel ge­fäl­lig? Al­le zwei Jah­re gibt es ei­nen ei­ge­nen Mai- baum, der aus dem ei­ge­nen Wald stammt und mit­tels Trak­to­ren von den ei­ge­nen Leu­ten ge­ziert und auf­ge­stellt wird.

Die­ser nicht all­täg­li­che Zu­sam­men­halt wird seit Lan­gem prak­ti­ziert. Be­gon­nen hat die­ses Mit­ein­an­der wohl schon bald nach der Grün­dung des Wei­lers, die 1316, al­so vor ge­nau 700 Jah­ren, erst­mals als „Wai­zen­berg“ur­kund­lich da­tiert ist. 50 Jah­re spä­ter hieß der Ort „Waz­zen­berg“, der da­mals aus ei­ner ein­zi­gen Hof­stel­le be­stand. Es han­delt sich um das heu­te noch be­ste­hen­de land­wirt­schaft­li­che An­we­sen von Jo­sef Ges­sel mit der Haus­num­mer 1 auf der Hö­he in Rich­tung Has­berg in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der Ka­pel­le, die es seit 1834 gibt.

Schreck­li­che Zeit im 17. Jahr­hun­dert

Der Hof war ur­sprüng­lich im Be­sitz des Augs­bur­ger Hoch­stif­tes und ge­hör­te da­mit zur Berg­fes­te Has­berg. Die schreck­lichs­te Zeit folg­te im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg (1618 bis 1648): Im klei­nen Wei­ler hat­te die Pest al­le Be­woh­ner da­hin­ge­rafft. Im 16. Jahr­hun­dert war das hoch­stif­ti­sche Gut in fünf An­we­sen zer­stü­ckelt wor­den, die um 1542 Eber­hard von Frey­berg aus Rau­nau kauf­te. An­schlie­ßend kam es zu wei­te­ren Auf­tei­lun­gen.

1789 zählt die Chro­nik sechs Ge­höf­te, 1818 zwölf und heu­te sind es 14, von de­nen drei noch ak­tiv Land­wirt­schaft be­trei­ben. Die­se Auf­tei­lun­gen führ­ten zur heu­ti­gen Streu­sied­lung, hat­ten al­so ei­ne ähn­li­che Ver­gan­gen­heit wie die Ver­ein­ödung im be­nach­bar­ten All­gäu.

Bis ins Jahr 1977 be­saß je­der Hof sei­ne ei­ge­ne Was­ser­ver­sor­gung, be­vor es zum Zu­sam­men­schluss mit Has­berg kam. Das Ab­was­ser wird über die Jau­che­gru­be oder bei Wohn­häu­sern über Haus­klär­an­la­gen ent­sorgt. Die ers­te ge­teer­te Stra­ße gab es in den 70er-Jah­ren, als die Orts­ver­bin­dungs­stra­ße von Alets­hau­sen nach Has­berg aus­ge­baut wur­de. Die Zu­sam­men­ar­beit mit den Nach­bar­or­ten be­zeich­nen die Was­ser­ber­ger heu­te als „sehr gut“.

Das war nicht im­mer so: Um 1960 wur­de in Alets­hau­sen die Neu­an­la­ge ei­nes Fried­hofs heiß dis­ku­tiert. Die Ein­hei­mi­schen woll­ten den Got­tes­acker an der Pfarrkirche be­las­sen, die Was­ser­ber­ger da­ge­gen for­der­ten ei­ne Neu­an­la­ge, die dann spä­ter na­he der Lour­des-Grot­te Wirk­lich­keit wur­de.

Sepp Lieb­ha­ber und Wilfried Paul sind sich aber ei­nig: „Seit der Ge­biets­re­form im Jah­re 1978 und den bei­den Bür­ger­meis­tern Her­mann Al­bert und Hans Wie­de­mann hat sich das Ver­hält­nis ent­schie­den ver­bes­sert.“Wie eng die Ko­ope­ra­ti­on ist, zeigt sich auch an dem Fakt, dass vier Was­ser­ber­ger der­zeit an der Spit­ze von den sie­ben Dorf­ver­ei­nen ste­hen.

Zuf­rie­den­heit herrscht auch bei den an­ste­hen­den Pro­ble­men. Dies zeig­te sich beim öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr, denn der Fle­xi­bus fährt al­lein in Was­ser­berg für die ins­ge­samt elf Schul­kin­der vier Hal­te­stel­len an. Ei­nes der dor­ti­gen War­te­häus­chen er­neu­ern noch heu­er die Ein­hei­mi­schen im Fron­dienst selbst. Nur für das Bau­ma­te­ri­al wird der Ge­mein­de­sä­ckel be­las­tet.

Ähn­li­ches gilt für den Aus­bau der Berg­stra­ße, de­ren Rän­der nach Stark­re­gen im­mer wie­der aus­ge­wa­schen wer­den, was zu Ge­röll­ab­la­ge­run­gen auf der Fahr­bahn führt. „Das be­he­ben wir in Ei­gen­re­gie.“ steht für Ge­mein­de­rat Paul schon fest. Für was die Was­ser­ber­ger sonst noch dank­bar sind? Sie er­hal­ten zu­sam­men mit Alets­hau­sen im Dorf noch in die­sem Jahr die ers­ten schnel­len In­ter­net-An­schlüs­se. Der Dor­f­äl­tes­te ver­weist auf ei­nen be­son­de­ren Aspekt: „Von un­se­rer Ka- pel­le aus se­hen wir beim Blick nach Wes­ten auf Alets­hau­sen, Ho­hen­rau­nau und Krum­bach hin­un­ter. 200 Me­ter wei­ter öst­lich über­bli­cken wir das Min­del­tal zwi­schen Burg und Pfaf­fen­hau­sen. Und bei Föhn ha­ben wir so­gar die ge­sam­te öst­li­che Al­pen­ket­te vor uns.“

Fo­to: Samm­lung Lieb­ha­ber

Was­ser­berg ist die ein­zi­ge Streu­sied­lung im hei­mi­schen Land­kreis Günz­burg. Un­se­re Luft­auf­nah­me zeigt nur den nörd­li­chen Teil des süd­öst­lich von Alets­hau­sen ge­le­ge­nen Wei­lers. Die An­we­sen im Sü­den ste­hen teil­wei­se noch wei­ter aus­ein­an­der. Der­zeit le­ben 73 Men­schen in Was­ser­berg.

Fo­to: Hans Bosch

Trotz ih­rer schwe­ren Sturm­schä­den aus dem ver­gan­ge­nen Jahr gilt die rund 130-jäh­ri­ge Fich­te noch im­mer als Na­tur­denk­mal. Im Hin­ter­grund die Häu­ser des Was­ser­ber­ger Ober­dor­fes.

Fo­to: Hans Bosch

Fan­den sich zum Stamm­tisch-Ge­spräch zu­sam­men (von links): Jung­bau­er Tho­mas Paul, der Dor­f­äl­tes­te Jo­hann Loch­brun­ner, Ge­mein­de­rat Wilfried Paul und der Ka­pel­len­ex­per­te Sepp Lieb­ha­ber.

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