Sy­rer wol­len ihr Land ver­än­dern

Ara­bi­sche In­tel­lek­tu­el­le grün­den in Ber­lin ei­ne neue Zeit­schrift. Sie be­han­delt The­men, die in ih­rer Hei­mat Ta­bus sind

Mittelschwaebische Nachrichten - - Medien -

Ber­lin A Sy­rious Look soll das Ma­ga­zin hei­ßen, die Kom­bi­na­ti­on der eng­li­schen Wor­te für „ernst“und „sy­risch“ist Pro­gramm. Von Ber­lin aus wol­len sich sy­ri­sche In­tel­lek­tu­el­le und Künst­ler um den Re­gis­seur Mo­ham­mad Abou La­ban re­gel­mä­ßig zu Wort mel­den – auf Eng­lisch. Sie grün­den da­für ei­ne neue Kul­turZ-eit­schrift.

Die­se soll ab Herbst in ei­ner Auf­la­ge von zu­nächst 4000 Ex­em­pla­ren er­schei­nen und zehn Eu­ro kos­ten. Ber­lin, sagt der 40-jäh­ri­ge La­ban, sei ein Zen­trum der Kul­tur­di­a­spo­ra, in kei­ner an­de­ren eu­ro­päi­schen Stadt leb­ten so vie­le Krea­ti­ve aus Sy­ri­en. Ge­bo­ren wur­de das Pro­jekt aus ei­ner Zu­falls­be­geg­nung. Im Ok­to­ber 2015 tra­fen La­ban und der Re­gis­seur Zi­ad Ad­wan zu­fäl­lig den Me­di­en­ma­cher Ma­rio Münster auf ei­ner Hoch­zeit in Ber­lin. Münster gibt seit 2013 das Li­fe­style-Ma­ga­zin Ro­se­gar­den her­aus, im Ge­spräch mit ihm ent­stand die Idee, den Kul­tur­schaf­fen­den aus Sy­ri­en ei­ne Stim­me zu ge­ben.

An­ge­sichts hun­dert­tau­sen­der, teils gut aus­ge­bil­de­ter Flücht­lin­ge aus der ara­bi­schen Welt ent­steht ein pu­bli­zis­ti­scher Markt für die Neu­an­kömm­lin­ge. In Köln er­scheint seit De­zem­ber die Flücht­lings­zei­tung Ab­wab („Tü­ren“). Das Gra­tis­blatt in­for­miert über das Ge­sche­hen in der ara­bi­schen Welt, hat aber ei­nen Schwer­punkt auf Deutsch­land. Der Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le ver­zeich­net wach­sen­de Ab­ruf­zah­len aus dem deut­schen In­land für sein ara­bi­sches Strea­m­ing-An­ge­bot. Die Ma­cher von A Sy­rious Look se­hen für sich ei­ne an­de­re Per­spek­ti­ve. „Wir wol­len ei­ne Platt­form, um Sy­ri­en von au­ßen zu ver­än­dern“, sagt La­ban. „Der Krieg hat die Fra­ge der Iden­ti­tät des Lan­des auf­ge­wor­fen.“Ei­ne Er­neue­rung nach dem En­de von Bas­har al-As­sads Herr­schaft kön­ne an­ge­sichts der geis­ti­gen Zer­stö­run­gen nur aus dem Aus­land kom­men. „Sex, Re­li­gi­on, Po­li­tik – das sind ro­te Li­ni­en, die man in Sy­ri­en nicht über­schrei­ten darf.“Im Exil kön­ne sich die Kul­tur­di­a­spo­ra auch von der Last der Re­li­gi­on be­frei­en. Bei­spie­le sieht La­ban bei Ju­den und Ar­me­ni­ern. Sie be­rei­te­ten die Grün­dung ih­rer Staa­ten lan­ge im Aus­land vor.

In der ers­ten Aus­ga­be soll ne­ben Fo­toes­says und Künst­ler­por­träts auch ein lan­ges Ge­spräch mit Sa­diq al-Azm er­schei­nen. Der 1934 ge­bo­re­ne Phi­lo­soph und Men­schen­rechts­ak­ti­vist gilt als ei­ner der be­deu­tends­ten In­tel­lek­tu­el­len der ara­bi­schen Welt.

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