Von Pu­tin ler­nen?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON WIN­FRIED ZÜFLE w.z@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

nend ist der mas­si­ve Rück­gang der Tou­ris­ten­zah­len, nach­dem Pu­tin als Straf­maß­nah­me Char­ter­flü­ge in das Ur­laubs­land stop­pen ließ.

Mitt­ler­wei­le hat Pu­tin, der die Er­do­gan-Re­gie­rung auf dem Hö­he­punkt der Kri­se öf­fent­lich als „ver­rä­te­ri­sches Re­gime“be­schimpf­te, den Bann auf­ge­ho­ben. Al­les soll wie­der wer­den wie frü­her – und bes­ser. An­ge­sichts der wie­der­be­leb­ten Part­ner­schaft tre­ten die wei­ter­hin be­ste­hen­den gra­vie­ren­den Dif­fe­ren­zen zu Sy­ri­en in den Hin­ter­grund. „In Zu­sam­men­ar­beit mit Russ­land wür­den wir ger­ne so bald wie mög­lich ei­nen po­li­ti­schen Über­gang in Sy­ri­en er­mög­li­chen“, sagt Er­do­gans Spre­cher Ibra­him Ka­lin. Streit­punkt ist Ba­schar al-As­sad, den Russ­land stützt, und den Er­do­gan stür­zen will. Auch in der Kur­den­fra­ge gibt es Dif­fe­ren­zen. Russ­land will die Kur­den in Frie­dens­ver­hand­lun­gen ein­be­zie­hen. Er­do­gan sträubt sich noch da­ge­gen.

Wolfgang Jung, Can Merey, dpa

Die Wie­der­an­nä­he­rung zwi­schen der Tür­kei und Russ­land kann man mit ei­nem la­chen­den und ei­nem wei­nen­den Au­ge be­trach­ten: La­chend, weil ein Kon­flikt­herd ent­schärft wird; in dem ver­gif­te­ten Kli­ma nach dem Ab­schuss des rus­si­schen Mi­li­tär­jets durch die Tür­kei schie­nen selbst krie­ge­ri­sche Ver­wick­lun­gen zwi­schen bei­den Län­dern mög­lich. Wei­nend, weil sich da zwei zu­sam­men­tun, die bei­de kei­ne „lu­pen­rei­nen De­mo­kra­ten“sind.

Für Er­do­gan muss Pu­tin schon seit lan­gem ein Vor­bild sein. So au­to­ri­tär zu re­gie­ren wie der rus­si­sche Prä­si­dent, das scheint auch das Ziel des tür­ki­schen Po­li­ti­kers zu sein. Seit lan­gem ver­folgt Er­do­gan den Plan, die Ver­fas­sung zu än­dern und ein Prä­si­di­al­sys­tem ein­zu­füh­ren. Der über­stan­de­ne Putsch vom 15. Ju­li hat ihn in die­ser Ab­sicht nur be­stärkt.

Für den Wes­ten könn­te es un­be­quem wer­den. Das Na­to-Land Tür­kei Seit’ an Seit’ mit dem schärfs­ten Kri­ti­ker des west­li­chen Bünd­nis­ses? Das wird in Washington und Brüs­sel Stirn­run­zeln her­vor­ru­fen. Die USA, die Na­to und die EU müs­sen aber auch selbst ak­tiv wer­den und der Tür­kei auf­zei­gen, dass ih­re In­ter­es­sen im west­li­chen La­ger bes­ser auf­ge­ho­ben sind. Ei­ne freie Wirt­schaft und ei­ne freie Ge­sell­schaft wer­den lang­fris­tig die Tür­kei eher vor­an­brin­gen als ein Rück­fall in au­to­ri­tä­re Struk­tu­ren.

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