Mein Sport in Rio

Was das Be­son­de­re an Tisch­ten­nis ist

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat -

Es gibt doch Sport­ar­ten zu­hauf. Wie sind Sie aus­ge­rech­net zum Tisch­ten­nis ge­kom­men? Lin­den­may­er: Ich bin ein Sport­ver­rück­ter, ha­be als Kind schon ganz viel aus­pro­biert. An­ge­fan­gen ha­be ich mit Tur­nen. Dann war ich beim Hand­ball, aber als sie mich ins Tor ge­stellt ha­ben, woll­te ich das nicht län­ger ma­chen. Jah­re­lang ha­be ich Leicht­ath­le­tik ge­macht, aber ir­gend­wann war ich als Ein­zi­ger aus der Grup­pe üb­rig ge­blie­ben. Fuß­ball woll­te ich spie­len, durf­te ich aber von mei­ner Mut­ter aus nicht – mitt­ler­wei­le weiß ich, dass El­tern jün­ge­ren Ge­schwis­tern oft mehr er­lau­ben als den äl­te­ren. Auch Ten­nis und Bad­min­ton hab ich pro­biert. Und dann bin ich ir­gend­wann beim Tisch­ten­nis ge­lan­det. Da­mals müss­te ich zwölf ge­we­sen sein. Da bin ich dann hän­gen ge­blie­ben.

Sie gel­ten als enorm trai­nings­flei­ßig. Lin­den­may­er: Ja, das bin ich.

Er­zäh­len Sie doch mal, was wir uns dar­un­ter vor­zu­stel­len ha­ben. Lin­den­may­er: Wir ha­ben beim VfL Günz­burg drei­mal Trai­ning die Wo­che. Das ver­su­che ich je­des Mal voll aus­zu­nut­zen. Im Tisch­ten­nis ist es ein­fach wich­tig, im­mer wie­der Übun­gen zu spie­len, weil der Sport viel mit Vor­aus­schau­en und Re­fle­xen zu tun hat.

Sie sind ei­ne fes­te Grö­ße in der Mann­schaft des VfL Günz­burg, die zwei­mal hin­ter­ein­an­der auf­ge­stie­gen ist und künf­tig auf Schwa­bens höchs­ter Spie­le­be­ne an­tre­ten wird. Wo se­hen Sie noch Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al für sich selbst? Lin­de­may­er: Zur­zeit bin ich noch die Num­mer sechs im Ver­ein, aber ich ge­be na­tür­lich mein Bes­tes, et­was wei­ter nach vor­ne zu rü­cken. In­ter­ne Kon­kur­renz be­lebt ja das Ge- Und viel­leicht schaf­fen wir es ir­gend­wann, in die Lan­des­li­ga auf­zu­stei­gen. Das wä­re ein Traum, den ich mir mit Günz­burg ger­ne er­fül­len wür­de.

Aus an­de­ren Sport­ar­ten ist be­kannt, dass jun­ge, ta­len­tier­te Spie­ler ger­ne ins Blick­feld grö­ße­rer, rei­che­rer Ver­ei­ne ge­ra­ten. Wie ist das bei Ih­nen? Hat schon mal ei­ner an­ge­klopft? Lin­den­may­er: Ge­fragt hat tat­säch­lich schon mal je­mand. Aber ich füh­le mich pu­del­wohl in Günz­burg und he­ge des­halb kei­ne Wech­sel­ab­sich­ten.

Das Zu­schau­er­inter­es­se im Tisch­ten­nis ten­diert auf Ama­teu­re­be­ne ge­gen null. Schmerzt Sie das? Lin­den­may­er: Ich wür­de mich na­tür­lich freu­en, wenn auch mal der ei­ne oder an­de­re Nicht-Tisch­ten­nis­spie­ler den Weg zu un­se­ren Spie­len fin­den könn­te. Wir ha­ben durch­aus gro­ßen Sport zu bie­ten. Der­zeit fin­den die Olym­pi­schen Spie­le statt. Im Vor­feld der Wett­be­wer­be gab’s Dis­kus­sio­nen oh­ne En­de. Bau­pro­jek­te, Um­welt­ver­schmut­zung, zu­letzt die Do­ping­fra­ge. Micha­el Gei­ger, der Prä­si­dent des na­tio­na­len Ver­bands DTTB, hat­te sich für ein ge­ne­rel­les Start­ver­bot rus­si­scher Sport­ler in Rio aus­ge­spro­chen. Das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee drück­te sich aber vor ei­ner Ent­schei­dung, und der Tisch­ten­nis-Welt­ver­band hat die drei qua­li­fi­zier­ten rus­si­schen Ein­zel­star­ter jetzt zu­ge­las­sen. Wie ste­hen Sie zu die­sem The­ma? Lin­den­may­er: Das ist schon ein Pro­blem und auch nicht leicht zu be­ant­wor­ten. Ich hät­te den Aus­schluss ei­ner­seits schon okay ge­fun­den. So lan­ge nicht be­wie­sen ist, dass es dort in Russ­land ein funk­tio­nie­ren­des An­ti-Do­ping-Sys­tem gibt, geht es in Ord­nung, wenn die nicht star­ten dür­fen. Wenn die ein­zel­nen Sport­ler aber selbst nach­wei­sen kön­nen, dass sie nicht do­pen, ha­be ich an­de­r­er­schäft. seits nichts da­ge­gen, dass sie mit­ma­chen. Grund­sätz­lich müs­sen die Rus­sen schau­en, dass sie ganz schnell ihr Sys­tem än­dern.

Se­hen Sie sich die Über­tra­gun­gen von den Olym­pi­schen Spie­len an? Lin­den­may­er: De­fi­ni­tiv. Die Uhr­zei­ten sind zwar ein biss­chen un­glück­lich, weil Bra­si­li­en auf der an­de­ren Sei­te liegt, aber so weit es geht, wer­de ich mir das an­schau­en.

Be­sit­zen Sie sport­li­che Vor­bil­der, die bei Olym­pia star­ten? Lin­den­may­er: Ja. Na­tür­lich aus deut­scher Sicht Ti­mo Boll. Ich bin im­mer noch ein Fan von ihm. Mitt­ler­wei­le bin ich auch ein gro­ßer An­hän­ger des Welt­rang­lis­ten­ers­ten Ma Long aus Chi­na.

„Ein mensch­li­cher Au­ßer­ir­di­scher“, wie die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung schrieb. Lin­den­may­er: Das kommt schon hin. Der hat ei­ne sol­che Tech­nik, ei­ne sol­che Po­wer in sei­nen Schlä­gen, das fin­de ich ein­fach ge­ni­al.

Stich­wort Chi­na: Wer­den die Sport­ler aus dem Reich der Mit­te in Rio al­le Tisch­ten­nis-Wett­be­wer­be do­mi­nie­ren? Lin­den­may­er: Ich den­ke, ja. Die wer­den al­les ge­win­nen. Ich se­he sie ein­fach kon­kur­renz­los. Tisch­ten­nis ist dort nach wie vor Na­tio­nal­sport Num­mer eins. Die ha­ben ei­ne sol­che Aus­wahl an Spie­lern. Aber man hat ja ver­sucht, ih­re Do­mi­nanz et­was ein­zu­däm­men, in­dem man nur zwei Spie­ler pro Na­ti­on zu­lässt. So hat we­nigs­tens ein Nicht-Chi­ne­se ei­ne Chan­ce auf ei­ne Bron­ze­me­dail­le.

Könn­te das viel­leicht so­gar ein Deut­scher sein? Lin­den­may­er: Ich bin zu­ver­sicht­lich, dass Ti­mo Boll oder Di­mi­trij Ovt­cha­rov die­se Chan­ce nut­zen kön­nen. Und wenn ein Chi­ne­se ei­nen schlech­ten Tag hat, geht viel­leicht auch mehr ...

Das Ge­spräch führ­te Jan Kubica

Fo­to: Bern­hard Wei­zeng­ger

Fa­bi­an Lin­den­may­er (hier beim Trai­ning in der Bru­no-Merk-Hal­le) ist ein Kön­ner an der Tisch­ten­nis­plat­te. Ehr­geiz ent­wi­ckelt der Günz­bur­ger frei­lich nicht al­lein auf sport­li­cher Ebe­ne: Der 24-Jäh­ri­ge stu­diert in Augs­burg In­for­ma­tik und Be­triebs­wirt­schafts­leh­re. Mo­men­tan be­fin­det er sich im Olym­pia­mo­dus.

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