Hoch­was­ser­schutz zwingt Burgau zum Spa­ren

Fi­nan­zen Der Käm­me­rer muss be­reits Geld in Mil­lio­nen­hö­he zur Sei­te le­gen. Was das für die Bür­ger be­deu­tet

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis | Anzeigen - VON CHRIS­TI­AN KIRSTGES

Burgau Das Frei­bad ist sa­niert, das Eis­sta­di­on (fast fer­tig) neu ge­baut: Sol­che Groß­pro­jek­te wird es in den kom­men­den Jah­ren in Burgau wohl nicht mehr ge­ben. Denn an­ge­sichts der im­mens ge­stie­ge­nen Kos­ten für den Hoch­was­ser­schutz, die mo­men­tan bei 61 Mil­lio­nen Eu­ro lie­gen, muss die Stadt ih­re frei­wil­li­gen Leis­tun­gen stark zu­rück­fah­ren. Das soll nach den Wor­ten von Bür­ger­meis­ter Kon­rad Barm zwar nicht be­deu­ten, dass bei­spiels­wei­se Ver­ei­ne auf Zu­schüs­se ver­zich­ten müs­sen oder Ein­rich­tun­gen ge­schlos­sen wer­den, aber neue Be­las­tun­gen sol­len mög­lichst ver­mie­den wer­den.

Ge­nau pla­nen kann in der Ver­wal­tung zwar noch nie­mand, da zum ei­nen nicht klar ist, wie hoch die Kos­ten ein­mal ge­nau sein wer­den – ei­ne mög­li­che wei­te­re Stei­ge­rung um 30 Pro­zent wä­re, so sagt Barm, „aber der Tod“. Zum an­de­ren steht der Ver­such, den Frei­staat stär­ker in die Pflicht zu neh­men, noch ganz am An­fang. Auch muss ge­prüft wer­den, wie stark im Be­sitz der Stadt be­find­li­che Grund­stü­cke ins Ge­wicht fal­len, ob durch ei­ne spä­te­re Über­nah­me der Pfle­ge von Bau­wer­ken die Kos­ten zu­nächst ge­drückt wer­den könn­ten und über wel­chen Zei­t­raum das Pro­jekt fi­nan­ziert wer­den muss – je län­ger, des­to ein­fa­cher wä­re es zu schul­tern. An­ge­sichts ei­ner Be­tei­li­gung in Hö­he von (der­zeit) 23 Mil­lio­nen Eu­ro hat Barm sei­nen Käm­me­rer aber ge­be­ten, mög­lichst 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro zur Sei­te zu le­gen.

Es gä­be zwar wohl die Mög­lich­keit, trotz ei­nes Ver­zichts auf ei­ne Aus­stiegs­klau­sel noch aus dem Pro­jekt her­aus­zu­kom­men – Barm sieht durch die Ver­drei­fa­chung der Kos­ten die Ge­schäfts­grund­la­ge ei­gent­lich nicht mehr als ge­ge­ben. Doch es ge­be ei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung, da­bei zu blei­ben, da der Hoch­was­ser­schutz in der Re­gi­on als ein Ge­samt­kon­zept ge­se­hen wer­de. Wür­de Burgau aus­stei­gen, „trifft das al­le, Part­ner und Freun­de in den an­de­ren be­tei­lig­ten Ge­mein­den, und der Frei­staat könn­te sich wo­mög­lich auch zu­rück­zie­hen“. Des­halb kom­me es eben dar­auf an, jetzt gut haus­zu­hal­ten, die Sa­nie­rung des Schloss­ne­ben­ge­bäu­des bei­spiels­wei­se muss war­ten und auch der theo­re­tisch dis­ku­tier­te Be­trieb des Gar­ten­hal­len­ba­des in Burgau wä­re an­ge­sichts der ak­tu­el­len La­ge uto­pisch. Zu­gu­te kommt der Stadt, dass die Schul­den in die­sem Jahr wo­mög­lich noch leicht ge­senkt wer­den kön­nen, künf­tig wer­den aber wohl Kre­di­te auf­ge­nom­men wer­den müs­sen, „wenn auch in ei­nem er­träg­li­chen Rah­men“. Die Aus­ga­ben­dis­zi­plin müs­se in je­dem Fall stär­ker wer­den. Da­her wird noch dar­über zu dis­ku­tie­ren sein, ob die Stadt das His­to­ri­sche Fest und zu­sätz­lich den Kul­tur­som­mer im nächs­ten Jahr fi­nan­zie­ren kann. „Ich kann mir das nicht so ganz vor­stel­len, dass der Rat das will“, sagt Barm, er wol­le aber der Ent­schei­dung nicht vor­grei­fen.

Für ihn kommt es jetzt dar­auf an, die po­li­ti­sche Kar­te zu spie­len, um den Frei­staat da­zu zu be­we­gen, ei­nen grö­ße­ren Teil zu über­neh­men. Auch wer­de es ei­nen en­gen Schul­ter­schluss mit hie­si­gen Un­ter­neh­men ge­ben. Ju­ris­tisch ge­se­hen hat Barm zwar kei­ne Hoff­nung, dass das Land mehr zah­len wird, aber er baut auf das Ein­se­hen, dass ein hun­dert­jäh­ri­ges Hoch­was­ser ei­ne gro­ße Zahl von Ar­beits­plät­zen ver­nich­ten könn­te. Und wenn da­durch Bur­g­aus Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men ein­brä­chen, ha­be das Aus­wir­kun­gen auf den ge­sam­ten Land­kreis. „Je­de In­ves­ti­ti­on von ei­nem Eu­ro in den Schutz jetzt, spart spä­ter zehn beim Auf­räu­men“, er­klärt Barm. Nach der Som­mer­pau­se soll es ers­te Ge­sprä­che mit den hei­mi­schen Ab­ge­ord­ne­ten ge­ben, um beim Um­welt­mi­nis­te­ri­um et­was zu er­rei­chen. Dass ei­ne sol­che Zu­sam­men­ar­beit et­was be­wir­ken kann, ha­be sich nicht zu­letzt beim Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan ge­zeigt, der so ge­än­dert wur­de, dass Günz­burg den Fern­ver­kehrs­halt wohl be­hal­ten kann.

Sym­bol­fo­to: Weiz­enegger

Der Hoch­was­ser­schutz zwingt Burgau zum Spa­ren.

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