Der ful­mi­nan­te Bas­sist von Bay­reuth

Por­trät Wenn Ge­org Zep­pen­feld singt, dann tobt der Grü­ne Hü­gel re­gel­mä­ßig. Da­bei tritt der West­fa­le von schlan­ker Gestalt nicht ein­mal in Ti­tel­rol­len auf

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Ein rich­ti­ger Opern­bass, so geht die land­läu­fi­ge Vor­stel­lung, ist ein Hü­ne, ist ein Schrank. Müs­se er ja auch sein – so die Vor­stel­lung –, weil es doch oh­ne brei­tes Kreuz kei­nen Re­so­nanz­raum ge­ben kön­ne.

Und be­geg­ne­te man ih­nen denn nicht auch schon re­gel­mä­ßig, den Hü­nen und Schrän­ken? An der Spit­ze wohl Mart­ti Tal­ve­la aus Finn­land, einst 201 Zen­ti­me­ter hoch mit bis zu 150 Ki­lo­gramm Re­so­nanz­kör­per. Oder Mat­ti Sal­mi­nen, eben­falls Finn­land, 198 Zen­ti­me­ter. Oder, wer’s po­pu­lä­rer will, Ivan Re­broff, 196. Oder Man­fred Schenk, Kurt Moll und Hans So­tin – von Letz­te­rem wird noch die Re­de sein.

Doch kei­ne Re­gel oh­ne Aus­nah­me. In die­sen Ta­gen steht ein Bass welt­weit ganz oben, der kein Hü­ne ist, kein Schrank: Ge­org Zep­pen­feld. Wenn er zur lau­fen­den Bay­reu­ther Fest­spiel­sai­son in der Neu­pro­duk­ti­on „Par­si­fal“den Gral­sChro­nis­ten Gur­n­emanz singt, dann tram­pelt das Haus vor en­thu­si­as­mier­ter Ehr­er­bie­tung. Denn Zep­pen­feld bringt wohl­klin­gend-ur­ge­wal­tig auf den Punkt, was zu ei­nem tie­fen se­riö­sen Bass ge­hört: Pro­non­cie­rung, Re­so­nanz, Schwär­ze.

Und zu­sätz­lich ver­steht er, wie man das Pu­bli­kum mit Span­nung bei der Stan­ge hält. Sei­ne Er­zäh­lung, sei­ne Re­ka­pi­tu­la­ti­on der Vor­ge­schich­te zum „Par­si­fal“kann sich ja im ers­ten Auf­zug – je nach Di­ri­gen­ten-St­un­den­ki­lo­me­tern – durch­aus zie­hen. Aber Zep­pen­feld singt eben so deut­lich, so au­to­ri­ta­tiv, dass ein gan­zer Saal lau­schend an sei­nen Lip­pen hängt. Da­bei ist die­ser ful­mi­nan­te Gur­n­emanz heu­er nicht die ein­zi­ge Bay­reu­ther Rol­le für den 49-jäh­ri­gen West­fa­len. Hin­zu kommt noch Kö­nig Mar­ke aus „Tris­tan und Isol­de“, den Zep­pen­feld als männ­lich-ehr­ver­letz­te Herr­scher­ge­stalt an­legt – wor­auf das Pu­bli­kum bei der Wie­der­auf­nah­me An­fang Au­gust eben­falls mit Ge­tram­pel ant­wor­te­te. Höchs­tes Lob in Bay­reuth, weil der Holz­bo­den dann rich­tig dröhnt. Und schließ­lich gibt Zep­pen­feld in der „Wal­kü­re“noch den – eben­falls ge­hörn­ten – Hun­ding, ei­ne kür­ze­re Par­tie. Zu­sam­men­ge­zählt sind das im Bay­reu­ther Fest­spiel­som­mer 15 Auf­trit­te, manch­mal auch an zwei Ta­gen in Fol­ge. Tro­cken kom­men­tiert er selbst: „Das ist so über mich her­ein­ge­bro­chen.“

Und „her­ein­ge­bro­chen“war für Zep­pen­feld im Prin­zip auch sei­ne ge­sam­te Sän­ger­kar­rie­re. Ur­sprüng­lich hat­te er Mu­sik- und Deutsch­leh­rer wer­den wol­len. Erst nach dem ers­ten Staats­ex­amen be­gann er, sich um­zu­ori­en­tie­ren und Kon­zert­und Opern­ge­sang zu stu­die­ren, u. a. bei dem schon er­wähn­ten Hans So­tin. In nur fünf Jah­ren schaff­te es Zep­pen­feld bis zur Sem­per­oper in Dres­den, noch heu­te sei­ne künst­le­ri­sche und fa­mi­liä­re Hei­mat mit zwölf­jäh­ri­gem Sohn. In­so­fern kommt ihm, der auch ein welt­weit ge­frag­ter Ora­to­ri­en­sän­ger ist, das Bay­reu­ther En­ga­ge­ment ent­ge­gen. Er schätzt die be­deu­ten­de Stät­te und er­gänzt: „Wenn man hier mal zwei pro­ben­freie Ta­ge hat, ist man zack, zack in Dres­den.“Rü­di­ger Hein­ze

Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.