Er­öff­net die Uni­on den Steu­er­wahl­kampf?

Der Wirt­schafts­flü­gel der CDU/CSU will ei­ne Ent­las­tung von 30 Mil­li­ar­den Eu­ro. Wie die Chan­cen da­für ste­hen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Politik - VON SI­MON KA­MIN­SKI

Augs­burg Jetzt al­so doch noch. Gut ein Jahr vor der Bun­des­tags­wahl steht das The­ma Steu­er­re­form wie­der auf der Ta­ges­ord­nung. Be­zeich­nend ist, dass jetzt mit­nich­ten ein ab­ge­stimm­ter Vor­schlag der Gro­ßen Ko­ali­ti­on dis­ku­tiert wird, son­dern ein Kon­zept des Wirt­schafts­flü­gels der Uni­on: Wäh­rend sich die SPD auf der ei­nen und CDU/CSU auf der an­de­ren Sei­te seit Jah­ren steu­er­po­li­tisch zu­ver­läs­sig neu­tra­li­sie­ren, hat die Mit­tel­stands- und Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung (MIT) ein Pa­pier vor­ge­legt, das die Steu­er­zah­ler bis 2020 um 30 Mil­li­ar­den Eu­ro ent­las­ten soll. Der Vor­stoß stieß auf har­sche Kri­tik aus der SPD und der Op­po­si­ti­on. Das war er­wart­bar.

Doch wie rea­lis­tisch ist ei­ne Um­set­zung des Kon­zepts? „Die Eck­punk­te des Re­form­vor­schlags ge­hen in die rich­ti­ge Rich­tung. Ich glau­be aber, dass ei­ne Ent­las­tung von 30 Mil­li­ar­den Eu­ro zu am­bi­tio­niert ist, wenn man das Ziel, ei­ne schwar­ze Null zu er­rei­chen, nicht aus den Au­gen ver­lie­ren will“, sag­te der Steu­er­ex­per­te des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW), Ste­fan Bach, un­se­rer Zei­tung. „Hin­zu kom­men ja auch noch die Kos­ten für die Flücht­lin­ge, die das DIW für das lau­fen­de Jahr und für 2017 auf je­weils rund 15 Mil­li­ar­den Eu­ro schätzt.“Es ge­be wei­te­re Ri­si­ken, wie bei­spiels­wei­se ei­ne Schwä­chung der Kon­junk­tur durch den Ab­schied der Bri­ten aus der EU.

Der Wirt­schafts­flü­gel der Uni­on hat sein Kon­zept ganz be­wusst für die nächs­te Le­gis­la­tur­pe­ri­ode er­stellt. Aus wel­chen Par­tei­en sich die Re­gie­rung je­doch nach den Wah­len im Herbst 2017 zu­sam­men­set­zen wird, steht in den Ster­nen. Al­ler­dings glaubt kaum je­mand, dass es für die Uni­on al­lei­ne rei­chen wird. Auch ei­ne wirt­schafts­freund­li­che Ko­ali­ti­on der CDU/CSU mit der FDP ist nach den ak­tu­el­len Um­fra­gen nicht in Sicht. All das legt na­he, dass der jetzt dis­ku­tier­te Re­form­plan oh­ne Kom­pro­mis­se nicht durch­setz­bar sein wird. Ins­be­son­de­re dann nicht, wenn die SPD und/ oder die Grü­nen nach der Wahl mit am Ko­ali­ti­ons­tisch sit­zen wer­den. „Ich kann mir gut vor­stel­len, dass ein Kom­pro­miss da­rin lie­gen kön­ne, dass an der Schrau­be Spit­zen­steu­er­satz ge­dreht wird“, sag­te Bach. Sprich, dass der Satz für Bes­ser­ver­die­nen­de – das sind der­zeit Steu­er­zah­ler, die 53666 Eu­ro oder mehr pro Jahr ver­die­nen – von der­zeit 42 Pro­zent auf 45 oder mehr Pro­zent er­höht wird.

Oh­ne Kom­pro­miss­be­reit­schaft blei­ben auch in Zu­kunft die Chan­cen für ei­ne um­fas­sen­de Re­form über­schau­bar. Nicht nur die Gro­ße Ko­ali­ti­on hat ja ge­zeigt, dass die Nei­gung, sich ge­gen­sei­tig zu blo­ckie­ren, groß ist. Auch schon die vor­he­ri­ge Ko­ali­ti­on aus Uni­on und FDP ließ auf voll­mun­di­ge An­kün­di­gun­gen kaum Ta­ten fol­gen.

Die Re­ak­tio­nen auf den Vor­stoß aus der Uni­on je­den­falls ge­ben ei­nen Vor­ge­schmack auf den Bun­des­tags­wahl­kampf. Die ganz gro­ße Keu­le pack­te Nord­rhein-West­fa­lens Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) aus. Die Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung der CDU/CSU be­trei­be ei­ne „ver­kapp­te Ent­las­tung von Mul­ti­mil­lio­närs­ein­künf­ten“, weil auch „Me­ga­ver­die­ner“zu den Nutz­nie­ßern zähl­ten, pol­ter­te Wal­ter-Bor­jans. Der Grü­nen-Po­li­ti­ker Ger­hard Schick for­der­te statt der Steu­er­plä­ne ei­ne Ent­las­tung der klei­nen Leu­te durch den Bau be­zahl­ba­rer Woh­nun­gen. Gu­te Chan­cen für sei­nen Re­form­vor­schlag sieht hin­ge­gen der MIT-Vor­sit­zen­de Cars­ten Lin­ne­mann (CDU). „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, frag­te der Po­li­ti­ker aus Pa­der­born.

Ste­fan Bach

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