Spa­ni­en und Por­tu­gal kom­men da­von

Eu­ro-Zo­ne Der Sta­bi­li­täts­pakt soll­te ver­hin­dern, dass ein Land über sei­ne Ver­hält­nis­se lebt und an­de­re be­las­tet. Selbst Stra­fen wa­ren vor­ge­se­hen. Die Pra­xis zeigt ein an­de­res Bild

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON MIR­JAM MOLL

Brüssel Pünkt­lich um Mit­ter­nacht kam sie – die schrift­li­che Mit­tei­lung der EU-Fi­nanz­mi­nis­ter. „Der Rat hat be­schlos­sen, Por­tu­gal und Spa­ni­en kei­ne Sank­tio­nen für ihr Ver­sa­gen, ihr ex­zes­si­ves De­fi­zit zu kor­ri­gie­ren, auf­zu­er­le­gen.“So steht es in der nüch­tern for­mu­lier­ten Er­klä­rung. Da­mit be­stä­tig­te sich am gest­ri­gen Di­ens­tag­mor­gen, was sich im Ju­li ab­ge­zeich­net hat­te. Da­mals hat­te die EU-Kom­mis­si­on emp­foh­len, we­der Spa­ni­en noch Por­tu­gal mit Sank­tio­nen zu be­le­gen. Und das, ob­wohl bei­de Län­der seit 2009 die Haus­halts­de­fi­zit­gren­ze von ma­xi­mal drei Pro­zent über­schrei­ten – Spa­ni­en mit 5,1 Pro­zent, Por­tu­gal mit 4,4 Pro­zent.

Zwar hat­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter Mit­te Ju­li ein­hel­lig fest­ge­stellt, dass we­der Ma­drid noch Lis­s­a­bon die nö­ti­gen Maß­nah­men er­grif­fen hät­ten, um ih­re Aus­ga­ben her­un­ter­zu­schrau­ben. Nach den Re­geln des Sta­bi­li­täts­pakts kön­nen Staa­ten, die ihn ver­let­zen, mit Stra­fen in Hö­he von bis zu 0,2 Pro­zent ih­rer Jah­res­wirt­schafts­leis­tung be­legt wer­den. Da­für aber fand sich in der Run­de der Fi­nanz­mi­nis­ter kei­ne Mehr­heit.

Statt­des­sen be­kom­men bei­de De­fi­zit­sün­der nun mehr Zeit, um wie­der un­ter die er­laub­te Drei-Pro­zent-Mar­ke zu rut­schen. Por­tu­gal ge­währ­te man bis Jah­res­en­de Auf­schub, um sei­nen Mi­nus­haus­halt auf 2,5 Pro­zent zu drü­cken. Ma­drid soll in die­sem Jahr ein De­fi­zit von 4,6 Pro­zent er­rei­chen, im kom­men­den Jahr dann 3,1 Pro­zent Neu­ver­schul­dung. Bis 2018 soll das Land nur noch 2,2 Pro­zent im Mi­nus ste­hen. Da­für sei­en nun aber auch „wirk­sa­me Maß­nah­men“zu er­grei­fen, for­der­te der zu­stän­di­ge Kom­mis­si­ons­vi­ze­prä­si­dent Val­dis Dom­brovs­kis ges­tern. Lan­ge dar­über nach­den­ken kön­nen die Re­gie­run­gen nicht. Denn die ge­setz­te Frist en­det am 15. Ok­to­ber. Bis da­hin müs­sen bei­de Län­der ei­nen Be­richt in Brüssel vor­le­gen.

Doch schon ein­mal wur­de den ver­schul­de­ten Eu­ro­staa­ten Auf­schub ge­währt. Ge­gen bei­de war be­reits 2009 ein De­fi­zit­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den – es en­de­te mit der Ver­län­ge­rung der Frist bis 2013. Weil Por­tu­gal 2011 aber un­ter den Rettungsschirm schlüpf­te und ein Hilfs­pa­ket in Hö­he von 78 Mil­li­ar­den Eu­ro be­kam, ver­län­ger­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter die De­ad­line aber­mals bis 2014, schließ­lich bis 2015. Zwar hat das Land das Hilfs­pro­gramm in­zwi­schen ab­ge­schlos­sen, schaff­te es aber nicht, sein De­fi­zit recht­zei­tig zu min­dern.

Auch Spa­ni­en hat­te mit den Fol­gen der Wirt­schafts­kri­se zu kämp­fen, 2009 ging die Kom­mis­si­on von ei­ner Neu­ver­schul­dung von 11,2 Pro­zent aus. 2012 ge­währ­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter dem Land bis 2014 Auf­schub. Gleich­zei­tig stell­ten sie Kre­di­te in Hö­he von 100 Mil­li­ar­den Eu­ro in Aus­sicht, um den Fi­nanz­dienst­leis­tungs­sek­tor auf­zu­päp­peln. 2013 stand fest, dass Ma­drid aber­mals drei Jah­re Zeit be­kommt, um die De­fi­zit­gren­ze ein­zu­hal­ten.

An­dern­falls könn­ten den Eu­ro­län­dern be­reit­ge­stell­te Mit­tel des In­ves­ti­ti­ons­pro­gramms ge­stri­chen wer­den. Ei­nen ent­spre­chen­den Vor­schlag will die Kom­mis­si­on im Herbst nach ei­ner Be­ra­tung mit dem Eu­ro­päi­schen Par­la­ment vor­le­gen – er be­trä­fe För­der­mit­tel aus dem Eu­ro­päi­schen Fonds für stra­te­gi­sche In­ves­ti­tio­nen (EFSI) für 2017.

„Das ist ein rei­nes Schwar­ze-Pe­ter-Spiel“, sag­te CSU-Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­ter Mar­kus Ferber un­se­rer Zei­tung, der es be­grüßt hät­te, wenn die Re­geln des Sta­bi­li­täts­pakts zur An­wen­dung ge­kom­men wä­ren. Für ei­ne Kür­zung der För­der­mit­tel wer­de es im Par­la­ment kei­ne Mehr­heit ge­ben. Da­mit wä­re der Sta­bi­li­täts­pakt end­gül­tig au­ßer Kraft ge­setzt.

Fo­to: Arnulf Hett­rich, Ima­go

Was ist der Sta­bi­li­täts­pakt noch wert? We­der Por­tu­gal noch Spa­ni­en müs­sen für ih­re ho­he Neu­ver­schul­dung Stra­fen zah­len. Un­ser Bild zeigt Ein-Eu­ro-Mün­zen aus Por­tu­gal (links) und Spa­ni­en.

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