Lands­ber­ger er­set­zen Ku­ka

Wech­sel Die Augs­bur­ger müs­sen die zwei­te deut­sche Bör­sen­li­ga ver­las­sen. Da­für rückt Ra­tio­nal in den MDax auf

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON STE­FAN STAHL

Augs­burg/Lands­berg/Road Town Am En­de bleibt al­les in der Re­gi­on, zu­min­dest der be­gehr­te Platz in der zwei­ten deut­schen Bör­sen­li­ga, dem MDax. Dort ist der Augs­bur­ger An­la­gen­und Ro­bo­ter­bau­er Ku­ka zu ei­nem Blitz-Ab­stieg, in der Fach­spra­che „Fast Exit“, ver­dammt wor­den. Da­für wird der Lands­ber­ger Groß­kü­chen-Aus­rüs­ter Ra­tio­nal, der wie Ku­ka zu den er­folg­reichs­ten Un­ter­neh­men Deutsch­lands ge­hört, in den MDax auf­stei­gen. Dort wa­ren die Ober­bay­ern schon, muss­ten aber wei­chen, weil die Han­dels­um­sät­ze zu ge­ring aus­fie­len. Ra­tio­nal hat ein­fach vie­le treue Ak­tio­nä­re, die ih­re Pa­pie­re im De­pot freu­dig ru­hen las­sen.

Ein Blick auf den Bör­sen­kurs er­klärt die in­ni­ge Ver­bun­den­heit mit den Ak­ti­en des Un­ter­neh­mens, das mit sei­ner Art der ther­mi­schen Spei­sen­zu­be­rei­tung die Welt des Ko­chens re­vo­lu­tio­niert hat und zum Welt­markt­füh­rer her­an­reif­te. Die Ra­tio­nal-Ak­tie leg­te ges­tern in MDax-Vorfreude um zeit­wei­se 7,67 Pro­zent auf 458,95 Eu­ro zu. Seit dem Bör­sen­gang im Jahr 2000 ging es von Wer­ten um 35 Eu­ro berg­auf.

Doch auch Ra­tio­nal be­kommt kei­nen MDax-Stamm­platz zu­ge­wie­sen. An­ders als im Fuß­ball kann ein in den Ak­ti­en­rang­lis­ten ge­führ­tes Un­ter­neh­men auch in­ner­halb ei­ner Sai­son raus­flie­gen, wenn be­stimm­te Kri­te­ri­en nicht mehr er­füllt sind. Ku­ka wur­de hier, was die Mit­glied­schaft im 50 Fir­men um­fas­sen­den MDax be­trifft, aus­sor­tiert, weil sich we­ni­ger als zehn Pro­zent der Ak­ti­en im Streu­be­sitz be­fin­den – auf gut Bör­sen-Eng­lisch im „Free Float“. Schließ­lich hat sich der chi­ne­si­sche Haus­halts­ge­rä­te-Kon­zern Mi­dea über die Ge­sell­schaft Mec­ca In­ter­na­tio­nal (BVI) Li­mi­ted 94,55 Pro­zent der Ak­ti­en ge­si­chert. Die Mec­ca-Trup­pe re­si­diert auf den bri­ti­schen Jung­fern­in­seln in der Haupt­stadt Road Town, die auf dem größ­ten Ei­land Tor­to­la liegt. Die In­sel­grup­pe ist ei­nes der füh­ren­den Steu­er­spar­pa­ra­die­se der Welt.

Die neu­en Ku­ka-Her­ren ha­ben aber in ei­nem über sie­ben­ein­halb Jah­re lau­fen­den Ver­trag zu­ge­sagt, die baye­ri­sche Fir­ma wei­ter an der Bör­se zu be­las­sen. Auch wer­den Ak­tio­nä­re, die sich wei­gern, ih­re Pa­pie­re zu ver­kau­fen, dem­nach nicht aus der AG ge­drängt. Es soll al­so kei­nen „Squee­ze out“ge­ben. Ein solch ra­di­ka­ler Schritt ist in den meis­ten Fäl­len erst mög­lich, wenn der Groß­in­ves­tor mehr als 95 Pro­zent ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft kon­trol­liert. Zu­min­dest an die­ser ma­gi­schen Schwel­le sind die Mi­dea-An­grei­fer, die sonst mit ih­rem ver­lo­cken­den An­ge­bot von 115 Eu­ro je Ak­tie al­le an­de­ren Hür­den ge­nom­men ha­ben, ge­schei­tert. Die ver­blie­be­nen Ku­ka-Mit­in­ha­ber kön­nen al­so wei­ter an Bord blei­ben und sich bei Haupt­ver­samm­lun­gen zu Wort mel­den. Was da­bei man­chem An­le­ger auf­ge­fal­len sein mag: Es wer­den zwei Ty­pen der Ku­ka-Ak­tie ge­han­delt, ei­ne, die für al­le An­le­ger re­le­vant ist, die ih­re Pa­pie­re den Chi­nenun sen an­ge­dient ha­ben. Und ei­ne zwei­te Form für je­ne wa­cke­ren In­ves­to­ren, die der asia­ti­schen Ver­su­chung wi­der­stan­den ha­ben. Die ers­te­re Ak­ti­en-Va­ri­an­te no­tier­te ges­tern bis­wei­len mit 107,88 fast drei Eu­ro hö­her als die der Chi­ne­senVer­wei­ge­rer. Kein Wun­der, denn im ers­ten Fall kön­nen die ver­kaufs­wil­li­gen Ak­tio­nä­re mit ho­her Wahr­schein­lich­keit da­von aus­ge­hen, bis spä­tes­tens März 2017 sat­te 115 Eu­ro je Ak­tie zu be­kom­men. Die Vorfreude auf so viel Ba­res wirkt zu­nächst ten­den­zi­ell kurs­stei­gernd.

Doch es hilft al­les nichts: Zum 11. Au­gust fliegt Ku­ka aus der zwei­ten deut­schen Ak­ti­en­li­ga raus und muss an der Bör­se mit dem Frei­ver­kehr vor­lieb­neh­men.

Dass aus­ge­rech­net Ra­tio­nal Ku­ka im MDax nach­folgt, geht mit ei­ner be­son­de­ren Po­in­te ein­her. Denn den Augs­bur­gern wur­de es zum Ver­häng­nis, dass die Fir­ma kei­nen deut­schen Groß­ak­tio­när hat, der zu dem Un­ter­neh­men steht, auch wenn die Asia­ten mit reich­lich Geld win­ken. Be­kannt­lich hat der Hei­den­hei­mer Ku­ka-In­ves­tor Voith sein 25,1-Pro­zent-Pa­ket an Mi­dea ver­kauft.

Ra­tio­nal geht es hier bes­ser. Die Lands­ber­ger ver­fü­gen über ei­nen nicht zu kna­cken­den Fest­be­sit­zRie­gel von 70,9 Pro­zent, den Al­tei­gen­tü­mer hal­ten. Wie die Quandts bei BMW si­chert ei­ne Fa­mi­lie Ra­tio­nal ge­gen in­ter­na­tio­na­le Ge­lüs­te ab. Da­bei sind die Chi­ne­sen längst auf den Ge­schmack der Koch-Tech­no­lo­gie aus Bay­ern ge­kom­men. In ei­ner Prä­sen­ta­ti­on der Ra­tio­nal AG wird Juns­heng Kang, ein Mann mit Koch­müt­ze, der Vice Ge­ne­ral Ma­na­ger in Pe­king ist, mit eu­pho­ri­schen Wor­ten zi­tiert: „Für die Zu­be­rei­tung von Pe­king-En­ten ist Ra­tio­nal nicht nur ein Ga­rant für Spit­zen­qua­li­tät – son­dern auch platz­spa­rend und um­welt­scho­nend.“

Fo­to: Tho­mas Jor­dan

Ra­tio­nal-Kü­chen­tech­nik ist welt­weit be­gehrt.

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