Zweit­wohn­sitz Nie­der­kal­ten­kir­chen

Mit Dorf­po­li­zist Franz Eber­ho­fer ge­lingt Ri­ta Falk ein Best­sel­ler nach dem an­de­ren. Ein Ge­spräch über baye­ri­sche Pro­vinz, ei­ne per­sön­li­che Kri­se und den neu­en Ki­no­film

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wetter | Roman - In­ter­view: Ste­fan Dre­scher

Frau Falk, wür­den Sie ger­ne in Nie­der­kal­ten­kir­chen woh­nen? Ri­ta Falk: Ich woh­ne ja teil­wei­se dort. Das ist ja so mein Zweit­wohn­sitz. Wenn ich schrei­be, tau­che ich da voll­kom­men ab. Da bin ich wirk­lich beim Wol­fi mit am Wirts­haus­tisch oder fah­re mit dem Franz Strei­fe.

Tat­säch­lich gibt es meh­re­re Par­al­le­len zwi­schen der Buch-Welt und Ih­rem Le­ben. Sie sind bei Ih­rer Oma auf­ge­wach­sen – ähn­lich wie Ihr Prot­ago­nist, der Franz. Al­les in ei­nem klei­nen baye­ri­schen Ort, in Obe­r­am­mer­gau. Und Ihr Mann ist Po­li­zist. Wie vie­le ech­te Er­fah­run­gen ste­cken in Ih­ren Bü­chern? Falk: Schon sehr vie­le. Man soll­te ja nur über das schrei­ben, wo­mit man sich aus­kennt. Ich ha­be auch tat­säch­lich Sa­chen ver­ar­bei­tet, die mei­nem Mann in sei­ner be­ruf­li­chen Kar­rie­re pas­siert sind. Das wird dann halt et­was ver­frem­det, da­mit man nie­man­dem auf den Schlips tritt. Den Psy­cho­pa­then et­wa, der ak­tu­ell in „Schweins­kopf al den­te“sein Un­we­sen treibt, hat es in ähn­li­cher Wei­se tat­säch­lich ge­ge­ben.

Wenn man mit Le­sern Ih­rer Bü­cher spricht, hört man oft: Die Kri­mi­nal­fäl­le sind jetzt nicht sehr kom­plex – aber to­tal nett ge­schrie­ben. Wie macht man das, „nett schrei­ben“? Falk: (lacht) Ich ha­be kei­ne Ah­nung, ich kann nicht an­ders schrei­ben. Wenn es lus­tig ist, freut es mich. Und ge­ra­de in der jet­zi­gen Zeit, in der so viel Gru­se­li­ges pas­siert, ist es für den Le­ser doch an­ge­nehm, wenn er mal in ei­ne an­de­re Welt ab­tau­chen kann und die dann auch noch lus­tig ist.

Sie schrei­ben ja nicht nur, Ih­re Bü­cher sind in­zwi­schen auch im Ki­no recht er­folg­reich. Wie ha­ben Sie re­agiert, als es hieß: Das ver­fil­men wir jetzt? Falk: Als mich da­mals ei­ne Fil­ma­gen­tin auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se an­ge­spro­chen hat und sag­te, dass sie In­ter­es­se an den Eber­ho­ferBü­chern hat, dach­te ich im ers­ten Mo­ment, das ist hier die „Ver­steck­te Ka­me­ra“. Dass es ge­macht wur­de, auch völ­lig in mei­nem In­ter­es­se ge­macht wur­de, fin­de ich toll. Die Fil­me sind sehr na­he an den Buch­vor­la­gen, das gan­ze Schrä­ge, das in den Tex­ten drin ist, sieht man auf der Lein­wand. Ich bin da schon un­glaub­lich stolz.

Das „nah am Buch“ist ein in­ter­es­san­ter Punkt. Zwei an­de­re, sehr er­folg­rei­che Pro­vinz­kri­mi-Au­to­ren, Vol­ker Klüp­fel und Micha­el Kobr, ha­ben für ih­re Kluf­tin­ger-Ver­fil­mun­gen zu­letzt auch viel Kri­tik ge­ern­tet. Ih­re Fans hin­ge­gen schei­nen die Fil­me zu lie­ben. Ha­ben Sie da­für ei­ne Er­klä­rung? Falk: Ich den­ke, es macht das Team. Be­vor wir über­haupt ein Dreh­buch ge­schrie­ben ha­ben, ha­ben wir uns in ein Au­to ge­setzt und sind ei­nen gan­zen Tag lang durch Nie­der­bay­ern ge­fah­ren. Und ich bin im­mer ge­fragt wor­den: „Ri­ta, wo siehst du Nie­der­kal­ten­kir­chen?“Ich hab dann eben die Stel­len ge­zeigt, wo es für mich re­al war. Schau­spie­ler, Dreh­buch­au­to­ren, Ka­me­ra­leu­te, Re­gis­seur Ed Her­zog – sie al­le ha­ben ein­fach den Eber­ho­fer be­grif­fen.

Das heißt, Sie ar­bei­ten wirk­lich in­ten­siv mit an den Fil­men? Falk: Ge­nau. Das ist wirk­lich ei­ne gro­ße Fa­mi­lie, wenn wir da zu­sam­men­kom­men. Wie Klas­sen­tref­fen. Bis zum Ka­bel­trä­ger ist je­der mit so ei­ner Freu­de und Be­geis­te­rung da­bei, und die­ser Spaß über­trägt sich eben auch auf die Zu­schau­er.

Wel­cher ist denn Ihr Lieb­lings­film? Falk: Bei mir ist es ei­gent­lich im­mer der ak­tu­el­le, der­zeit al­so „Schweins­kopf al den­te“. Der ist noch­mal ei­nen Tick schrä­ger. En­zi Fuchs hin­ge­gen fin­det „Grieß­no­cker­laf­fä­re“am bes­ten, der ist ja auch schon ab­ge­dreht und kommt im Som­mer 2017 ins Ki­no. Aber da ha­be ich noch nicht rein­schau­en kön­nen.

Be­vor Sie mit dem Schrei­ben be­gon­nen ha­ben, hat­ten Sie 2008 ein Bur­nout, wur­den an­schlie­ßend ar­beits­los. Nun gibt es je­des Jahr ei­nen Film, je­des Jahr ein Buch. Wie ge­hen Sie mit die­sem Druck um – re­gel­mä­ßig et­was lie- fern zu müs­sen, das dann auch noch lus­tig sein soll? Falk: Ers­tens muss ich gar nicht. Ich hab da mit mei­nem Ver­lag sehr viel Glück, weil er mir kom­plett freie Hand lässt. Es ist schön, wenn es ein Buch pro Jahr ist, aber ich hab über­haupt kei­nen Druck. Zwei­tens macht mir die Schrei­be­rei ein­fach ei­nen Rie­sen­spaß. Von Druck kann man da al­so nicht spre­chen – son­dern von Freu­de, sein Hob­by zum Be­ruf ge­macht zu ha­ben. Und wann sind Sie dem Eber­ho­fer Franz über­drüs­sig? Falk: Ich brauch schon im­mer mei­ne Aus­zei­ten. Wenn ich mal wie­der die Na­se voll ha­be, schrei­be ich ei­nen Ro­man wie „Han­nes“oder „Fun­ken­flie­ger“. Aber ich mer­ke dann schon, dass ich bald wie­der Heim­weh be­kom­me und zu­rück nach Nie­der­kal­ten­kir­chen muss. Und wie lan­ge ich den Eber­ho­fer schrei­be? Das hängt ei­gent­lich aus­schließ­lich da­von ab, wie lan­ge die Leu­te ihn le­sen wol­len.

Ri­ta Falk, 1964 in Obe­r­am­mer­gau ge­bo­ren, lebt heu­te im Kreis Lands­berg. Die drei­fa­che Mut­ter ist mit ei­nem Po­li­zis­ten ver­hei­ra­tet. Die neue Ver­fil­mung „Schweins­kopf al den­te“kommt am 11. Au­gust in die baye­ri­schen Ki­nos.

Fo­to: As­trid Eckert

Vor acht Jah­ren ver­liert Ri­ta Falk ih­ren Job als Bü­ro­kauf­frau und be­ginnt mit dem Schrei­ben. Seit­her hat sie un­ter an­de­rem sie­ben Pro­vinz­kri­mis um Dorf­po­li­zist Franz Eber­ho­fer ver­fasst. Am Don­ners­tag kommt die drit­te Ver­fil­mung, „Schweins­kopf al den­te“, in die Ki­nos.

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