Wenn die Hoff­nung un­ter­geht

Si­de­ris Ta­sia­dis war für vie­le Fa­vo­rit, fuhr im Halb­fi­na­le Best­zeit – und ver­passt ei­ne Me­dail­le. War­um ein klei­ner Feh­ler schließ­lich gro­ße Aus­wir­kun­gen hat­te

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama - VON PE­TER DEININGER

Rio de Janei­ro Es ist brü­tend heiß auf der Tri­bü­ne im Wild­was­ser­sta­di­on von Deo­do­ro bei Rio de Janei­ro. Hel­ga und Man­fred Scheppach ha­ben den­noch be­reits ei­ne hal­be St­un­de vor Renn­be­ginn ih­re Plät­ze ein­ge­nom­men. Sie wol­len die olym­pi­sche At­mo­sphä­re ge­nie­ßen. Das Trai­ner-Ehe­paar hat beim Augs­bur­ger Ka­jak-Ver­ein (AKV) zahl­rei­che Ta­len­te an die Welt­klas­se her­an­ge­führt.

Auch den Wer­de­gang von Ca­na­di­er­fah­rer Si­de­ris Ta­sia­dis ha­ben sie haut­nah ver­folgt – von sei­nen An­fän­gen beim AKV bis zum Ge­winn der Sil­ber­me­dail­le 2012 in Lon­don für Schwa­ben Augs­burg.

„Heu­te ge­winnt er Gold“, ist Man­fred über­zeugt. Sei­ne Frau ist kaum we­ni­ger op­ti­mis­tisch. „Top drei“, heißt ih­re Pro­gno­se. Doch am En­de sin­gen die fran­zö­si­schen Zu- schau­er ih­re Na­tio­nal­hym­ne für De­nis Gar­gaud Cha­nut (94,17), der vor dem Slo­wa­ken Ma­tej Be­nus (95,02) und dem Ja­pa­ner Ta­ku­ya Ha­na­da (97,44) ge­winnt. Ta­sia­dis auf Rang fünf feh­len zu Bron­ze 46 Hun­derts­tel­se­kun­den. „Ein klei­ner Leicht­sinns­feh­ler hat mich die Me­dail­le ge­kos­tet, aber ich bin auch mit Platz fünf zu­frie­den. Noch de­mo­ti­vie­ren­der wä­re für mich der vier­te Rang.“

Da­bei be­ginnt der Tag für den Augs­bur­ger nach Wunsch. Er ge­winnt das Halb­fi­na­le mit 2,30 Se­kun­den Vor­sprung. Die Kon­se­quenz: Der 26-Jäh­ri­ge geht um 15.43 Uhr Orts­zeit als Letz­ter in den End­lauf. „Das ist na­tür­lich ei­ne Druck­si­tua­ti­on. Ich ha­be oben die Zei­ten der bei­den Jungs ge­hört, da wuss­te ich, dass ich noch ein­mal ei­ne ähn­li­che Zeit vor­le­gen oder so­gar noch ein­mal ei­nen Tick bes­ser sein muss.“

Der Augs­bur­ger will die Stel­len, an de­nen er noch Re­ser­ven ge­se­hen hat­te, noch ag­gres­si­ver an­ge­hen. „Das ist mir nicht ganz ge­lun­gen“, sagt er spä­ter selbst­kri­tisch.

Ein klei­ner Feh­ler bringt den Fa­vo­ri­ten sehr schnell in Zug­zwang. An Tor 9 be­rührt er ganz leicht ei­nen Tor­stab mit der Schul­ter. „Das hat mich aus dem Takt ge­bracht, weil ich aus dem Au­gen­win­kel ge­se­hen ha­be, dass der Kampf­rich­ter sei­nen Fin­ger ge­ho­ben hat. Da wuss­te ich, dass ich zwei Straf­se­kun­den be­kom­men ha­be und mich noch mehr kon­zen­trie­ren muss, um schnell ge­nug hin­un­ter­zu­kom­men.“Der Feh­ler är­gert ihn. „Ich war in dem Mo­ment zu hek­tisch und woll­te zu früh ab­dre­hen.“

Bun­des­trai­ner Sö­ren Kauf­mann hat­te dem von dem Augs­bur­ger Olym­pia­sie­ger Tho­mas Schmidt mit­aus­ge­häng­ten Kurs schon vor­ab sei­ne Tü­cken be­schei­nigt. Kauf­mann mahn­te „Es gibt da ei­ni­ge Ecken, in de­nen die Fah­rer auf­pas­sen müs­sen, nicht ih­ren Rhyth­mus zu ver­lie­ren.“

Ta­sia­dis be­müht sich in der Welt der Wal­zen und Wel­len nach dem Pat­zer wie­der zu sei­ner Li­nie zu fin­den. Doch am En­de der mit 24 To­ren aus­ge­häng­ten Stre­cke rutscht er mit sei­nem Boot noch ein­mal leicht ab und er­reicht des­halb die Zeit des Ja­pa­ners nicht mehr.

„So ist der Sport – ich kann im Fi­na­le ge­win­nen oder ver­lie­ren.“Der Schwa­ben-Ka­nu­te ist be­müht, sich die Ent­täu­schung nicht zu sehr an­mer­ken zu las­sen. Er will den Abend im Deut­schen Haus aus­klin­gen las­sen und be­reits nächs­te Wo­che nach Hau­se flie­gen. „Dann geht es mit mei­ner Freun­din in den Ur­laub.“

Be­reits am heu­ti­gen Mitt­woch geht wie­der ein Augs­bur­ger Me­dail­len­kan­di­dat ins Ren­nen. Ka­jak­fah­rer Han­nes Ai­g­ner (AKV) ge­wann 2012 in Lon­don die Bron­ze­me­dail­le.

Fo­to: Fe­lix Kästle, dpa

In Ak­ti­on: Si­de­ris Ta­sia­dis ges­tern in Rio de Janei­ro.

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