Sei­ne Rit­te sind Gold wert

Micha­el Jung ge­lingt nach Mann­schafts-Sil­ber noch der Ein­zel­sieg. Da­bei hat­te es nach dem ver­korks­ten Ge­län­de­ritt nach ei­nem De­ba­kel für die deut­sche Equi­pe aus­ge­se­hen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Der Weg nach sei­nem „his­to­ri­schen“Tri­umph führ­te Viel­sei­tig­keits­rei­ter Micha­el Jung erst ein­mal in die Ar­me sei­ner El­tern Joa­chim und Bri­git­te. An­schlie­ßend muss­te der 34-Jäh­ri­ge nach sei­nem er­neu­ten olym­pi­schen Gold-Coup in Rio de Janei­ro je­de Men­ge Hän­de schüt­teln und Sel­fies ma­chen las­sen. Et­was mehr als zwei St­un­den, nach­dem er schon mit der Mann­schaft Sil­ber ge­won­nen hat­te, wie­der­hol­te der Aus­nah­me­rei­ter mit sei­nem Wal­lach Sam im ab­schlie­ßen­den Sprin­gen sei­nen Tri­umph von den Som­mer­spie­len vor vier Jah­ren in Lon­don. Zugleich war es das ers­te Gold für das deut­sche Olym­pia­Team in Rio über­haupt.

„Man darf ru­hig das Wort ,his­to­risch‘ be­nut­zen. Für ihn ge­hen die Su­per­la­ti­ve aus“, sag­te Den­nis Pei­ler, Sport­chef beim Reit­sport­ver- band FN. Ge­ne­ral­se­kre­tär So­en­ke Lau­ter­bach rief: „Wahn­sinn“.

Jung hat­te mit sei­ner Null­run­de im Team-Wett­be­werb zugleich die Füh­rung im Ein­zel-Klas­se­ment über­nom­men. Als letz­ter Star­ter im Olym­pia-Park Deo­do­ro be­hielt er er­neut die Ner­ven und kam oh­ne Straf­punk­te ins Ziel. Sil­ber ging an den Fran­zo­sen Ni­co­las As­tier, Bron­ze an den Ame­ri­ka­ner Phil­lip Dut­ton mit Migh­ty Nice. Dop­pel­Welt­meis­te­rin San­dra Auf­farth aus Gan­der­ke­see kam mit Op­gun Lou­vo auf Rang elf, In­grid Klim­ke aus Münster wur­de auf Ha­le Bob 14.

Zu­vor hat­ten Jung, Auf­farth und Klim­ke mit dem deut­schen Team nach ei­ner tol­len Auf­hol­jagd von Platz vier aus noch Sil­ber hin­ter dem neu­en Olym­pia­sie­ger Frank­reich ge­holt. Drit­ter war Aus­tra­li­en ge­wor­den.

Ju­lia Kra­je­w­ski aus Wa­ren­dorf durf­te mit Sa­mou­rai im Sprin­gen nicht mehr an­tre­ten. Die 27 Jah­re al­te Olym­pia-De­bü­tan­tin war am Mon­tag beim Ge­län­de­ritt nach drei Ver­wei­ge­run­gen aus­ge­schie­den, durf­te sich aber den­noch über die Me­dail­le aus der Hand der eng­li­schen Prin­zes­sin An­ne freu­en.

Bun­des­trai­ner Hans Mel­zer hat­te beim Team-Fi­na­le nicht mehr hin­se­hen kön­nen. Als das kaum noch für mög­lich ge­hal­te­ne sil­ber­ne Hap­py End per­fekt war, stand er et­was ab­seits vom Ge­sche­hen. „Nach­dem Mi­chi ge­rit­ten war, bin ich weg­ge­gan­gen“, be­rich­te­te der 65-Jäh­ri­ge von den ent­schei­den­den Mi­nu­ten. „Ich konn­te das nicht mit­an­schau­en.“Dass es tat­säch­lich noch zu Rang zwei reich­te, hat­te der Coach erst nur ge­hört: „Ich ha­be auf die Re­ak­tio­nen im Sta­di­on ge­war­tet.“ Mit drei ma­kel­lo­sen Rit­ten im ab­schlie­ßen­den Sprin­gen hat­ten Auf­farth, Klim­ke und Jung den schlech­ten Ge­län­de-Auf­tritt der hoch­ge­han­del­ten Fa­vo­ri­ten wett­ge­macht.

Mög­lich mach­ten den Sprung auf das Po­di­um hin­ter den Fran­zo­sen die Pat­zer der Kon­kur­renz aus Aus­tra­li­en und Neu­see­land. Der über­ra­gen­de Jung gab zu: „Es wä­re ge­lo­gen, wenn man sa­gen wür­de, dass man sich nicht über die Feh­ler der an­de­ren freu­en wür­de.“

Dass die Equi­pe den deut­schen Gold-Hattrick nach den Sie­gen in Hong­kong 2008 und Lon­don 2012 ver­pas­sen wür­de, stand schon am Mon­tag nach ei­nem der schlech­tes­ten Er­geb­nis­se im Ge­län­de seit Jah­ren so gut wie fest. Doch zu­min­dest Sil­ber und Bron­ze war dank Jungs feh­ler­frei­er Run­de im Ge­län­de noch mög­lich.

Fo­to: Fri­so Gentsch, dpa

Micha­el Jung und die deut­schen Viel­sei­tig­keits­rei­ter fei­er­ten in Rio noch ein Hap­py End und die ers­ten Me­dail­len für das deut­sche Olym­pia-Team: Für Jung mit sei­nem Er­folgs­pferd Sam gab es Gold im Ein­zel und Sil­ber mit der Mann­schaft.

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