Jä­ger der ver­lo­re­nen Form

To­ny Mar­tin war der bes­te Zeit­fah­rer der Welt. Jetzt steckt er im Tief. Was er sich in Rio er­hofft und was er tut, wenn es nicht klappt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro To­ny Mar­tin ha­dert. Mit sich, mit dem Ma­te­ri­al, mit der Form. War­um ist er nicht mehr der­je­ni­ge, an dem sich die an­de­ren im Zeit­fah­ren ori­en­tie­ren? War­um läuft es seit knapp ei­nem Jahr nicht mehr? „Ich su­che nach Er­klä­run­gen“, sag­te der 31-Jäh­ri­ge. Und füg­te vor dem olym­pi­schen Kampf ge­gen die Uhr am heu­ti­gen Mitt­woch (15 Uhr deut­scher Zeit) fa­ta­lis­tisch hin­zu: „Das ist ei­ne Tal­soh­le, die je­der Sport­ler mal durch­lebt. Ich muss ak­zep­tie­ren, dass ich nicht ab­so­lu­te Welt­spit­ze bin.“

Trotz­dem hofft der drei­ma­li­ge Zeit­fahr-Welt­meis­ter auf ei­ne Me­dail­le. Zwar nicht auf die gol­de­ne, da­für hält er Chris­to­pher Froo­me (Groß­bri­tan­ni­en) und Tom Du­mou­lin (Nie­der­lan­de) auf dem an­spruchs­vol­len Kurs mit ei­ni- gen Stei­gun­gen für zu stark. „Sie ha­ben bei der Tour ge­zeigt, dass sie die gro­ßen Fa­vo­ri­ten sind“, sag­te Mar­tin. Aber der Kampf um Platz drei sei of­fe­ner. „Da rech­ne ich mir Chan­cen aus.“Zu­mal das lä­dier­te Knie beim Stra­ßen­ren­nen, das er am Sams­tag als Trai­ning für sei­ne Spe­zi­al­dis­zi­plin ge­nutzt hat­te, kei­ne Pro­ble­me mehr be­rei­te­te.

Was aber, wenn es wie bei der Tour de Fran­ce, als er bei den Zeit­fah­rern chan­cen­los war, wie­der ei­ne Ent­täu­schung gibt? „Wenn das ein­tritt, muss ich halt vier Jah­re war­ten“, sag­te Mar­tin. Auch oh­ne Me­dail­le wä­ren die Spie­le in Rio ein gran­dio­ses Er­eig­nis. „Ich ge­nie­ße das hier. Das sind Ein­drü­cke fürs Le­ben“, be­ton­te der WahlSchwei­zer, der auch klei­ne­re Pan­nen mit Hu­mor nimmt. So twit­ter­te er am Wo­che­n­en­de mit ei­nem Smi­ley: „Kein Strom in un­se­rem Haus und der Fahr­stuhl funk­tio­niert nicht mehr. Nicht ein­fach, bis in den 17. Stock hoch­zu­lau­fen, aber ich ha­be es ge­schafft.“

Ei­nes ist für den ge­bür­ti­gen Lau­sit­zer klar: So schwach wie jüngst in Frank­reich will er sich auf der 54,6 Ki­lo­me­ter lan­gen Schlei­fe mit Start und Ziel am At­lan­tik nicht prä­sen­tie­ren. Und falls doch, hat er be­reits die Som­mer­spie­le 2020 im Hin­ter­kopf, die er dann 35-jäh­rig in An­griff neh­men wür­de: „Ich hof­fe, dass es in To­kio nicht so vie­le Ber­ge gibt.“

Fo­to: afp

To­ny Mar­tin

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