Radl mit

Aufs Dach oder ans Heck: Wie Au­to­be­sit­zer das Fahr­rad si­cher und kom­for­ta­bel mit in den Ur­laub neh­men

Mittelschwaebische Nachrichten - - Sport -

Nicht al­le ra­deln in ih­rer Hei­mat­re­gi­on, son­dern wol­len ihr Fahr­rad bei­spiels­wei­se mit in den Ur­laub neh­men. Für das Au­to bie­ten sich da­zu Fahr­rad­trä­ger an: Die gän­gi­gen Sys­te­me sind Dach­trä­ger, Heck­klap­pen­trä­ger und Kupp­lungs­trä­ger. „Je­des Sys­tem hat sei­ne Stär­ken und Schwä­chen“, sagt Gün­ther Kah­lert vom TÜV Süd.

Er be­vor­zugt den Fahr­rad­trä­ger auf der An­hän­ger­kupp­lung. Da­bei wird der Trä­ger auf der An­hän­ge­kupp­lung mon­tiert. „Der ist zwar teu­er, aber man kann die Rä­der be­quem auf- und ab­la­den.“Vor al­lem für schwe­re Pe­del­ecs und E-Bi­kes sei die­ses Sys­tem prak­tisch. So­fern der Trä­ger ab­klapp­bar ist, blei­be der Zu­gang zum Kof­fer­raum mög­lich. Nach­tei­le: Ein­park­sys­te­me funk­tio­nie­ren ge­ge­be­nen­falls nicht mehr, und na­tür­lich muss ei­ne An­hän­ger­kupp­lung vor­han­den sein.

Beim Rück­wärts­fah­ren müs­sen die Fah­rer be­ach­ten, dass das Au­to län­ger ist. Bei schwe­ren Pe­del­ecs än­dert sich auch das Fahr­ver­hal­ten. „Das Au­to wird heck­las­tig, was sich wie­der­um auf das Lenk­ver­hal­ten aus­wir­ken kann“, sagt Kah­lert. Ist kei­ne An­hän­ger­kupp­lung vor­han­den, ist ein Nach­rüs­ten zwar mög­lich, kos­tet aber bis zu 2000 Eu­ro. „Für Au­to­fah­rer, die nur sel­ten ih­re Rä­der trans­por­tie­ren, ren­tiert sich das oft­mals nicht“, sagt Kah­lert. Für sie sei­en Dach­trä­ger, die es schon ab 50 Eu­ro gibt, die preis­wer­te­re Wahl.

„Dach­trä­ger sind in der An­schaf­fung güns­tig, je­doch ist beim Be­la­den in der Re­gel ho­her Kraft­auf­wand nö­tig“, sagt Jo­han­nes Boos vom ADAC. Kraft kos­tet es auch das Au­to. Denn die Rä­der ste­hen voll im Wind, „wes­halb ein Fahr­rad­trä­ger auf dem Dach mit zwei Rä­dern ei­nen Mehr­ver­brauch von über 40 Pro­zent ver­ur­sacht“, sagt Boos. Hin­ten auf der An­hän­ger­kupp­lung mon­tiert, fällt der zu­sätz­li­che Ver­brauch ge­rin­ger aus: Dann sei­en es 18 Pro­zent mehr als oh­ne Be­la­dung.

Doch nicht nur der Trä­ger­typ ist wich­tig. „Der Radträ­ger muss ge­prüft und mit dem Grund­trä­ger kom­pa­ti­bel sein“, sagt Kah­lert. Des­halb ra­ten die Ex­per­ten, sich vor dem Kauf um­fas­send von ei­nem Fach­händ­ler be­ra­ten zu las­sen. „Im Ide­al­fall lässt sich die Mon­ta­ge ei­nes Sys­tems be­reits im La­den aus­pro­bie­ren“, sagt Boos. Der Käu­fer soll­te sich vor­her dar­über im Kla­ren wie vie­le Rä­der er trans­por­tie­ren möch­te. Au­ßer­dem soll­te er das Ein­zel- und Ge­samt­ge­wicht sei­ner Bi­kes ken­nen. Für Pe­del­ecs und E-Bi­kes schei­den Dach­trä­ger oft aus: Mit ei­nem Ge­wicht zwi­schen 25 und 35 Ki­lo­gramm las­sen sie sich nur müh­sam aufs Dach wuch­ten. Durch das ho­he Ge­wicht än­de­re sich auch das Fahr­ver­hal­ten, weil sich der Schwer­punkt nach oben ver­la­gert.

Nicht emp­feh­lens­wert sind laut TÜV Süd und ADAC Heck­klap­pen­K­lemm­trä­ger mit Gurtfi­xie­rung. Zwar ein­fach zu be­la­den und preis­güns­tig, er­for­dern sie aber bei der Mon­ta­ge zwei Per­so­nen. Au­ßer­dem kön­ne die Heck­wi­scher­funk­ti­on be­ein­träch­tigt wer­den und der Zu­gang zum Kof­fer­raum er­schwert sein. „Man­che Schar­nie­re der Heck­klap­pen sind für ei­ne Dau­er­be­las­tung durch den Trä­ger auch nicht aus­ge­legt“, sagt Boos und rät zum Blick in die Be­die­nungs­an­lei­tung des Au­tos.

Bei neue­ren Mo­del­len ist die Mon­ta­ge ei­nes Heck­klap­pen­trä­gers häu­fig gar nicht mög­lich, wenn die Heck­klap­pe aus Glas be­steht und die Spalt­ma­ße zu ge­ring aus­fal­len. Opel bie­tet bei ei­ni­gen Mo­del­len wie Cor­sa oder Za­fi­ra Tou­rer den Flex­fi­xFahr­rad­trä­ger. Der ist im Stoß­fän­ger in­te­griert und wird bei Be­darf aus­ge­zo­gen. Vor­teil: ein­fa­che Hand­ha­bung, leich­tes Be- und Ent­la­den und ein ge­rin­ger Mehr­ver­brauch. Nach­teil: ein Preis von rund 650 Eu­ro.

Aber egal, wel­cher Trä­ger: An­bau­tei­le wie Lenk­rad­korb, Luft­sein, pum­pe, Kin­der­sitz und an­de­res lo­ses Zu­be­hör ent­fernt man vor dem Trans­port. Ein Ka­bel­schloss schützt vor Dieb­stahl und si­chert zu­sätz­lich. Au­ßer­dem dür­fen die Rä­der nicht mit Pla­nen ab­ge­deckt wer­den, da dies die Wind­last deut­lich er­hö­hen kann.

Der Be­die­nungs­an­lei­tung des Au­tos, der Mon­ta­ge­an­lei­tung und dem Ty­pen­schild des Trä­gers las­sen sich wich­ti­ge In­fos wie das Tem­po­li­mit ent­neh­men. Das liegt meist bei 130 km/h. „Vor Fahrt­an­tritt soll­te der Au­to­fah­rer den Trä­ger und die Rä­der auf si­che­ren Halt über­prü­fen“, sagt Boos. Die­se Prü­fung soll­te er­neut nach ei­ner kur­zen Fahr­stre­cke und zu­sätz­lich bei lan­gen Fahr­ten auch zwi­schen­durch durch­ge­führt wer­den. Fa­bi­an Ho­berg, dpa

Fo­tos: dpa

Zwei We­ge für das Zwei­rad: Das Ge­fährt lässt sich sinn­voll ent­we­der auf dem Dach­trä­ger trans­por­tie­ren oder auf ei­nem spe­zi­el­len Auf­satz für die An­hän­ger­kupp­lung. Opel bie­tet für ei­ni­ge sei­ner Mo­del­le (im Bild der Adam) auch ei­nen aus­zieh­ba­ren Fahr­rad­trä­ger an (Bild un­ten links).

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