Mo­dell zeigt Burg­wal­den mit Was­ser­schloss

His­to­rie Ei­ne Nach­bil­dung macht die Orts­ge­schich­te des Bo­bin­ger Stadt­teils an­schau­lich

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Nachbarschaft - VON AN­JA FI­SCHER In­for­ma­tio­nen zum Burg­wal­de­ner Mu­se­um gibt es zu­dem un­ter www.burg­wal­den.de.

Bo­bin­gen-Burg­wal­den Gro­ße Grün­flä­chen, aus­ge­dehn­te Teich­land­schaf­ten und in der Mit­te ein wun­der­schö­nes Was­ser­schloss – so prä­sen­tiert sich Burg­wal­den. Wie? Sie ken­nen den klei­nen Orts­teil von Bo­bin­gen ganz an­ders? Und ein Was­ser­schloss ha­ben Sie dort noch nie ge­se­hen? Dann wird es Zeit für ei­nen Be­such im al­ten „Back­häus­le“, das von Gott­fried Dör­ner und Lo­renz Schrei­ber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht nur re­no­viert, son­dern auch zu ei­nem klei­nen Mu­se­um aus­ge­baut wur­de.

Und ge­nau die­ses ist nun um ei­ne At­trak­ti­on rei­cher: In lan­gen Win­ter­stun­den hat Gott­fried Dör­ner Burg­wal­den als Mo­dell nach­ge­baut – so wie es frü­her ein­mal aus­sah. „Im letz­ten Win­ter gab es des­halb kein schlech­tes Wet­ter für mich“, er­in­nert sich Dör­ner schmun­zelnd. „Ich bin dann ein­fach in mei­nen Kel­ler ge­gan­gen und ha­be an mei­nem Mo­dell ge­bas­telt.“Et­wa 180 Ar­beits­stun­den hat Dör­ner da­rin in­ves­tiert – da ging der Win­ter schnell Und nun konn­te das gro­ße Mo­dell Ein­zug hal­ten in das klei­ne Burg­wal­de­ner Mu­se­um.

Auf dem Sty­ro­por-Un­ter­grund fin­det ein gan­zes Dorf aus kunst­voll be­mal­ten Holz­klötz­chen Platz. Die Dä­cher sind aus Bal­sa­holz ge­fer­tigt. In Kleis­ter ge­tränk­tes Kü­chen­krepp bil­det den grä­ser­nen Un­ter­grund. Das Dorf hat ei­ne et­was ab­seits lie­gen­de Bad­stu­be, und auch die his­to­risch ver­bürg­te Müh­le, die um 1830 ab­ge­bro­chen wur­de, ist zu se­hen.

Im Mit­tel­punkt aber steht das „ver­sun­ke­ne Was­ser­schloss“, das von 1506 bis 1762 in Burg­wal­den stand. Als es ab­ge­bro­chen wur­de, wur­den St­ei­ne vom Schloss in den um­lie­gen­den Burg­wal­de­ner Hö­fen ver­baut. Ein al­tes Bild, wel­ches Burg­wal­den um 1602 zeigt und auch im Mu­se­um zu se­hen ist, bil­de­te die Grund­la­ge für das Mo­dell von Gott­fried Dör­ner.

Er woll­te mit sei­nem Di­ora­ma den klei­nen Ort und sei­ne gro­ße Ver­gan­gen­heit ein we­nig be­greif­ba­rer ma­chen: „Das Bild ist zwar sehr schön, aber wir dach­ten uns, ein Mo­dell macht die Ge­schich­te doch ein we­nig deut­li­cher und wä­re noch schö­ner.“

Nach­fra­gen bei pro­fes­sio­nel­len Mo­dell­bau­ern er­ga­ben aber, „ein Mo­dell in die­ser Grö­ße wä­re mit ein paar Tau­send Eu­ro für uns un­be­zahl­bar ge­we­sen“. Al­so über­leg­te Gott­fried Dör­ner, was es wohl kos­ten wür­de, so et­was selbst zu bas­teln. „Ich ha­be dann ein­fach an­ge­fan­gen, und wuss­te am An­fang selbst nicht, was ein­mal dar­aus wer­den wird.“Denn an ei­ne Ba­s­tel­ar­beit die­ser Art hat­te sich Dör­ner zu­vor noch nie ge­wagt. Jetzt ist er mit dem Er­geb­nis doch zu­frie­den. Sein Ein­satz an rei­nem Ma­te­ri­al­auf­wand: et­wa 200 Eu­ro. Und viel, sehr viel Zeit. „Aber, wenn ich ehr­lich bin, ha­be ich die Ar­beit am Mo­dell sehr ge­nos­sen. Es war schön, mal so et­was zu ma­chen“, sagt Dör­ner. Er gibt sich be­schei­den. „Das Mo­dell ist si­cher­lich nur ei­ne klei­ne Be­rei­che­rung für un­ser Mu­se­um.“

Tat­sa­che aber ist, das Di­ora­ma, in dem auch der in der Nä­he von Burg­wal­den ge­le­ge­ne Gal­gen­berg samt Gal­gen nicht fehlt, be­sticht durch sei­ne lie­be­vol­le und de­tail­lier­te Aus­vor­bei. füh­rung. So feh­len we­der die Fi­sche im Ke­scher am Fisch­teich noch die dar­auf schwim­men­den Schwä­ne. Bei­des kann man üb­ri­gens heu­te auch se­hen, wenn man an den Tei­chen vor­bei­spa­ziert. Und vi­el­leicht wan­dert ja dann der ei­ne oder an­de­re Blick ein we­nig aus­führ­li­cher zu der Stel­le, an der frü­her das Burg­wal­de­ner Was­ser­schloss stand. Gott­fried Dör­ner wür­de das freu­en. Mit sei­nem Mo­dell ist Burg­wal­den wohl die ein­zi­ge Ort­schaft in der Um­ge­bung, die ei­ne Nach­bil­dung ih­res frü­he­ren Orts­bil­des hat.

Wer sich das Mo­dell ein­mal im Ori­gi­nal an­schau­en möch­te, plant am bes­ten an ei­nem schö­nen Sonn­tag­nach­mit­tag ei­nen Be­such im Burg­wal­de­ner „Back­häus­le“ober­halb der Kir­che. „Dann ha­ben wir meis­tens ge­öff­net“, er­zählt Dör­ner. „Wenn die Tür zum Mu­se­um of­fen steht, ist je­der Be­su­cher herz­lich will­kom­men.“

Fo­to: An­ja Fi­scher

Burg­wal­den vor über 300 Jah­ren. Die­se Re­kon­struk­ti­on des al­ten Orts­bil­des hat Gott­fried Dör­ner mit sei­nem Mo­dell ge­schaf­fen. Es ist im klei­nen Mu­se­um ober­halb der Kir­che zu se­hen.

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