Der auf dem wil­den Was­ser tanzt

Ka­nu­sla­lom Tom Schind­ler ist ein sport­li­ches Mul­ti­ta­lent. Er bringt auch al­les mit, um weit zu kom­men. Doch der 14-Jäh­ri­ge will im­mer Neu­es aus­pro­bie­ren

Mittelschwaebische Nachrichten - - Sport Aus Der Region - VON JAN KUBICA

Günz­burg Aus­pro­biert hat Tom Schind­ler schon je­de Men­ge Sport­ar­ten. In die­sem olym­pi­schen Som­mer ist der 14-Jäh­ri­ge viel auf dem Moun­tain­bike un­ter­wegs. Kampf­sport be­treibt er eben­so wie Lau­fen und Schwim­men. Ab und zu geht er klet­tern. Ein Mul­tisport­ler eben. Haupt­sa­che, es rührt sich was.

Doch wäh­rend der Ju­gend­li­che manch an­de­res ak­ti­ves Be­tä­ti­gungs­feld im Lauf der Zeit wie­der ver­las­sen hat, ist er beim Ka­nu­sla­lom ge­blie­ben. Aus Über­zeu­gung. Weil es ihm Spaß macht. Und weil er selbst merkt, dass er in die­sem Sport noch ein gu­tes Stück vor­an­kom­men kann, wenn er sich an­strengt.

Ge­nau an die­ser Stel­le liegt je­doch das Pro­blem. Udo Im­min­ger, Ka­nu­sla­lom-Trai­ner beim VfL Günz­burg, for­mu­liert es aus sei­ner Per­spek­ti­ve so: „Wenn sich Tom auf ei­ne Sport­art kon­zen­trie­ren wür­de, wä­re es bes­ser.“

Der auf­ge­weck­te Ju­gend­li­che weiß selbst, dass Ta­lent al­lein nicht ge­nügt, um in ei­nem tech­nisch derart schwie­ri­gen Sport zu ech­ter Meis­ter­schaft zu ge­lan­gen. Doch Tom Schind­ler be­fin­det sich, oh­ne es selbst mit die­sem Wort zu be­zeich­nen, in der Fin­dungs­pha­se. Klar, da ist die Fas­zi­na­ti­on des Fah­rens in to­sen­dem Was­ser. „Das ist Action, weil’s im­mer et­was an­de­res bie­tet“, sagt der 14-Jäh­ri­ge auf dem Weg zum Trai­ning auf sei­ner Haus­stre­cke an der Günz-Mün­dung. Die kennt er in­zwi­schen rich­tig gut; im­mer­hin hat er zu­sam­men mit sei­nem äl­te­ren Bru­der Thi­lo schon vor drei Jah­ren mit dem Boot­fah­ren an­ge­fan­gen. Ers­te Tü­cken hat er na­tür­lich längst über­wun­den. „Zu Be­ginn sitzt man im­mer un­si­cher drin und wenn man pad­delt, wa­ckelt die Spit­ze des Boo­tes hin und her“, er­zählt Tom von sei­nen ers­ten Ver­su­chen auf dem wil­den Was­ser. In­zwi­schen wa­ckelt da nichts mehr und selbst zu Läu­fen um die baye­ri­sche Ju­gend­meis­ter­schaft ist Tom Schind­ler schon ge­star­tet.

Zu grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen wie die Fahrt durch den Eis­ka­nal in Augs­burg ist der Ju­gend­li­che (er be­sucht die Hans-Mai­er-Re­al­schu­le in Ichen­hau­sen) der­zeit noch nicht be­reit. Mög­li­cher­wei­se gibt es ihm ei­nen zu­sätz­li­chen Schub, wenn sei­ne Sport­art in die­sen Ta­gen bei den Olym­pi­schen Spie­len läuft. So­fern es die Zeit er­laubt, schaut er sich die der­zeit lau­fen­den Über­tra­gun­gen aus Rio auf je­den Fall an. Wo­bei Tom Schind­ler nicht wirk­lich an die zu­wei­len an­ge­führ­te Theo­rie glaubt, dass er sich bei die­ser Art des Fern­stu­di­ums auch wirk­lich et­was Kon­kre­tes ab­schau­en könn­te. Auf die­ses The­ma an­ge­spro­chen, ent­geg­net der 14-Jäh­ri­ge schlag­fer­tig: „Vom Fuß­ball schau­en wer­de ich auch kein Su­per-Fuß­bal­ler.“

Da hat er zwei­fel­los recht. Aber er be­sitzt auch den Ehr­geiz, so­zu­sa­gen in klei­nen Pad­del­schlä­gen im­mer bes­ser zu wer­den. Sei­ne Trai­ner beim VfL Günz­burg – ne­ben Udo Im­min­ger be­treu­en ihn dort Se­bas­ti­an Im­min­ger und bei Aus­fahr­ten auf der Do­nau Ste­fan Ga­ry – wer­den ihm hel­fen. Und vi­el­leicht wagt Tom Schind­ler, der Ju­gend­li­che, der im­mer Neu­es aus­lo­ten möch­te, in na­her Zu­kunft ja tat­säch­lich den Sprung in den Eis­ka­nal.

Fo­to: Ernst May­er

Die ganz schwe­ren Her­aus­for­de­run­gen geht Tom Schind­ler – hier un­ter­wegs auf der Günz – noch ziem­lich vor­sich­tig an. Aber der 14-Jäh­ri­ge bringt nach An­ga­ben sei­ner Trai­ner viel Ta­lent mit.

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