Al­ter­na­ti­ven zur Plas­tik­tü­te gibt es vie­le

Um­welt Wie die Un­ter­neh­men in der Re­gi­on ih­ren Teil da­zu bei­tra­gen, dass der Müll we­ni­ger wird

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON SA­RAH-KAT­HA­RI­NA MERK

Land­kreis Mitt­ler­wei­le gibt es in kaum ei­nem Ge­schäft mehr Plas­tik­tü­ten um­sonst. Hin­ter­grund ist ei­ne EU-Ver­ord­nung, die im Mai in Kraft ge­tre­ten ist. Der Ver­brauch leich­ter Plas­tik­tü­ten soll bis En­de des Jah­res 2019 auf 90 Stück pro Per­son pro Jahr zu­rück­ge­hen, bis En­de 2025 auf 40. Der­zeit liegt der durch­schnitt­li­che Ver­brauch in Deutsch­land bei 71 Tü­ten, so­mit wä­re das ers­te Ziel er­reicht. Die Vor­ga­ben sol­len vor­erst durch ei­ne frei­wil­li­ge Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um und dem Han­dels­ver­band um­ge­setzt wer­den. Dar­an ha­ben sich nach An­ga­ben des Ver­ban­des mit dem Start der Ver­ein­ba­rung am 1. Ju­li 260 Un­ter­neh­men deutsch­land­weit be­tei­ligt. Aber auch die Kreis­bür­ger tra­gen ih­ren Teil bei.

Der Plas­tik­müll rich­tet welt­weit gro­ßen Scha­den an. Das weiß auch Wal­traud Pfob, In­ha­be­rin der Buch­hand­lung Pfob in Bur­gau. Des­halb hat sie seit An­fang des Jah­res auf Pa­pier­tü­ten um­ge­stellt. Dar­auf ge­kom­men sei sie durch die öf­fent­li­chen De­bat­ten über die Ver­schmut­zung der Mee­re. „Ich fin­de es be­ängs­ti­gend, was der gan­ze Müll für un­se­re Zu­kunft be­deu­tet“, sagt sie.

Aber auch im Ver­hal­ten der Kun­den ha­be sich seit­dem ei­ni­ges ver­än­dert. Frü­her sei es für die­se selbst­ver­ständ­lich ge­we­sen, die kos­ten­lo­sen Plas­tik­tü­ten zu nut­zen, heu­te brin­gen nach ih­ren Schät­zun­gen et­wa 70 Pro­zent ei­ge­ne Kör­be oder Ta­schen mit.

Ei­ne Sen­si­bi­li­sie­rung für das The­ma Plas­tik­müll in sei­nem Um­feld be­merkt auch Chris­ti­an May­er, In­ha­ber des Su­per­markts SB May­er im Zen­trum Krum­bachs. Sei­ne Kund­schaft kann, so­bald die üb­ri­gen Plas­tik­tü­ten auf­ge­braucht sind, Le­bens­mit­tel und Wei­ne bald nur noch in Pa­pier­ta­schen trans­por­tie­ren. Das kom­me bei al­len sehr gut an. Dass die Pa­pier­tü­te nicht die op­ti­ma­le Lö­sung ist, weiß er. Bei ih­rer Her­stel­lung ent­steht ein grö­ße­rer öko­lo­gi­scher Scha­den als bei der Pro­duk­ti­on von Plas­tik­tü­ten, da­für ist die Al­ter­na­ti­ve aus Pa­pier aber ein­fa­cher bio­lo­gisch ab­bau­bar. „Ir­gend­wel­che Tü­ten brau­chen die Kun­den ja.“

Su­san­ne Gan­ser, Ge­schäfts­füh­re­rin des Mo­de­hau­ses Schild in Günz­burg sagt, die gan­ze Ge­schich­te müs­se et­was dif­fe­ren­zier­ter ge­se­hen wer­den. Es sei auch zu be­ach­ten, wel­che Bran­che be­trof­fen ist. Plas­tik­tü­ten sei­en manch­mal un­um­gäng­lich, ge­ra­de wenn der Kun­de hoch­wer­ti­ge Wa­re kauft und es drau­ßen reg­net. Um den Ein­kauf trotz­dem so um­welt­freund­lich wie mög­lich zu ge­stal­ten, sind Mehr­weg­tü­ten aus re­cy­cel­tem Plas­tik ge­plant, zu­sätz­lich zu den vor­han­de­nen Pa­pier­tü­ten. Au­ßer­dem merkt sie an, dass es letzt­end­lich bei je­dem selbst lie­ge, öko­lo­gi­scher zu kon­su­mie­ren. Nach ih­rer Aus­sa­ge brin­gen die Bür­ger des Land­krei­ses mitt­ler- wei­le auch schon oft ei­ge­ne Kör­be mit oder ver­wen­den Tü­ten wie­der.

Der Fach­han­del Abt für Haus­halt, Kü­che und Woh­nen in Günz­burg ver­wer­tet vor­erst die üb­ri­gen Be­stän­de. Hier zahlt der Kun­de zwi­schen fünf und 30 Cent. Und das schon seit ver­gan­ge­nem April. Der Preis re­ge da­zu an, über ih­ren Kon­sum nach­zu­den­ken, er­klärt Ge­schäfts­füh­re­rin An­ja Reit­mai­er. So konn­te ein deut­li­cher Rück­gang des Ver­brauchs er­zielt wer­den.

Auch vie­le Phar­ma-Un­ter­neh­men, die den Apo­the­ken oft aus Wer­be­zwe­cken Tü­ten stel­len, sind nach Aus­sa­ge Micha­el Lyhs, In­ha­ber der St. Mar­tins Apo­the­ke in Jet­tin­gen-Scheppach, da­bei, ihr Kon­zept zu über­den­ken. Vor­rei­ter war hier der Kon­zern Bo­eh­rin­ger-In­gel­heim, der nach sei­nen An­ga­ben schon seit et­wa 30 Jah­ren auf Pa­pier­ver­pa­ckun­gen setzt.

Bei Sa­bi­ne Schmid vom Tee-, Kaf­fee- und Li­fe­style-Ge­schäft in Günz­burg, gibt es ne­ben Pa­pier­ta­schen auch Stoff­beu­tel, bei de­ren Pro­duk­ti­on ei­ne Fir­ma in In­di­en un­ter­stützt wird. Plas­tik­tü­ten kom­men nur zum Ein­satz, wenn es gar nicht an­ders geht, weil zum Bei­spiel die Wa­re zu groß ist, ver­si­chert sie.

Auch wenn je­des der be­frag­ten Ge­schäf­te ein an­de­res Kon­zept ver­folgt, steckt doch ein ge­mein­sa­mer Ge­dan­ke da­hin­ter: Die Um­welt soll­te so we­nig Scha­den wie mög­lich neh­men.

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