Kein Kopf­tuch im Ge­richts­saal

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wetter | Roman - VON JÖRG SIG­MUND joes@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Um­strit­te­nes Ur­teil

Die Ab­wä­gung zwi­schen dem Grund­recht auf Re­li­gi­ons­frei­heit und der Neu­tra­li­täts­pflicht des Staa­tes ist seit je­her schwie­rig. Zu ei­nem Reizthema ist in die­sem Zu­sam­men­hang längst das Kopf­tuch mus­li­mi­scher Frau­en ge­wor­den. Vie­le se­hen da­rin ein Sym­bol der Un­ter­drü­ckung von Frau­en oder ei­ne um­strit­te­ne po­li­ti­sche Bot­schaft. Für vie­le Mus­li­ma ist es da­ge­gen nicht nur ein Zei­chen ih­res Glau­bens, son­dern auch Aus­druck ih­res Selbst­be­wusst­seins.

Die er­folg­rei­che Kla­ge ei­ner mus­li­mi­schen Ju­ris­tin ge­gen ein Kopf­tuch­ver­bot im Re­fe­ren­da­ri­at hat die Dis­kus­si­on nun neu be­feu­ert. Das Ur­teil der Augs­bur­ger Rich­ter ist um­strit­ten. Denn auf Rich­ter­bän­ken hat das Kopf­tuch nichts ver­lo­ren. Wenn Pro­zess­be­tei­lig­te ver­lan­gen kön­nen, dass Kru­zi­fi­xe im Ge­richts­saal ab­ge­hängt wer­den müs­sen, weil Staat und Re­li­gi­on strikt ge­trennt sind, muss auch der Staat ver­lan­gen dür­fen, dass die Ver­tre­ter der Jus­tiz auf re­li­giö­se Sym­bo­le ver­zich­ten müs­sen. Der Ge­setz­ge­ber ist ge­for­dert, in die­sem Fall end­lich Klar­heit zu schaf­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.