Der Ab­trün­ni­ge kehrt zu­rück

Fast zehn Jah­re war es still um die­sen un­ter­ge­tauch­ten Spe­zi­al-Agen­ten. Jetzt er­hält wie­der Matt Da­mon ei­nen neu­en Ein­satz in der kri­seln­den po­li­ti­schen Ge­gen­wart

Mittelschwaebische Nachrichten - - Kino - VON MAR­TIN SCHWI­CKERT VON CLAUDIUS WIE­DE­MANN

Ei­nem Typ wie Ja­son Bourne könn­te man in der U-Bahn be­geg­nen, was bei Kol­le­ge 007 un­denk­bar wä­re. Bourne ist kein coo­ler Agent wie Ja­mes Bond, son­dern ein Ge­trie­be­ner, der von sei­nem Schöp­fer ver­folgt wird, mäch­ti­gen In­sti­tu­tio­nen im Al­lein­gang das Hand­werk legt und ganz ne­ben­bei mit all den ge­fälsch­ten Rei­se­päs­sen in der Ta­sche auf der Su­che nach der ei­ge­nen Iden­ti­tät ist. Fast zehn Jah­re wur­de es still um Ja­son Bourne. So still, dass die Uni­ver­sal Stu­di­os 2012 schon ein Spin-off mit Je­re­my Ren­ner („Das Bourne Ver­mächt­nis“) in die We­ge lei­te­ten, das je­doch längst nicht an die Qua­li­tät der frü­he­ren Fil­me her­an­reich­te.

Nun ha­ben sich Re­gis­seur Paul Gre­en­grass und Matt Da­mon er­neut zu­sam­men­ge­tan und las­sen ih­ren un­ter­ge­tauch­ten Spe­zi­al-Agen­ten noch ein­mal von der Lei­ne mit­ten hin­ein in un­se­re kri­seln­de Ge­gen­wart. Kei­nes­wegs zu­fäl­lig be­ginnt „Ja­son Bourne“in At­hen, wo sich die Fol­gen der Ban­ken- und Eu­ro­kri­se am deut­lichs­ten ab­bil­den. Als kon­spi­ra­ti­ven Treff­punkt ha­ben sich Bourne und sei­ne ein­zi­ge Ver­trau­te Ni­cky (Ju­lia Sti­les) ei­ne De­mons­tra­ti­on ge­gen die EU-Spar­po­li­tik aus­ge­sucht, die sich zu­neh­mend in ein Stra­ßen­kampf-Sze­na­rio ver­wan­delt. Das Tref­fen wird von dem CIA-Di­rek­tor Ro­bert Dew­ey (Tom­my Lee Jo­nes) über Sa­tel­lit be­ob­ach­tet, der hofft nach all den Jah­ren Bourne end­lich hab­haft zu wer­den und ge­ra­de in Zu­sam­men­ar­beit mit dem So­ci­al-Me­dia-Un­ter­neh­mer Aa­ron Kal­lor (Riz Ah­med) an der welt­wei­ten To­tal­über­wa­chung ar­bei­tet.

Hier die High­tech-Zen­tra­le in Lan­gley, die sich mit ein paar Maus­klicks in je­de Über­wa­chungs­ka­me­ra der Welt ein­log­gen kann. Dort die ver­mumm­ten De­mons­tran­ten, die mit Mo­lo­tow­cock­tails ih­rem Un­mut ge­gen die Re­gie­rung Luft ver­schaf­fen. Der Kon­trast zwi­schen an­ar­chi­scher Re­bel­li­on und ge­heim-

Der Haupt­dreh zu „Ja­son Bourne“dau­er­te 85 Ta­ge plus 30 Ta­ge für die Se­cond Unit. Das Script wur­de chro­no­lo­gisch ver­filmt. Wäh­rend des Drehs gab es stän­dig Ve­rän­de­run­gen. Sze­nen wur­den um­ge­schrie­ben, Kampf­cho­reo­gra­fi­en ent­stan­den neu, Se­quen­zen wur­den um­ge­stellt – es gab so vie­le Än­de­run­gen wie nö­tig, um den Film „im Mo­ment“zu hal­ten.

Riz Ah­med sagt über den Re­gis­seur: „Paul (Gre­en­grass) hat die er­staun­li­che Fä­hig­keit im­mer prä­sent zu sein und buch­stäb­lich Sze­nen am Set zu schrei­ben. Er hat kei­ne Angst vor plötz- dienst­li­cher To­tal­über­wa­chung spie­gelt hier fast mit Hän­den zu grei­fen die ge­sell­schaft­li­chen Bruch­li­ni­en un­se­rer Zeit. Ja­son Bourne be­wegt sich zwi­schen den Fron­ten und ist vor al­lem da­von an­ge­trie­ben die Wahr­heit über sei­ne Ver­gan­gen­heit und den Tod sei­nes Va­ters her­aus­zu­fin­den. Sei­ne Re­cher­che führt ihn von Grie­chen­land zu­nächst nach Ber­lin über Lon­don zum Fi­na­le nach Las Ve­gas, wo die neue So­ci­alMe­dia-Platt­form lan­ciert wer­den soll, die den Zu­gang der CIA zu je­dem di­gi­ta­len End­ge­rät si­chern soll.

Der­weil fin­det in Lan­gley auch ein in­ter­ner Macht­kampf statt. Wäh­rend die jun­ge Agen­tin Hea­ther lich auf­tau­chen­den Ide­en und Din­gen, die al­les ver­schie­ben und ver­än­dern. Ich dreh­te im­mer wie­der Sze­nen, die er erst am Tag zu­vor ge­schrie­ben hat­te. Er ist im­mer da­bei das Buch wei­ter zu schär­fen.“

Pro­du­zent Frank Mar­shall er­zählt: „Bei be­stimm­ten Sze­nen ha­ben wir noch in der letz­ten Mi­nu­te Än­de­run­gen ge­macht, weil es ein­fach nicht funk­tio­niert hat, als wir es aus­pro­bier­ten, es nicht gut ge­spielt war oder Matt sich nicht wohl­ge­fühlt hat da­mit. Er sag­te zu Paul: „Ich glau­be nicht, dass Bourne dies je­mals tun wür­de.“(AZ) Lee (Ali­cia Vi­kan­der) auf die In­klu­si­on Bour­nes setzt, will der Ge­heim­dienst-Di­no­sau­ri­er Dew­ey den Ab­trün­ni­gen li­qui­die­ren las­sen. Be­acht­lich, wie die jun­ge Schau­spie­le­rin Ali­cia Vi­kan­der ei­nem alt­ge­dien­ten Ve­te­ra­nen wie Tom­my Lee Jo­nes auf Au­gen­hö­he ent­ge­gen­tritt. Auch das ist ein Be­kennt­nis des Fil­mes zu ei­ner sich ver­än­dern­den po­li­ti­schen Ge­gen­wart, in der die Seil­schaf­ten der al­ten Män­ner ab­ge­wirt­schaf­tet ha­ben.

Nach zehn Jah­ren ist Paul Gre­en­grass ein ab­so­lut schlüs­si­ges Re­launch ge­lun­gen, das sei­nen un­kor­rum­pier­ba­ren Hel­den durch die Post-Snow­den-Ära schickt. Was vor we­ni­gen Jah­ren noch wie ein Pa­ra­noia-Sze­na­rio aus­sah, ist heu­te po­li­ti­sche Rea­li­tät. Bourne er­weist sich als ef­fi­zi­en­te Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur, die ge­gen die wu­chern­de Macht der Si­cher­heits­ap­pa­ra­te und Kon­zer­ne kämpft, sich aber auch von de­ren Geg­nern, die in ei­ge­nen Macht­stra­te­gi­en ver­strickt sind, nicht ver­ein­nah­men lässt. Er ist und bleibt ein In­di­vi­dua­list, der im­mer nur auf ei­ge­ne Rech­nung ar­bei­tet. Ähn­li­ches lässt sich auch über Gre­en­grass’ Film sa­gen, der höchst un­ter­halt­sa­me Ac­tion mit po­li­ti­scher Ak­tua­li­tät ver­bin­det und sich den­noch der Gleich­för­mig­keit des Main­stream er­folg­reich ent­zieht. *****

Film­start

in vie­len Ki­nos der Re­gi­on Als Buch sind die Kri­mis von Ri­ta Falk längst Best­sel­ler und de­ren kau­zi­ge Ki­no­ver­sio­nen von Re­gis­seur Ed Her­zog avan­cie­ren eben­so zu kul­ti­gen Er­folgs­strei­fen. Vor al­lem die per­fek­te Be­set­zung hin­ein bis in die Ne­ben­rol­len ga­ran­tiert das Ver­gnü­gen, so auch in „Schweins­kopf al den­te“. Als Dorf­po­li­zist Franz Eber­ho­fer und Pri­vat­de­tek­tiv Ru­di Bir­ken­ber­ger be­geis­tern Se­bas­ti­an Bez­zel in sei­ner stoi­schen Art und Si­mon Schwarz mit sei­nen aber­wit­zi­gen Ein­fäl­len nicht we­ni­ger als Ei­si Gulp, der als Eber­ho­fers Va­ter ge­mein­sam mit ei­nem völ­lig ab­ge­dreh­ten Si­gi Zim­mer­schied ger­ne mal mit ein we­nig Gras in an­de­re Be­wusst­seins-Sphä­ren ein­taucht. Nicht zu ver­ges­sen Da­ni­el Chris­ten­sen als „Hei­zungs­pfu­scher“und Was­ser­in­stal­la­teur Flöt­zin­ger.

Dies­mal wird Po­li­zei­chef Mo­rat­schek (Zim­mer­schied) von dem ent­lau­fe­nen Psy­cho­pa­then Dr. Küst­ner be­droht. Wie ge­fähr­lich die­ser ist, müs­sen nicht nur Ret­tungs­sa­ni­tä­ter und Pilz­samm­ler be­grei­fen. Zwar wähnt das Lands­hu­ter Ein­satz­kom­man­do den Tä­ter längst in Spa­ni­en, doch Mo­rat­schek weiß, dass sein Le­ben in Ge­fahr ist. So muss Eber­ho­fer für Per­so­nen­schutz sor­gen. Sei­ne Ge­dan­ken dre­hen sich je­doch eher um Susi, die ihn ver­las­sen hat und am Gar­da­see in der Piz­ze­ria ih­res neu­en Lieb­ha­bers ar­bei­tet. Man er­lebt, wie die Dorf­ge­mein­schaft auf al­len Ebe­nen zu­sam­men­hält und für ein eben­so viel­schich­ti­ges wie ku­li­na­ri­sches Hap­py End sorgt. Die Kri­mi­ko­mö­die ma­de in Bay­ern ge­fällt we­gen der Leich­tig­keit ih­rer la­pi­da­ren Dia­lo­ge, stets ver­setzt mit ei­nem Schuss schwar­zen Hu­mor. Köst­li­ches Som­mer­ki­no. ***

Film­start

in vie­len Ki­nos der Re­gi­on

Än­de­run­gen am Script noch in letz­ter Mi­nu­te

Fo­to: Uni­ver­sal Pict.

Matt Da­mon kehrt zu­rück in sei­ne le­gen­dä­re Rol­le des ab­trün­ni­gen Agen­ten Ja­son Bourne. Hier braust er mit dem Po­li­zei­mo­tor­rad durch At­hen.

Fo­to: Con­stan­tin

Ru­di Bir­ken­ber­ger (Si­mon Schwarz, li.) und Franz Eber­ho­fer (Se­bas­ti­an Bez­zel) über­wa­chen den Hof.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.