Krö­nen­der Ab­schluss

Spring­rei­ter-Equi­pe um „Ol­die“Lud­ger Beer­baum ge­hört zu den Fa­vo­ri­ten

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEININGER

Rio de Janei­ro Lud­ger Beer­baum lehnt läs­sig an der Me­tall­bar­rie­re in der Mi­xed­zo­ne des Reit­sta­di­ons von Deo­do­ro. Ein paar Mi­nu­ten zu­vor hat er sich – nicht ganz ernst ge­meint – be­schwert, dass es kei­ne Sitz­ge­le­gen­hei­ten gibt. Er ist ja nicht mehr der Jüngs­te. Ge­nau ge­nom­men mit 52 Jah­ren der Äl­tes­te der deut­schen Mann­schaft.

Im olym­pi­schen Dorf ha­ben er und Mar­cus Eh­ning das grö­ße­re Zim­mer der deut­schen Spring­rei­ter be­kom­men. „Das hat aber nichts mit dem Al­ter zu tun. Wir wa­ren ein­fach zu­erst die Trep­pe oben“, er­zählt der Spring­rei­ter aus Rie­sen­beck, für den in Rio de Janei­ro ei­ne glanz­vol­le olym­pi­sche Kar­rie­re en­den könn­te.

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag sind die Spring­rei­ter an­ge­kom­men und ha­ben bei ei­nem Be­such im Deut­schen Haus gleich ein­mal mit­be­kom­men, wel­chen Ein­druck die Rei­ter der an­de­ren Dis­zi­pli­nen (Viel­sei­tig­keit und Dres­sur) mit ih­ren Er­fol­gen auf die gan­ze Mann­schaft ge­macht ha­ben. „Da spre­chen sie al­le mit Hoch­ach­tung von uns.“Den Viel­sei­tig­keits-Gold­me­dail­len­ge­win­ner Micha­el Jung hält Beer­baum so­gar für ein Phä­no­men. „Der rei­tet in ei­ner ei­ge­nen Di­men­si­on. Das hät­te noch vier Wo­chen so wei­ter­ge­hen kön­nen und er hät­te auf drei wei­te­ren Pfer­den rei­ten kön­nen, der hät­te ge­won­nen. So krass ha­be ich das noch nicht er­lebt.“

Auch Beer­baum ist hoch de­ko­riert bei Olym­pia. Vier­mal ge­wann er Gold. Die Fra­ge nach dem emo­tio­na­len Hö­he­punkt seit 1988 in Seoul be­ant­wor­tet er erst mit kur­zer Ver­zö­ge­rung. Der ge­bür­ti­ge Det­mol­der er­lebt in Bra­si­li­en be­reits sei­ne sieb­ten Spie­le, da stau­en sich ei­ni­ge Er­in­ne­run­gen an. „Am schöns­ten war wohl 1992 in Bar­ce­lo­na.“Da­mals muss­te er zu­nächst von sei­ner in Pa­nik ge­ra­te­nen Stu­te Clas­sic Touch sprin­gen, weil der Zü­gel ge­ris­sen war, ei­nen Tag spä­ter ge­wann er Ein­zel­gold.

In die­ser Zeit stell­te ihm der Buch­lo­er Fleisch­un­ter­neh­mer Alex­an­der Mok­sel erst­klas­si­ge Tur­nier­pfer­de zur Ver­fü­gung. Der Kon­takt zur Fa­mi­lie Schnei­der, die in die Ge­schäfts­füh­rung ein­ge­bun­den war, ist nie ab­ge­ris­sen. „Ralf Schnei­der hat bei mir in Rie­sen­beck zwei Pfer­de un­ter­ge­stellt.“Seit 1995 be­treibt Beer­baum in West­fa­len sei­nen ei­ge­nen Stall, dank sei­ner Geld­ge­ber kann er wei­ter­hin ta­len­tier­te Pfer­de an die Welt­klas­se her­an­füh­ren. Vor ei­nem hal­ben Jahr er­warb Ma­de­lei­ne Win­ter-Schul­ze den Fuchs­wal­lach Ca­sel­lo für Beer­baum, mit dem er sich für Bra­si­li­en qua­li­fi­zier­te.

Beer­baum hat Olym­pia nicht nur in gu­ter Er­in­ne­rung. 2000 in Syd­ney lie­fer­te er mit Gold­fe­ver das Streich­er­geb­nis, 2004 er­leb­te der Fah­nen­trä­ger der deut­schen Mann­schaft in At­hen ei­nen Tief­punkt. Da ei­ne Sal­be, mit der sein Pferd be­han­delt wor­den war, ei­nen da­mals nicht er­laub­ten Wirk­stoff ent­hielt, wur­de Beer­baum die Mann­schafts-Gold­me­dail­le ab­er­kannt. Auch der Ab­ste­cher nach Hong­kong zu den Rei­ter­spie­len der Spie­le 2008 in Pe­king war nicht von Er­folg ge­krönt.

Rio de Janei­ro soll der krö­nen­de Ab­schluss wer­den. Am Sonn­tag be­ginnt für die deut­sche Equi­pe der Mann­schafts­wett­be­werb über drei Run­den. Für Beer­baum ist die USEqui­pe hei­ßer Kan­di­dat auf Gold. Zu sei­nen per­sön­li­chen Am­bi­tio­nen hält er sich be­deckt: „Es gibt hier si­cher mehr als ein hal­bes Dut­zend Rei­ter, die mehr Fa­vo­rit sind als ich.“Es kön­ne aber auch sein, dass Leu­te auf dem Po­di­um ste­hen, mit de­nen kei­ner ge­rech­net hat. „Wenn ich dann da­bei bin, wä­re es nicht schlimm.“Son­dern ein ge­lun­ge­ner Ab­schied von der Olym­pia-Büh­ne? Beer­baum lacht. Ei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort gibt er nicht.

Fo­to:Wit­ters

Lud­ger Beer­baum und Ca­sel­lo wol­len in Rio hoch hin­aus.

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