Der Kreis als Wohl­fühl­re­gi­on für Stör­che

Bei der Wahl des Nist­plat­zes ent­wi­ckeln Stör­che oft gro­ßen Ein­falls­reich­tum

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON JO­HAN­NA SEITZ

Land­kreis „Ge­wünscht, be­liebt, ge­liebt“: So be­schreibt Ott­mar Frim­mel die Ein­stel­lung der Ein­woh­ner des Land­krei­ses Günz­burg ge­gen­über den Stör­chen. Un­ter dem Na­men „Mo­na Min­del“ist der Storch ne­ben dem Frosch und dem Bi­ber so­gar ei­nes der drei Land­kreis­mas­kott­chen. 22 Paa­re ha­ben die­ses Jahr im Land­kreis Günz­burg über 40 Jun­ge er­folg­reich auf­ge­zo­gen. Bei der Wahl des Nist­plat­zes kön­nen Stör­che be­mer­kens­wer­te Ei­gen­hei­ten ent­wi­ckeln. In Scheppach bei­spiels­wei­se nis­ten sie auf Wer­be­py­lo­nen ei­nes Bau­mark­tes und ei­ner Tank­stel­le.

Die po­si­ti­ve Bi­lanz lässt sich laut dem Na­tur­schutz­be­auf­trag­ten Ott­mar Frim­mel vor al­lem durch das war­me Wet­ter er­klä­ren. „We­gen der mil­den Win­ter zie­hen die Stör­che nicht mehr so weit nach Afri­ka. Ei­ni­ge blei­ben in Spa­ni­en, man­che über­win­tern mitt­ler­wei­le so­gar in Deutsch­land.“Da­durch über­leb­ten mehr Tie­re, denn je län­ger die zu­rück­ge­leg­te Stre­cke sei, des­to ge­fähr­li­cher wür­de der Zug.

Die kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen sei­en auch für die Ver­füg­bar­keit von Nah­rung ein wich­ti­ger Fak­tor. „Stör­che er­näh­ren sich von Klein- wie Heu­schre­cken, Re­gen­wür­mern und Mäu­sen. We­gen des gu­ten Wet­ters ver­meh­ren sich auch die­se Tie­re stark, so­dass die Vö­gel viel Fut­ter fin­den“, er­klärt Frim­mel.

Der Le­bens­raum spielt eben­falls ei­ne gro­ße Rol­le. Wo er ver­schwin­det, wie bei­spiels­wei­se durch groß­flä­chi­gen Mais­an­bau, müs­sen Aus­weich­bio­to­pe ge­schaf­fen wer­den. „Der Storch braucht ex­ten­siv ge­nutz­te, blü­ten­rei­che Wie­sen“, be­tont Frim­mel. In Scheppach gibt es der­zeit zwei Stor­chen­paa­re, de­ren Nes­ter sich je­weils in der Wer­be­py­lo­ne ei­nes Bau­markts und ei­ner Tank­stel­le be­fin­den. „Im Mo­ment ist die Si­tua­ti­on durch die Bau­stel­le bei der Au­to­bahn und das Ge­wer­be- ge­biet noch gut. Al­ler­dings ist zu be­fürch­ten, dass die Stör­che in Zu­kunft nicht mehr zu­rück­keh­ren, wenn die Ar­bei­ten be­en­det sind und das Ge­biet voll­stän­dig be­baut ist. Denn da­durch wer­den sie we­ni­ger Nah­rung fin­den“, meint der Na­tur­schutz­be­auf­trag­te.

Ein Bei­spiel für ei­ne ge­lun­ge­ne Neu­an­sied­lung fin­det sich in Behlin­gen. Dort hat­te das Stor­chen­paar sein Nest zu­nächst auf ei­nem Strom­mast er­rich­tet. „Al­ler­dings kam es da­durch zu meh­re­ren Kurz­schlüs­sen, der Horst stand so­gar in Flam­men“, be­rich­tet Frim­mel. Des­halb be­müh­te man sich um ei­ne schnel­le Um­sied­lung, die prompt glück­te. An die­sem Stand­ort „passt al­les“, so wur­den die­ses Jahr be­reits drei Jun­tie­ren ge groß­ge­zo­gen. Bay­ern­weit wird für die Tie­re viel ge­tan. Auch we­gen des Stor­chen­pro­gramms im Land­kreis Günz­burg prä­gen die ma­jes­tä­ti­schen Vö­gel mitt­ler­wei­le wie­der un­ser Land­schafts-und Hei­mat­bild. Die Ak­zep­tanz in der Be­völ­ke­rung sei sehr groß, eben­so wie die Be­reit­schaft ver­un­glück­ten Stör­chen zu hel­fen. „Am Mitt­woch, 17. Au­gust, kön­nen wir im Raum Un­ter­rohr ei­nen Storch aus­wil­dern“, freut sich der Na­tur­schutz­be­auf­trag­te. Das Tier sei dort ge­fun­den und bei ei­ner Greif­vo­gel­sta­ti­on ab­ge­ge­ben wor­den, wo man es „auf­päp­pel­te“.

Zu vie­le Stör­che kann es laut Frim­mel gar nicht ge­ben. „Der Le­bens­raum li­mi­tiert den Be­stand, des­halb wird er nie ins Uner­mess­li­che wach­sen.“Trotz­dem sei je­des er­folg­reich an­ge­sie­del­te Stor­chen­paar ein gro­ßer Er­folg.

Im Mo­ment sei die Zahl der Stör­che im Land­kreis „gut und sta­bil“. „Das kann nächs­tes Jahr aber schon ganz an­ders aus­se­hen. Es kommt dar­auf an, was weg­zieht und was über­lebt“, er­klärt Frim­mel. „Au­ßer­dem ist es be­son­ders wich­tig, dass die Kom­mu­nen wei­ter­hin am Ball blei­ben, En­ga­ge­ment zei­gen und in die Vö­gel in­ves­tie­ren.“Dann sieht der Na­tur­schutz­be­auf­trag­te ei­ne gu­te Zu­kunft für die Stör­che.

Fo­to: Ott­mar Frim­mel

In Balz­hau­sen be­fin­det sich ein Stor­chen­nest auf der Kir­che.

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