Fei­ern – mit Si­cher­heit

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON RO­NALD HINZPETER re­dak­ti­on@mit­tel­schwa­ebi­sche-nach­ri­chen.de Volks­fest Günz­burg

Das The­ma Si­cher­heit treibt den Günz­bur­ger Ober­bür­ger­meis­ter in die­sen Ta­gen ganz be­son­ders um: Ges­tern hat das Volks­fest be­gon­nen und es wird dies­mal ein we­nig an­ders sein, als die 65 Jah­re zu­vor. Nach den schreck­li­chen Ge­walt­ta­ten der jüngs­ten Zeit in Bay­ern fin­det die Mi­ni-Wiesn dies­mal un­ter ver­schärf­ter Auf­sicht statt. Es wer­den mehr Si­cher­heits­leu­te ein Au­ge auf die Be­su­cher ha­ben, es wer­den mehr Po­li­zis­ten ih­re Run­den dre­hen. Wer auf das Ge­län­de will, muss sich in die Ta­schen schau­en las­sen. Zu­dem um­gibt ein Zaun das Fe­stare­al. Wird sich das auf die Fei­er­freu­de aus­wir­ken?

Zu­min­dest scheint OB Ger­hard Jau­er­nig das nicht ganz aus­schlie­ßen, hat­te er doch am Don­ners­tag­abend bei der tra­di­tio­nel­len Ab­schluss­be­spre­chung mit den Schau­stel­lern ei­nen gro­ßen Zei­tungs­be­richt über das Heil­bron­ner Volks­fest in der Ta­sche, das ein paar Tage zu­vor zu En­de ge­gan­gen war. Dar­in war von ei­nem di­cken Mi­nus zu le­sen: rund 20 Pro­zent we­ni­ger Be­su­cher, was mög­li­cher­wei­se mit den ver­schärf­ten Si­cher­heits­maß­nah­men und ei­ner Bom­ben­dro­hung zu tun ha­be. Doch das bleibt pu­re Spe­ku­la­ti­on, denn nie­mand weiß ge­nau, war­um we­ni­ger Menschen ka­men als 2015, das we­gen der enor­men Hit­ze oh­ne­hin schon nicht als Spit­zen­jahr galt. In Heil­bronn wer­den auch haus­ge­mach­te Pro­ble­me dis­ku­tiert, et­wa ei­ne zu gro­ße Fest­dich­te.

Fei­ern in Zei­ten des Ter­rors – geht das über­haupt noch? Frü­her konn­te man sich ab­seits der gro­ßen Städ­te ei­ni­ger­ma­ßen si­cher füh­len, denn bis­her hat­ten Ter­ro­ris­ten vor al­lem sym­bol­träch­ti­ge Or­te an­ge­grif­fen, zu de­nen Günz­burg und Um­ge­bung eher nicht ge­hö­ren. Doch nach dem Axt­an­griff von Würz­burg und der Bom­be von Ans­bach lie­gen die Din­ge an­ders. Die Ge­fahr ist auch in der ver­meint­lich si­che­ren Pro­vinz an­ge­kom­men.

Des­halb ist es kon­se­quent und rich­tig, die Kon­trol­len für das be­lieb­te Volks­fest in der Gro­ßen Kreis­stadt mas­siv zu ver­schär­fen. Sie die­nen im­mer­hin zwei­er­lei Zwe­cken: ei­ner­seits der Ab­wehr mög­li­cher At­ten­tä­ter, an­de­rer­seits stär­ken sie das Si­cher­heits­ge­fühl der Menschen, die dort un­be­schwert ih­ren Spaß ha­ben wol­len.

So dürf­te wohl kaum je­mand mur­ren, wenn er oder sie die Ta­sche öff­nen müs­sen.

Es wur­de zwar oft ge­sagt, oft be­schwo­ren, doch man muss es trotz­dem im­mer wie­der ganz klar be­to­nen: Wir dür­fen uns un­se­ren Le­bens­stil und da­mit auch un­se­re Fei­er­freu­de nicht von ver­bohr­ten Fa­na­ti­kern ka­putt ma­chen las­sen, die sich für ihr blind­wü­ti­ges Mor­den ei­nen Lohn im Him­mel ver­spre­chen. Die Angst soll­te nicht mit­fei­ern. Al­ler­höchs­tens die Sor­ge um den Füh­rer­schein. In die­sem Sin­ne wün­schen wir al­len Volks­fest­freun­den un­be­schwer­te Tage.

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