Feu­er und Flam­me

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wissen - VON PFAR­RER FRITZ GRASSMANN, THEOLOGISCHER VOR­STAND, DIA­KO­NIE AUGS­BURG

Was wä­re Olym­pia oh­ne sie – nicht die Sport­ler, son­dern die Eh­ren­amt­li­chen! Kein Wett­kampf lie­fe oh­ne sie. Die olym­pi­schen Spie­le wür­den im Cha­os ver­sin­ken, wür­den sie nicht die Er­geb­nis­se mes­sen, die Be­su­cher zu den Spiel­stät­ten brin­gen, Es­sen aus­ge­ben und In­for­ma­tio­nen wei­ter­ge­ben. 70 000 frei­wil­li­ge Hel­fer sind in Rio. Sie be­kom­men da­für Ver­pfle­gung und ei­ne Uni­form. Al­les an­de­re – An­rei­se, Un­ter­kunft, Rück­rei­se müs­sen sie sel­ber zah­len. So et­was macht nur, wer Feu­er und Flam­me für sei­ne Sa­che ist. Die­se Eh­ren­amt­li­chen bren­nen für den Sport und für die Völ­ker­ver­stän­di­gung und sie sind das bes­te Zei­chen, dass Olym­pia sei­ne Kraft eben nicht zu­erst aus Kom­merz und Na­tio­na­lis­mus be­zieht, son­dern vor al­lem aus der Be­geis­te­rung der Sport­ler und ih­rer Fans für den Sport.

An­de­re Eh­ren­amt­li­che bren­nen für ein mensch­li­ches Mit­ein­an­der. Sie en­ga­gie­ren sich für vie­le an­de­re Auf­ga­ben. Da ist die Frau, die nach dem Tod ih­res Va­ters dem Se­nio­ren­heim treu bleibt und im­mer noch ein­mal in der Wo­che kommt: zum Vor­le­sen, zum Zu­hö­ren. Der Mann im Ru­he­stand, der Flücht­lings­kin­dern bei den Haus­auf­ga­ben hilft. Die Ju­gend­li­che, die fast je­des Wo­che­n­en­de am See ver­bringt, um im Not­fall Ba­den­de vor dem Er­trin­ken zu ret­ten. Der jun­ge Mann, der in sei­ner Frei­zeit bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr übt, um da zu sein, wenn es im Ort brennt oder ein Au­to­fah­rer auf der Stra­ße ver­un­glückt.

Eh­ren­amt dient dem Le­ben. Eh­ren­amt macht die Welt ein biss­chen hel­ler. Eh­ren­amt­li­che set­zen aber auch ein Zei­chen ge­gen den Geist der Käl­te, der an vie­len Stel­len in un­se­re Welt ein­dringt. Aus Gleich­gül­tig­keit. Oft auch als schein­bar lo­gi­sche Ant­wort auf die Ver­ach­tung al­ler Men­sch­lich­keit, von der wir fast täg­lich auf al­len Ka­nä­len hö­ren. Aber Käl­te be­siegt die Käl­te nicht. Ein Herz, das aus Lie­be für an­de­re Menschen brennt, kann furcht­bar ent­täuscht wer­den. Aber – das ist die Über­zeu­gung al­ler Chris­ten – es brennt nie ver­ge­bens.

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