150 Ki­lo Kraft

Al­mir Ve­la­gic tritt heu­te im Kampf der Ko­los­se an. Gold und Sil­ber schei­nen schon ver­ge­ben – Bron­ze nicht

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEI­NIN­GER

Rio de Janei­ro Al­mir Ve­la­gic wird am Mon­tag 35. „Ich kann auf dem Heim­flug von Rio nach Frank­furt Ge­burts­tag fei­ern“, er­zählt der Ge­wicht­he­ber. Zu­vor hat der Hei­del­ber­ger mit Kauf­beu­rer Ver­gan­gen­heit aber noch sei­nen Olym­pia-Auf­tritt. Am heu­ti­gen Di­ens­tag (0 Uhr MESZ) tritt er an zum Kampf der Ko­los­se über 105 Ki­lo­gramm.

Über das Do­ping­pro­blem „Das ist nichts Neu­es für uns Ge­wicht­he­ber. Nur sind jetzt end­lich Fak­ten auf dem Tisch, in wel­chen Län­dern ge­dopt wur­de, und des­halb hört man uns jetzt end­lich ein­mal zu. Wir als Ge­wicht­he­ber wis­sen, wel­che Stei­ge­run­gen auf die­sem Welt­klas­se­ni­veau mög­lich sind und wel­che nicht. Ein Laie kann nicht ein­schät­zen, ob ein 19-Jäh­ri­ger Welt­re­kord im Su­per­schwer­ge­wicht he­ben kann oder nicht. Ich weiß, dass es nicht mög­lich ist.“

Über die ver­ru­fe­nen Na­tio­nen „Man be­kommt so das Ge­fühl, al­le ha­ben sich auf Russ­land kon­zen­triert, und drum her­um al­les ver­ges­sen. Ein Ka­sa­che, der 2013 schon mal ge­sperrt war, macht hier in Rio 40 Ki­lo­gramm mehr im Zwei­kampf als bei dem Wett­kampf, bei dem er po­si­tiv ge­tes­tet wor­den war. Er hat die zwei Jah­re al­so sehr gut ge­nutzt. Oder es kom­men ir­gend­wel­che 19-jäh­ri­ge Rotz­löf­fel und stei­gen mit ei­nen Fast-Welt­re­kord schon in den Wett­kampf ein. Das nervt.“

Über die all­ge­mei­ne Si­tua­ti­on „Es ist trau­rig zu se­hen wie un­se­re Sport­art un­ter­geht und wahr­schein­lich die nächs­ten Olym­pi­schen Spie­le nicht er­le­ben wird, weil wir uns selbst lä­cher­lich ma­chen. Frü­her, als wir ein, zwei Do­ping­fäl­le hat­ten, wur­de Olym­pia schnell in­fra­ge ge­stellt. Jetzt ha­ben wir vie­le Fäl­le und es wird nicht dar­über ge­re­det. Das hal­te ich für ge­fähr­lich.“

Über das ei­ge­ne Be­fin­den Es geht auf­wärts, seit Ve­la­gic oh­ne Be­schwer­den trai­nie­ren kann. „Ich kämp­fe ger­ne mit Ge­wich­ten, aber es ist nicht schön, ge­gen den ei­ge­nen Kör­per an­zu­kämp­fen.“Die Zeit der Seh­nen­ris­se und Mus­kel­ver­let­zun­gen ist vor­bei, das Trai­ning macht wie­der Spaß. „Ge­ra­de in den hö­he­ren Ge­wichts­klas­sen dau­ert es sei­ne Zeit, bis man die nö­ti­ge Mus­kel­mas­se auf­ge­baut hat – wenn man sau­ber ist. In mei­ner Klas­se ist ein Rus­se ge­sperrt, da­für ha­ben an­de­re sehr ho­he Leis­tun­gen an­ge­mel­det. Ent­we­der sie he­ben zum Ein­stieg über­haupt nichts oder sie ha­ben ei­ne merk­wür­di­ge Ent­wick­lung hin­ter sich.“Über sei­ne Chan­cen in Rio „Der Ge­or­gi­er La­sha Ta­lak­had­ze und der Ira­ner Beh­dad Sali­mi­kor­da­sia­bi wer­den den Sieg un­ter sich aus­ma­chen, um Bron­ze kämp­fen sechs, sie­ben Ath­le­ten, die auf ähn­li­chem Ni­veau he­ben.“Die Ta­ges­form wird ent­schei­den. „Es kann Rang zehn wer­den, wenn es gut läuft, kann ich vi­el­leicht in den Kampf um Bron­ze ein­grei­fen.“Bei den Olym­pi­schen Spie­len in Pe­king (2008) und London (2012) be­leg­te Ve­la­gic je­weils Rang acht. Über sei­ne Ent­wick­lung „Ich ha­be ei­ne Zwei­kampf­best­leis­tung von 433 Ki­lo­gramm, die ich bei mei­nem sechs­ten Platz bei der WM 2015 auf­ge­stellt ha­ben. Da­mals ha­ben mir nur fünf Ki­lo zur Sil­ber­me­dail­le ge­fehlt.“Im Rei­ßen steht sein Re­kord bei 195, im Sto­ßen bei 241 Ki­lo. In Rio hat Ve­la­gic ei­ne Leis­tung von 437 Ki­lo an­ge­mel­det. Das be­deu­tet, er muss am An­fang min­des­tens 417 Ki­lo auf­le­gen las­sen.

Über sei­nen Kör­per Ve­la­gic hat zu­ge­legt – fast zehn Ki­lo ge­gen­über den Spie­len von London. Er wiegt jetzt 150 Ki­lo bei ei­ner Grö­ße von 1,83 m. „Mehr Mus­kel­mas­se be­deu­tet mehr Kraft. Das be­deu­tet aber nicht au­to­ma­tisch, dass ich mehr he­be. Nur wenn ich mit mehr Ge­wicht nicht viel lang­sa­mer und be­weg­li­cher wer­de, kann ich es zu ei­ner neu­en Best­leis­tung brin­gen.“Ve­la­gic nimmt pro Tag bis 10000 Ka­lo­ri­en zu sich. Der Ei­weißshake steht nachts so­gar ne­ben sei­nem Bett.

Über sein Um­feld „Ich kam 1992 mit mei­ner Fa­mi­lie aus Bos­ni­en­Her­ze­go­wi­na nach Kauf­beu­ren. Mei­ne El­tern und mei­ne drei Brü­der le­ben noch im All­gäu. Ei­ner ist in Rio als Zu­schau­er da­bei. Ich le­be mit mei­ner Frau und mei­nen Zwil­lin­gen Alan und Em­ma (zwei Jah­re alt) in Hei­del­berg und trai­nie­re am Bun­des­leis­tungs­zen­trum in Lei­men.“

Über sei­ne Zu­kunft Der Sport­sol­dat (Di­enst­grad Haupt­feld­we­bel) hat­te die Hoff­nung, dass der Welt­ver­band und das IOC das Do­ping­pro­blem ir­gend­wann in den Griff be­kom­men. Dar­auf war­tet er im­mer noch …

Al­mir Ve­la­gic

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