Schar­fer Streit um Is­la­mist Er­han A.

In­nen­mi­nis­ter Herr­mann (CSU) ver­tei­digt Ab­schie­bung des Man­nes aus Kemp­ten, der of­fen­bar in Sy­ri­en den Tod fand. Grü­ne spre­chen von „Ter­ror­ex­port“

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern -

be­kannt ge­wor­den. Er hat­te da­mals im Al­ter von 22 Jah­ren dem Ma­ga­zin der Süd­deut­schen Zei­tung ein In­ter­view ge­ge­ben, dar­in sei­ne Ra­di­ka­li­sie­rung be­schrie­ben, sich zur Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat be­kannt und un­ter an­de­rem ge­sagt: „Ich wür­de so­gar mei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie tö­ten, wenn sie sich ge­gen den Is­la­mi­schen Staat stellt.“

We­ni­ge Ta­ge nach dem In­ter­view ließ Herr­mann den jun­gen Mann, der schon zu­vor un­ter Be­ob­ach­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes ge­stan­den hat­te, fest­neh­men. Er­han A. kam in Ab­schie­be­haft und wur­de kur­ze Zeit spä­ter in sein Hei­mat­land aus­ge­flo­gen – in Ab­spra­che mit den tür­ki­schen Be­hör­den. Herr­manns Be­grün­dung da­mals: „Je­mand, der in al­ler Öf­fent­lich­keit die Gräu­el­ta­ten der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat gut­heißt, das Köp­fen von Jour­na­lis­ten recht­fer­tigt und nicht da­vor zu­rück­schreckt, sei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie zu tö­ten, wenn sie sich nicht an die is­la­mi­schen Ge­set­ze hält, hat bei uns nichts zu su­chen.“

Auch nach den Be­rich­ten über den an­geb­li­chen Tod des Kemp­te­ner Is­la­mis­ten ver­tritt der In­nen­mi­nis­ter die­se Auf­fas­sung. Nor­ma­ler­wei­se wür­den Ge­fähr­der aus Deutsch­land an der Aus­rei­se ge­hin­dert. Er­han A. aber sei ein Aus­nah­me­fall ge­we­sen, weil er ganz kon­kret mit Straf­ta­ten in Deutsch­land ge­droht ha­be. Dass Er­han A. es aus der Tür­kei nach Sy­ri­en ge­schafft ha­be, lie­ge au­ßer­halb des Ver­ant­wor­tungs­be­reichs baye­ri­scher Be­hör­den. Ei­gent­lich, so der ur­sprüng­li­che Plan, hät­ten die tür­ki­schen Be­hör­den ihn un­ter Be­ob­ach­tung hal­ten sol­len.

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Hart­mann sieht sich da­ge­gen in sei­ner Kri­tik be­stä­tigt. Er wies ges­tern dar­auf hin, dass so­wohl der Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen als auch das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um ver­hin­dern wol­len, dass mi­li­tan­te Is­la­mis­ten in die Kriegs­ge­bie­te nach Sy­ri­en aus­rei­sen kön­nen. Die Grü­nen hät­ten schon da­mals be­fürch­tet, dass die Tür­kei für Er­han A. nur Tran­sit­land auf dem Weg zur Front sei. Er ha­be sich, wie er­war­tet, in Sy­ri­en mi­li­tan­ten is­la­mis­ti­schen Grup­pen an­ge­schlos­sen. Soll­ten sich die Be­bun­des­weit rich­te über sei­nen Tod be­stä­ti­gen, zei­ge dies deut­lich die ver­fehl­te CSU-Po­li­tik. Die Ab­schie­bung ha­be nicht zur Si­cher­heit bei­ge­tra­gen, son­dern ganz im Ge­gen­teil ei­nen wei­te­ren Kämp­fer in die Re­gi­on ge­bracht. Hart­mann for­dert: „Ge­gen is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus muss kon­se­quent vor­ge­gan­gen, is­la­mis­ti­sche Struk­tu­ren müs­sen lü­cken­los über­wacht und Ge­fähr­der an der Aus­rei­se ge­hin­dert wer­den.“Au­ßer­dem müs­se mehr für Prä­ven­ti­on und Dera­di­ka­li­sie­rung ge­tan wer­den.

In die­sem letz­ten Punkt stimmt auch Herr­mann dem Frak­ti­ons­chef der Grü­nen zu. Sein Mi­nis­te­ri­um, so sag­te er ges­tern, sei gera­de da­bei, ein Kon­zept ge­gen die An­wer­bung von Flücht­lin­gen durch Is­la­mis­ten zu ent­wi­ckeln.

Im Zei­t­raum von Sep­tem­ber 2015 bis Ju­li 2016 hat der Ver­fas­sungs­schutz in Bay­ern rund 100 Hin­wei­se auf mut­maß­li­che Kon­takt­auf­nah­men von Is­la­mis­ten zu Flücht­lin­gen be­kom­men. „Das ist ein The­ma, das uns gro­ße Sor­gen be­rei­tet“, sag­te In­nen­mi­nis­ter Herr­mann. Hier müss­ten al­le zu­sam­men hel­fen – das Per­so­nal in den Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen, die vie­len eh­ren­amt­li­chen Hel­fer und die gro­ße Mehr­heit der Flücht­lin­ge, die vor dem Ter­ror ge­flo­hen sind. »Kom­men­tar

„Ich ste­he zu 100 Pro­zent zu der Ent­schei­dung. Wir hat­ten es mit ei­ner Be­dro­hung im ei­ge­nen Land zu tun.“

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