Kud­la kämpft für das Ringen

Nach dem Bron­ze-Tri­umph ver­tei­digt der Deut­sche sei­ne Sport­art. Beim TSV Aichach leg­te ein Trai­ner die Ba­sis

Mittelschwaebische Nachrichten - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Als 2013 die olym­pi­sche Tra­di­ti­ons­sport­art Ringen auf der IOC-Streich­lis­te stand, ging der Stern von De­nis Kud­la gera­de auf. Er wur­de Ju­nio­ren-Eu­ro­pa­meis­ter und den­noch brach plötz­lich für ihn ei­ne Welt zu­sam­men. „Für mich per­sön­lich war es ei­ne Frech­heit, weil ich mir ge­dacht hat­te, Ringen ist ei­gent­lich die ers­te olym­pi­sche Sport­art. Wenn frü­her zwei Sport­ler gleich weit ge­sprun­gen sind oder gleich schnell ge­lau­fen sind, wur­de es ent­schie­den durch den Ring­kampf. Und ich fin­de, Ringen ge­hört zu Olym­pia da­zu“, sag­te der erst 21-jäh­ri­ge Grie­chisch-Rö­misch-Spe­zia­list nach sei­nem Bron­ze-Coup in Rio.

Mit ei­ner wah­ren Ener­gie­leis­tung hat­te der Olym­pia-De­bü­tant am Mon­tag ei­nen Welt­klas­se­rin­ger nach dem an­de­ren von der Mat­te ge­fegt. „Es war ei­ne ir­re Wett­kampf­leis­tung“, lob­te Sport­di­rek­tor Jan­nis Za­man­du­ri­dis.

Bun­des­trai­ner Micha­el Carl mach­te die ers­te Me­dail­le für den Deut­schen Rin­ger-Bund seit dem Sil­ber von Mir­ko Eng­lich in Pe­king 2008 am „un­bän­di­gen Kampf­wil­len“fest.

So sank Kud­la nach der Er­fül­lung sei­nes Traums von der Me­dail­le un­gläu­big auf die Mat­te, ehe er sich die deut­sche Fah­ne schnapp­te und wie ein Irr­wisch durch die Hal­le tob­te. „Ein Ham­mer­ge­fühl. Es ist un­be­schreib­lich“, ju­bel­te der jun­ge Mann aus Schif­fer­stadt. „Seit ich sechs Jah­re alt bin, tue ich al­les für die­sen Sport. Die Fa­mi­lie muss­te lei­den, die Freun­din, bei täg­lich zwei­mal Trai­ning. Jetzt hat sich al­les ge­lohnt.“

Auch in Aichach freu­ten sich ei­ni­ge Kämp­fer mit ih­rem ehe­ma­li­gen Team­kol­le­gen. Oguz Öz­de­mir, Trai­ner der Rin­ger beim TSV Aichach, hat Kud­la sechs Jah­re lang als Trai­ner be­treut. Vom sechs­ten bis zum zwölf­ten Le­bens­jahr lern­te der ge­bür­ti­ge Po­le beim TSV das Ringen. Mit zwölf Jah­ren ver­ließ Kud­la sei­ne Fa­mi­lie und sei­ne Hei­mat und zog nach Rhein­land-Pfalz in ein In­ter­nat des VfK Schif­fer­stadt.

Ku­ri­os: In Rio gibt es noch ei­nen Sport­ler na­mens De­nis Kud­la – ein ge­bür­ti­ger Ukrai­ner, der für die USA im Ten­nis star­te­te, aber in der ers­ten Run­de aus­ge­schie­den ist. Dem Rin­ger, der in Po­len ge­bo­ren ist, ist es egal. „Ko­misch, dass es hier ei­nen gibt, der ge­nau­so heißt. Ich bin aber nicht der Typ, der jetzt durch das olym­pi­sche Dorf rennt, um ihn un­be­dingt ken­nen­zu­ler­nen.“

Kud­la kon­zen­triert sich lie­ber aufs Ringen, auf die Ver­bes­se­rung sei­ner Tech­nik. Nur so konn­te er im Bron­ze-Du­ell ge­gen den Welt­klas­se-Un­garn Vik­tor Lo­rincz er­folg­reich sein. „Da­bei war ich völ­lig ka­putt nach dem knüp­pel­har­ten Kampf ge­gen den Ira­ner“, schil­der­te der Mo­dell­ath­let, der im klei­nen Fi­na­le der Ka­te­go­rie bis 85 Ki­lo den WM-Drit­ten von 2013 sen­sa­tio­nell durch die letz­te Wer­tung be­zwang. Zu­vor hat­te er in der Hoff­nungs­run­de ge­gen den Ira­ner Jo­meh Ha­bi­bol­lah Akhlghi eben­falls dank der letz­ten Wer­tung ge­siegt. (dpa, AZ)

Mit zwölf Jah­ren zog er in ein In­ter­nat nach Schif­fer­stadt

Fo­to: Wit­ters

De­nis Kud­la zeig­te sich nach dem Ge­winn der Bron­ze­me­dail­le über­glück­lich.

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