An den Min­del­ter­ras­sen die See­le bau­meln las­sen

Was Thann­hau­sen in sei­nem Zen­trum vor­hat und wie das ge­för­dert wird

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON GER­TRUD ADLASSNIG

Thann­hau­sen Neu­es Le­ben in der In­nen­stadt, das kann nur ge­lin­gen, wenn vie­le Ein­zel­kom­po­nen­ten zu­sam­men­spie­len. Der be­auf­trag­te Fach­mann, Dr. Mar­kus Hil­pert vom Lehr­stuhl für Hu­man­geo­gra­fie an der Uni­ver­si­tät Augs­burg hat nach zahl­rei­chen Vor­ar­bei­ten, die teils auch öf­fent­lich dis­ku­tiert wur­den, nun ein Kon­zept ent­wi­ckelt, das vor Kur­zem im Rat­haus ein­ge­gan­gen ist. Da Ge­org Schwarz, wie er un­se­rer Zei­tung ge­gen­über be­tont, die Ar­beit selbst nur über­flo­gen ha­be und sie noch nicht an die Frak­tio­nen wei­ter­ge­lei­tet wur­de, will der Bür­ger­meis­ter noch nicht da­zu Stel­lung be­zie­hen. „Es schei­nen sich ei­ni­ge gu­te An­sät­ze in dem Kon­zept zu be­fin­den“, mehr will er nicht preis­ge­ben.

Die Be­mü­hun­gen der Stadt, die At­trak­ti­vi­tät des Stadt­kerns zu ver­bes­sern, brach­te so­gar die Uni Augs­burg und die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) auf den Plan, die für ein Pi­lot­pro­jekt ge­won­nen wer­den konn­ten. Ziel war es, um­setz­ba­re Hand­lungs­kon­zep­te zu er­ar­bei­ten, die die Wie­der­an­sied­lung von Ge­wer­be in der In­nen­stadt för­dern und da­mit die At­trak­ti­vi­tät des Or­tes er­hö­hen sol­len. Das Er­geb­nis ist ge­dacht als Hand­rei­chung für Kleinst­städ­te im All­ge­mei­nen. Trotz der Be­mü­hun­gen bleibt Bür­ger­meis­ter Ge­org Schwarz hin­sicht­lich des Er­folgs der Ak­ti­on skep­tisch. Denn, so das Stadt­ober­haupt, Kon­zep­te sei­en gut, aber die Grund­la­ge al­len Er­fol­ges sei­en die han­deln­den Men­schen. Hier sei in Thann­hau­sen noch viel Luft nach oben, was Ge­mein­schaft an­ge­he.

Ziel müs­se es in ers­ter Li­nie sein, al­le Be­tei­lig­ten, und al­len vor­an die Han­del­trei­ben­den der In­nen­stadt, zu ei­ner Ko­ope­ra­ti­on zu be­we­gen. Nicht ge­gen­ein­an­der, nicht je­der für sich, son­dern al­le für ein le­ben­di­ges Thann­hau­sen. „Und eben­so wich­tig ist das Ge­sicht je­des ein­zel­nen Un­ter­neh­mens nach au­ßen. Nur ein Kun­de, der sich gut be­dient und be­ra­ten fühlt, wird wie­der­kom­men.“Schwarz sieht auch in die­sem Ser­vice­be­reich, der ei­gent­lich die kon- Stär­ke des in­ha­ber­ge­führ­ten Ein­zel­han­dels­be­triebs ist, noch deut­li­che Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten.

Die Stadt un­ter­stützt das Ge­wer­be auch durch die Op­ti­mie­rung der In­fra­struk­tur. Der Um­bau der Chris­toph-von-Schmid-Stra­ße bis zur Min­del­brü­cke als 2. Bau­ab­schnitt der Neu­ge­stal­tung der Stadt­mit­te im Rah­men der Städ­te­bau­för­de­rung soll das Stadt­zen­trum le­ben­di­ger wer­den las­sen. Mehr Platz für die Fuß­gän­ger sei ei­ner der Aspek­te und die In­te­gra­ti­on der drei Kom­po­nen­ten Chris­toph-von-Schmi­dPlatz, Kir­che und Kirch­vor­platz so­wie die Um­ge­bung des künf­ti­gen Bür­ger­hau­ses. Der Be­reich soll ei­ne ein­heit­li­che har­mo­ni­sche Gestal­tung er­hal­ten, die nach dem Bau des Bür­ger­hau­ses nicht wie­der ver­än­dert wer­den muss.

Die Kir­che, heu­te denk­bar knapp an der Au­to­stra­ße, soll durch die Ver­en­gung der Fahr­bahn ei­nen ver­nünf­ti­gen Vor­platz er­hal­ten, der ei­nen Zu­gang oh­ne Hin­der­nis­se er­lau­be, und die Kir­che als Treff­punkt der Gläu­bi­gen und Se­hens­wür­dig­keit der Stadt bes­ser zur Gel­tung kom­men lässt.

Auch die Rad­ler sol­len be­rück­sich­tigt wer­den, er­klärt Schwarz. Zwar sind die Stra­ßen in Thann­hau­sen für ei­ge­ne Rad­we­ge zu schmal, doch für ei­nen zen­tra­len Ab­stell­platz, über­dacht oder nicht, wird ge­sorgt. Dort könn­ten die Be­su­cher des Bür­ger­hau­ses, des Fried­hofs und die Kirch­gän­ger par­ken und auch all die­je­ni­gen, die mit dem Rad zur Bus­hal­te­stel­le kom­men und von dort aus mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln wei­ter­fah­ren.

Be­son­de­rer Hö­he­punkt der Pla­nun­gen des Stadt­pla­nungs­bü­ros von Pro­fes­sor Lud­wig Schegk aber sind die „Min­del­ter­ras­sen“. Mit ih­nen, die über ei­nen Weg am Fär­ber­haus zu er­rei­chen sein wer­den, wird der Fluss vom üb­len Hoch­was­ser­brin­ger zum be­le­ben­den Ele­ment in der In­nen­stadt.

„Die Fü­ße im Was­ser“, was kann man sich Ent­span­nen­de­res in der Mit­tags­pau­se oder an ei­nem hei­ßen Som­mer­nach­mit­tag vor­stel­len? Die „Min­del­ter­ras­sen“wer­den in Form von Be­ton­trep­pen er­rich­tet, die ei­nen frei­en Zu­gang zum Fluss er­lau­ben.

Der 2. Ent­wurf der Neu­ge­stal­tung ist be­reits vom Stadt­rat ab­ge­seg­net. Nun muss die Kos­ten­schät­zung ab­ge­war­tet wer­den, be­vor der Stadt­rat end­gül­tig grü­nes Licht ge­ben kann. Dann kommt die Fein­ab­kur­renz­lo­se stim­mung mit den An­lie­gern und Be­trof­fe­nen, die Ein­ver­neh­men brin­gen muss. Ge­org Schwarz hofft auf ei­ne zü­gi­ge Um­set­zung: Op­ti­mal wä­re ein Bau­be­ginn im kom­men­den Früh­jahr und die Fer­tig­stel­lung dann im Herbst 2018. Im­mer­hin kann die Stadt auf ei­nen Zu­schuss von ins­ge­samt 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro aus den Töp­fen der Städ­te­bau­för­de­rung set­zen.

Schwie­ri­ger wer­de es al­le­mal mit der drit­ten Stra­ße in der In­nen­stadt, der Bahn­hof­stra­ße. Für sie gibt es der­zeit kei­ne Pla­nun­gen. Denn sie zu be­le­ben, ist be­reits ein­mal an den ho­hen Kos­ten für die An­lie­ger ge­schei­tert. Doch nun, so Ge­org Schwarz, wer­de die für die Ge­mein­de bin­den­de Um­la­gen­ver­tei­lung auch von hö­he­ren ju­ris­ti­schen Stel­len an­ders be­ur­teilt als noch vor Jah­ren.

Vi­el­leicht er­gibt sich aus der neu­en Si­tua­ti­on, die den An­lie­gern nur­mehr Kos­ten auf der Ba­sis der Wie­der­her­stel­lung des Sta­tus quo zu­mu­tet und ih­nen kei­ne Lu­xus­sa­nie­run­gen mehr fi­nan­zi­ell auf­bür­det, die Mög­lich­keit, auch die Bahn­hof­stra­ße mit bau­li­chen Maß­nah­men zu be­le­ben und ih­re At­trak­ti­vi­tät als Fla­nier­mei­le und Ein­kaufs­stra­ße zu er­hö­hen.

Plan­skiz­ze: Pla­nungs­bü­ro Schegk

Öst­lich der Min­del­brü­cke sol­len klei­ne Ter­ras­sen als Sitz­ge­le­gen­hei­ten ent­ste­hen und die­se Ecke städ­te­bau­lich auf­wer­ten so­wie das Stadt­zen­trum le­bens­wer­ter gestal­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.