Die Tü­cken ei­nes Tes­ta­ments

Wer Ver­wand­te als Er­ben aus­schlie­ßen will, muss ex­akt sein

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Düs­sel­dorf Erb­las­ser kön­nen Ver­wand­te von der ge­setz­li­chen Erb­fol­ge aus­schlie­ßen. In die­sem Fall spricht man von ei­nem so­ge­nann­ten Ne­ga­tiv­tes­ta­ment. Ist ein sol­ches Tes­ta­ment aber nicht ge­nau ge­nug ver­fasst wor­den, muss ver­sucht wer­den, den Wil­len des Erb­las­sers zu er­for­schen. Mög­li­che Er­ben müs­sen bei ei­ner sol­chen Er­mitt­lung da­mit rech­nen, am En­de leer aus­zu­ge­hen. Das zeigt ei­ne Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf (Az.: I-7 U 77/14), wie die Ar­beits­ge­mein­schaft Er­brecht des Deut­schen An­walt­ver­eins mit­teilt.

Im ver­han­del­ten Fall hat­te ei­ne Al­lein­ste­hen­de 1976 ein Tes­ta­ment ver­fasst. Hier­in schloss sie zwei be­stimm­te Nach­fah­ren ih­rer Ur­groß­el­tern und de­ren Nach­fol­ger aus­drück­lich und na­ment­lich be­nannt von der Erb­fol­ge aus. Dann schrieb sie: „Es ist mein letz­ter Wil­le, dass an­de­re ent­fern­te Ver­wand­te nichts vom gan­zen Ver­mö­gen er­hal­ten.“Wer ihr Er­be wer­den soll­te, be­stimm­te sie aber nicht. Nach ih­rem Tod hielt sich ei­ne Cou­si­ne zwei­ten Gra­des für die Er­bin des mil­lio­nen­schwe­ren Ver­mö­gens, da sie nicht ex­pli­zit aus­ge­schlos­sen wor­den sei und stets Kon­takt zur Ver­stor­be­nen ge­hal­ten ha­be.

Zu Un­recht, ur­teil­ten die Rich­ter. Denn es steht ei­ner Erb­las­se­rin frei, in ih­rem Tes­ta­ment al­lein be­stimm­te ge­setz­li­che Er­ben von der Erb­fol­ge aus­zu­schlie­ßen. In die­sem Fall ist durch Aus­le­gung zu er­mit­teln, wer Er­be ge­wor­den ist. Da­bei ist der wirk­li­che Wil­le der Erb­las­se­rin zu er­for­schen. Das Er­geb­nis hier: Nach An­sicht des Ge­richts ist die kla­gen­de Cou­si­ne zwei­tens Gra­des ei­ne „an­de­re ent­fern­te Ver­wand­te“im Sin­ne des Tes­ta­ments.

Den Be­griff Ver­wandt­schaft de­fi­niert das Ge­setz. Hier­un­ter fällt auch die ent­fern­te Cou­si­ne. Der Um­stand, dass die Erb­las­se­rin zu die­ser Cou­si­ne zu Leb­zei­ten per­sön­li­chen Kon­takt hat­te, än­dert dar­an nichts. Es erbt der Fis­kus, da die Erb­las­se­rin das Ver­wand­te­ner­brecht voll­um­fäng­lich aus­ge­schlos­sen hat. (dpa)

Fo­to: dpa

Ein Ne­ga­tiv­tes­ta­ment muss mög­lichst ge­nau for­mu­liert wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.