Ist Mer­kel die EU-Che­fin?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON WIN­FRIED ZÜF­LE w.z@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Der ehe­ma­li­ge US-Au­ßen­mi­nis­ter Hen­ry Kis­sin­ger soll ein­mal ge­fragt ha­ben, wel­che Te­le­fon­num­mer ei­gent­lich Eu­ro­pa ha­be. Be­kannt­lich hat die EU ei­nen Kom­mis­si­ons-, ei­nen Rats- und ei­nen Par­la­ments­prä­si­den­ten so­wie ei­ne halb­jähr­lich wech­seln­de Rats­prä­si­dent­schaft. Trotz die­ser Fül­le an Funk­tio­nä­ren wä­re es aber nicht ver­kehrt, wenn man et­was über die Zu­kunft der EU wis­sen möch­te, bei An­ge­la Mer­kel an­zu­ru­fen.

Die deut­sche Kanz­le­rin nutzt die na­tür­li­che Au­to­ri­tät, die ihr als Che­fin des be­völ­ke­rungs­reichs­ten und wirt­schafts­stärks­ten Mit­glieds­staats zu­fällt. Seit die Ent­schei­dung Groß­bri­tan­ni­ens für den EU-Aus­tritt fest­steht, ist Mer­kels Ein­satz noch wich­ti­ger ge­wor­den. Ge­schick­ter­wei­se hat sie sich ne­ben dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Hol­lan­de ei­nen wei­te­ren Part­ner ins Boot ge­holt: den ita­lie­ni­schen Re­gie­rungs­chef Ren­zi.

Ita­li­en ist nicht nur ei­nes der sechs Grün­dungs­mit­glie­der der EU, son­dern auch ein wich­ti­ger Süd­staat. Wenn die EU ei­ne Zu­kunft ha­ben soll, dann darf sie nicht in ei­nen Nord- und Süd­block aus­ein­an­der­fal­len. Es gilt viel­mehr, ge­mein­sam an der Er­neue­rung der Uni­on zu ar­bei­ten – mit Mer­kel in der Rol­le der Mo­de­ra­to­rin.

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