Frank­reich

Ex-Prä­si­dent will Nach­fol­ger sei­nes Nach­fol­gers wer­den

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON BIR­GIT HOL­ZER

Pa­ris Die Po­li­tik für im­mer ver­las­sen, das woll­te er. „Oh­ne Groll und Be­dau­ern“ge­hen, wie er da­mals sag­te. Zeit für sei­ne Fa­mi­lie ha­ben, viel Geld ver­die­nen. Doch kaum hat­te Nicolas Sar­ko­zy im Mai 2012 die po­li­ti­sche Büh­ne ver­las­sen, be­rei­te­te er schon sei­ne Rück­kehr vor. „Frank­reich ist in ei­ner de­so­la­ten La­ge: Es braucht mich“, er­klär­te der Ex-Prä­si­dent schon nach ei­ner kur­zen Ka­renz-Pha­se. Mor­gen er­scheint sein Buch „Tout pour la Fran­ce“(„Al­les für Frank­reich“). „Frank­reich for­dert, dass man ihm al­les gibt. Ich ha­be ge­spürt, dass ich die Kraft ha­be, die­sen Kampf zu ei­nem so stür­mi­schen Zeit­punkt in un­se­rer Ge­schich­te zu füh­ren“, schreibt er im Vor­wort. Ges­tern ver­kün­de­te der 61-Jäh­ri­ge über Twit­ter, dass er noch ein­mal an­tre­ten wird. „Sar­ko“ist wie­der im Ren­nen.

Schon am Don­ners­tag­abend lädt er zu sei­nem ers­ten Wahl­kampf­auf­tritt im süd­fran­zö­si­schen Châ­teau­renard. Es dürf­te ein Come­back à la Sar­ko­zy wer­den: mit Trom­mel­wir­bel und spek­ta­ku­lä­ren An­kün­di­gun­gen. Be­wusst war­te­te er das En­de der Olym­pi­schen Spie­le ab, um größt­mög­li­che Auf­merk­sam­keit zu be­kom­men. Nur ein klei­nes „Aber“gibt es noch: Nach den Re­geln der kon­ser­va­ti­ven Re­pu­bli­ka­ner muss er vom Par­tei­vor­sitz zu­rück­tre­ten, um kan­di­die­ren zu kön­nen. Die Par­tei hat­te er über­nom­men, um sich in die bes­te Aus­gangs­la­ge zu brin­gen. Denn min­des­tens genau­so schwie­rig wie die Prä­si­dent­schafts­wahl selbst ist der in­ner­par­tei­li­che Wett­streit. An­ge­sichts der Ent­täu­schung über François Hol­lan­de ste­hen die Chan­cen der Kon­ser­va­ti­ven gut. Doch zu­erst muss sich Sar­ko­zy ge­gen 13 in­ter­ne Ri­va­len durch­set­zen. Vor al­lem ge­gen den frü­he­ren Pre­mier- und Au­ßen­mi­nis­ter Alain Jup­pé. Seit Mo­na­ten führt der 71-Jäh­ri­ge die Um­fra­gen an, der mit sei­ner be­son­ne­nen Art das Ge­gen­bild zum hy­per­ak­ti­ven Sar­ko­zy ist.

Zwar hat der Ex-Prä­si­dent noch ei­nen har­ten Kern an treu­en An­hän­gern. Doch in Um­fra­gen leh­nen drei von vier Fran­zo­sen ei­ne neu­er­li­che Kan­di­da­tur ab. Bis jetzt ist es Sar­ko­zy nicht ge­lun­gen, noch­mals je­ne Wel­le der Be­geis­te­rung zu er­zeu­gen, die ihn 2007 an die Staats­spit­ze ge­bracht hat­te. Da­mals schaff­te es der Nach­fah­re von un­ga­ri­schen und grie­chi­schen Ein­wan­de­rern, der nicht die üb­li­chen Eli­te­hoch­schu­len durch­lau­fen hat­te, nach ganz oben. Doch im Amt ir­ri­tier­te er mit sei­ner selbst­herr­li­chen Art, sei­ner Fas­zi­na­ti­on für den Geld­adel und der Zur­schau­stel­lung sei­nes Pri­vat­le­bens – auf die Schei­dung von sei­ner Frau Cé­ci­lia folg­te die neue Ehe mit ExMo­del und Sän­ge­rin Car­la Br­uni, mit der er ei­ne Toch­ter hat.

Vie­le Pro­ble­me, mit de­nen sein Nach­fol­ger heu­te kämpft, sind Sar­ko­zys Er­be: et­wa die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit, der Schul­den­berg und der Nach­hol­be­darf an Re­for­men. Umstritten ist auch Sar­ko­zys ak­tu­el­ler rechts­las­ti­ger Kurs, mit dem er sich bei den Wäh­lern des Front Na­tio­nal an­bie­dert. So will er, der Ein­wan­de­r­er­sohn, in Frank­reich ge­bo­re­nen Kin­dern von Aus­län­dern nur noch mit Ein­schrän­kun­gen die fran­zö­si­sche Staats­bür­ger­schaft ge­wäh­ren. Mit sei­nen Ide­en zur Ter­ror­be­kämp­fung über­bie­tet er so­gar Rechts­po­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen – et­wa der For­de­rung, al­le Ter­ror­ver­däch­ti­gen prä­ven­tiv weg­zu­sper­ren.

Man­che glau­ben, Sar­ko­zy wol­le auch des­halb wie­der Prä­si­dent wer­den, um ei­ner dro­hen­den Ver­ur­tei­lung zu ent­ge­hen. Meh­re­re Affären und Ver­fah­ren ver­fol­gen ihn. Dass ihn nur noch sei­ne Pro­ble­me mit der Jus­tiz stop­pen kön­nen, pro­phe­zeit so­gar Hol­lan­de, der über Sar­ko­zy sagt: „Er hat mehr Vor­zü­ge als die an­de­ren. Aber auch mehr Feh­ler.“Viel­leicht auch je­nen, ein­fach nicht von der Po­li­tik las­sen zu kön­nen.

Fo­to: dpa

Nicolas Sar­ko­zy will es noch ein­mal wis­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.