Mam­mut­auf­ga­be

Mittelschwaebische Nachrichten - - Meinung & Dialog -

Zum Kom­men­tar „Gu­te Chan­cen für Flücht­lin­ge“von Sarah Rit­schel (Sei­te 1) vom 19. Au­gust: Im letz­ten Teil Ih­res Kom­men­tars wird an­ge­merkt, dass vie­le Flücht­lings­kin­der schlau ge­nug sind, um aufs Gym­na­si­um zu ge­hen. Das ent­spricht nach mei­ner Über­zeu­gung nicht der Rea­li­tät, denn vie­le Flücht­lin­ge ha­ben in ih­rem Hei­mat­land kei­ne Schu­le be­sucht oder konn­ten nur ein paar Jah­re die Schul­bank drü­cken. Es sind al­so ein nicht un­er­heb­li­cher An­teil der Flücht­lings­kin­der na­he­zu An­alpha­be­ten und die­se fan­gen bei uns ganz von vor­ne an. Au­ßer­dem müs­sen die Kin­der (und de­ren El­tern) erst mal ler­nen, je­den Tag – und das auch noch pünkt­lich – in die Schu­le zu kom­men bzw. dort Be­scheid zu ge­ben, wenn ein Schul­be­such aus wich­ti­gen Grün­den nicht mög­lich ist. Ich den­ke, dass wir da­mit schon ei­ne Mam­mut­auf­ga­be zu er­fül­len ha­ben, die­se Kin­der in ein nor­ma­les Schul­le­ben ein­zu­füh­ren, ih­nen Deutsch und Ma­the­ma­tik zu leh­ren. Be­reits dies al­les kos­tet viel Kraft und Ge­duld. Wir soll­ten nicht schon mit Gym­na­si­um und Stu­di­um lieb­äu­geln.

Es wer­den doch Fach­kräf­te ge­sucht, ist des­halb ei­ne Leh­re nicht viel sinn­vol­ler, als gleich so hoch zu grei­fen? Ich ha­be von viel zu vie­len jun­gen Deut­schen ge­hört, die nach Ab­schluss ih­rer aka­de­mi­schen Aus­bil­dung Mo­na­te, so­gar Jah­re auf ei­nen ge­eig­ne­ten Job war­ten muss­ten – egal wel­cher Fach­rich­tung und Ab­schluss­no­te. Al­so blei­ben wir doch auf dem Bo­den der Tat­sa­chen! An­ni Sei­ler, Fried­berg

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