Die Sup­pen-Kö­ni­ge aus der Höh­le der Lö­wen

Fern­se­hen Heu­te star­tet die drit­te Staf­fel der Vox-Pro­duk­ti­on. Die Fir­ma Litt­le Lunch aus Augs­burg ist durch die Show über Nacht be­kannt ge­wor­den. Nicht al­le De­als aus der Sen­dung kom­men aber auch wirk­lich zu­stan­de

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft - VON SARAH SCHIERACK

Augs­burg Die Ta­ge nach der Aus­strah­lung wa­ren chao­tisch. Freun­de, Fa­mi­lie, al­le sa­ßen sie dicht ge­drängt im Bü­ro vor ih­ren Lap­tops. Mehr als 5000 E-Mails muss­ten be­ant­wor­tet wer­den. Gleich­zei­tig sperr­te der In­ter­net-Be­zahl­dienst PayPal kurz­zei­tig das Kon­to. So vie­le Zah­lungs­ein­gän­ge in so kur­zer Zeit – das hat­te es bei Litt­le Lunch noch nicht ge­ge­ben. Die PayPalKon­trol­leu­re glaub­ten, sie ha­ben es mit ei­nem Be­trug zu tun.

Da­ni­el Gi­bisch muss la­chen, wenn er an die­se Ta­ge zu­rück­denkt. Der 32-Jäh­ri­ge sitzt in dem Bü­ro, das er sich mit sei­nem Bru­der De­nis, 35, teilt. Die Ge­schäfts­räu­me lie­gen in ei­nem ehe­ma­li­gen Kühl­haus auf dem Ge­län­de des al­ten Schlacht­hofs in Augs­burg. Es ist hell, gleich ne­ben dem Ein­gang steht ein Ki­cker und an den Wän­den hän­gen Aqua­rell­zeich­nun­gen der Sup­pen, die das Un­ter­neh­men her­stellt.

Die Brü­der sind die Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma. Die Idee, die sie vor knapp zwei Jah­ren hat­ten, ist so sim­pel wie er­folg­reich: Sie ver­kau­fen in Augs­burg pro­du­zier­te Bio­Sup­pen, die un­ge­kühlt bis zu 24 Mo­na­te halt­bar sind. An­fangs ha­ben sie ih­re Pro­duk­te nur im In­ter­net ver­trie­ben, mitt­ler­wei­le ste­hen die Pap­p­auf­stel­ler mit ih­ren Sup­pen bei Rewe und Ede­ka. Zwei Mal im Mo­nat tre­ten die Brü­der au­ßer­dem beim Te­le­shop­ping-Ka­nal HSE24 auf. Ak­tu­ell ver­kau­fen sie pro Mo­nat mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Sup­pen, ih­ren Um­satz wol­len sie von drei Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr 2015 auf heu­er 20 Mil­lio­nen Eu­ro stei­gern.

Der Durch­bruch für das Start-up kam, nach­dem Da­ni­el und De­nis Gi­bisch in der Vox-Sen­dung „Die Höh­le der Lö­wen“auf­ge­tre­ten sind. Qua­si über Nacht stei­ger­ten sie ih­ren Um­satz auf 600000 Eu­ro und da­mit um 3000 Pro­zent. Bis jetzt ist ihr Start-up noch im­mer das er­folg­reichs­te, das je an der Sen­dung teil­ge­nom­men hat.

Das Kon­zept der Show ist schnell er­klärt: Die Grün­der prä­sen­tie­ren ih­re Ge­schäfts­ide­en vor fünf Ex­per- ten. Sind die „Lö­wen“in­ter­es­siert, kön­nen sie als Ri­si­ko­ka­pi­tal­ge­ber in die Fir­ma in­ves­tie­ren. Zum Aus­gleich er­hal­ten sie An­tei­le an dem Un­ter­neh­men. Vor­bild ist die bri­ti­sche Show „Dra­gons’ Den“.

Heu­te be­ginnt die drit­te Staf­fel der Sen­dung (Vox, 20.15 Uhr). Elf Fol­gen sind ab­ge­dreht. Mit da­bei ist auch das Start-up „Ea­re­bel“von Ma­nu­el Rei­sacher und Di­di Hirsch aus Im­men­stadt. Die bei­den All­gäu­er ha­ben Müt­zen mit in­te­grier­ten Kopf­hö­rern er­fun­den und wol­len nun 125 000 Eu­ro von den „Lö­wen“ein­sam­meln. Auch De­nis und Da­ni­el Gi­bisch wer­den gleich in der ers­ten Fol­ge wie­der zu se­hen sein: Ein Fern­seh-Team hat die Brü­der be­sucht.

Für den Sen­der Vox ist die Show ein Er­folg. Bis zu zwei­ein­halb Mil­lio­nen Men­schen schal­te­ten im ver­gan­ge­nen Jahr ein. Die­ses Jahr, so die Hoff­nung, sol­len es noch mehr wer­den. Da­für in­ves­tiert Vox kräf­tig: Die Start-Kam­pa­gne ist nach An­ga­ben des On­line-Por­tals Grün­der­sze­ne so teu­er wie noch nie zu­vor. Der Vor­spann der Show wur­de mit ech­ten Lö­wen in Los An­ge­les und Wi­en ge­dreht. Der Sen­der kün­dig­te dar­über hin­aus an, dass es die­ses Jahr „mehr De­als und mehr In­vest­ments“ge­ben wird. Denn dar­an hak­te es in der Ver­gan­gen­heit noch: Vox war öf­ter kri­ti­siert wor­den, weil nicht al­le Ge­schäfts­ab­schlüs­se aus der Sen­dung wirk­lich zu­stan­de ka­men. Nach Re­cher­chen von Grün­der­sze­ne wa­ren in den ers­ten bei­den Staf­feln 26 von 35 De­als ge­schei­tert. Der Sen­der woll­te sich auf An­fra­ge nicht zu den Zah­len äu­ßern, „da es sich um Ge­schäfts­be­zie­hun­gen zwi­schen den In­ves­to­ren und den Grün­dern han­delt“. Ein Spre­cher er­läu­tert, dass Vox mit der Sen­dung nur die Platt­form zur Ver­fü­gung stel­le, auf der sich In­ves­to­ren und Grün­der be­geg­nen. Da erst im An­schluss an den Dreh die ver­trag­li­chen De­tails fest­ge­legt wür­den, kön­ne es im­mer wie­der da­zu kom­men, dass ei­ne der bei­den Sei­ten ab­springt.

De­nis und Da­ni­el Gi­bisch se­hen das ganz ähn­lich. Sie ver­or­ten das Pro­blem so­gar eher bei den Grün­dern als bei den In­ves­to­ren. „Nach der Sen­dung wird al­les durch­leuch­tet“, sagt De­nis Gi­bisch. Ma­che ei­ner der Jung­un­ter­neh­mer fal­sche An­ga­ben, zum Bei­spiel zu ei­nem Pa­tent, dann sei­en die Vor­aus­set­zun­gen für den De­al na­tür­lich plötz­lich ganz an­de­re.

Auch bei Litt­le Lunch sah der Ab­schluss am En­de an­ders aus, als er in der Sen­dung ver­ein­bart wur­de: Die Ju­ro­ren Frank The­len, Ju­dith Wil­li­ams und Vu­ral Öger hat­ten für 30 Pro­zent der An­tei­le 100 000 Eu­ro zu­ge­sagt. Rei­se­un­ter­neh­mer Öger stieg aber nach dem Dreh aus. „Das hat nicht ge­passt“, er­zählt De­nis Gi­bisch. Mitt­ler­wei­le ist Öger, der En­de ver­gan­ge­nen Jah­res für sein Rei­se­un­ter­neh­men In­sol­venz an­mel­den muss­te, nicht mehr Mit­glied der Lö­wen-Ju­ry. Auch Un­ter­neh­me­rin Lencke St­ei­ner, die seit ver­gan­ge­nem Jahr für die FDP in der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft sitzt, ist aus der Sen­dung aus­ge­schie­den. Die bei­den Ex-Lö­wen wer­den von Han­dels­ex­per­te Ralf Düm­mel und dem um­strit­te­nen Fi­nanz­un­ter­neh­mer Cars­ten Maschmey­er er­setzt.

Für Litt­le Lunch ging der De­al am En­de so­gar noch bes­ser aus, als in der Sen­dung ver­ein­bart: Die Brü­der be­ka­men von The­len und Wil­li­ams 150 000 Eu­ro Ri­si­ko­ka­pi­tal. Noch wich­ti­ger als das Geld ist ih­nen nach ei­ge­ner Aus­sa­ge aber die Ex­per­ti­se der Ju­ro­ren. „Frank The­len hat uns mit sei­nen Kon­tak­ten so­fort die Tür zu Rewe ge­öff­net“, er­zählt Da­ni­el Gi­bisch. Und Te­le­shop­ping-Un­ter­neh­me­rin Ju­dith Wil­li­ams ver­half ih­nen zu dem fes­ten Sen­de­platz beim Ver­kaufs-Sen­der HSE24. „Kon­tak­te sind ex­trem wich­tig, um schnell vor­an­zu­kom­men“, sagt Da­ni­el

Ih­re Bio-Sup­pen gibt es mitt­ler­wei­le in Shang­hai Vu­ral Öger ist nicht mehr Mit­glied der Ju­ry

Gi­bisch. Und das wol­len die Brü­der: In Ös­ter­reich und in der Schweiz gibt es ih­re Sup­pen mitt­ler­wei­le zu kau­fen, au­ßer­dem am Flug­ha­fen im chi­ne­si­schen Shang­hai. Im Sep­tem­ber steht ein Ver­kaufs­ge­spräch in Groß­bri­tan­ni­en an, ein Fern­seh­spot ist eben­falls in Pla­nung. Mitt­ler­wei­le ha­ben sie 16 Mit­ar­bei­ter. So kalt wie am An­fang dürf­te sie der Er­folg al­so nicht mehr er­wi­schen. »Por­trät

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

De­nis (links) und Da­ni­el Gi­bisch sind die Grün­der von Litt­le Lunch. Auch Hund Tu­co hat ei­nen fes­ten Platz im Bü­ro. Der Durch­bruch für das Un­ter­neh­men kam durch die Sen­dung „Die Höh­le der Lö­wen“, de­ren drit­te Staf­fel heu­te be­ginnt.

Fo­to: Chris­ti­an Cha­ri­si­us, dpa

Cars­ten Maschmey­er und In­ves­to­rin Ju­dith Wil­li­ams sit­zen in der Ju­ry der neu­en Staf­fel der Vox-Show „Die Höh­le der Lö­wen“.

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