Schu­len be­rei­ten sich auf Po­ké­mon-Hys­te­rie vor

Un­ter­richt In den Fe­ri­en ja­gen tau­sen­de Schü­ler die vir­tu­el­len Mons­ter. Aber was, wenn sie da­nach ein­fach wei­ter­spie­len?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern - VON SARAH RIT­SCHEL

Augs­burg Die Mittagspause an der Be­rufs­schu­le ist vor­bei, doch zwei Schü­ler sit­zen nicht im Klas­sen­zim­mer. Als die Leh­re­rin nach ih­nen fragt, ant­wor­ten ih­re Mit­schü­ler: „Ach, die sind Po­ké­mon su­chen.“Sze­nen wie die­se gab es in der Re­gi­on bis­her sel­ten. Denn kurz nach­dem das welt­weit er­folg­rei­che Smart­pho­ne-Spiel Mit­te Ju­li in Deutsch­land auf den Markt ge­kom­men war, fin­gen die Fe­ri­en an.

Richard Rühl aber, der als Mi­nis­te­ri­al­be­auf­trag­ter die Gym­na­si­en im Ge­biet Ober­bay­ern-Ost be­treut, warnt schon seit Ju­li vor Po­ké­mon Go. Er be­fürch­tet, dass Kin­der und Ju­gend­li­che auf dem Weg zur Schu­le mehr auf die App als auf den Ver­kehr ach­ten. Des­halb ließ er ei­ne War­nung an „sei­ne“Gym­na­si­en ver­schi­cken. De­ren Ti­tel: „Le­bens­ge­fahr! Po­ké­mon Go.“Der Brief rich­tet sich an Leh­rer und El­tern. Sie sol­len den Kin­dern er­klä­ren, wie be­droh­lich es sein kann, auf dem Schul­weg Po­ké­mon zu ja­gen.

Auch Schul­ver­tre­ter in an­de­ren Bun­des­län­dern ma­chen sich Sor­gen. Der Phi­lo­lo­gen­ver­band in Nord­rhein-West­fa­len et­wa for­dert ein Han­dy­ver­bot an Schu­len – zu­min­dest so lan­ge, wie die Hys­te­rie um das Spiel an­hält. Denn wer die App samt Han­dy­ka­me­ra ge­öff­net hat, sieht auch im Klas­sen­zim­mer an je­der Ecke die bun­ten Fi­gu­ren, die der Spie­ler mit vir­tu­el­len Bäl­len be­wer­fen und ein­fan­gen kann.

Pe­ter Kempf, Mi­nis­te­ri­al­be­auf­trag­ter für Schwa­ben, will nach den Fe­ri­en be­ob­ach­ten, wie sehr die Schü­ler dem Po­ké­mon-Fie­ber ver­fal­len sind. Erst dann kön­ne man ent­schei­den, ob „Vor­keh­run­gen“nö­tig sei­en. Kempf kann sich aber vor­stel­len, „das The­ma in der ers­ten Leh­rer­kon­fe­renz des neu­en Schul­jah­res zu be­spre­chen“. Ver­teu­feln will er das Spiel nicht. Er ani­miert Leh­rer, Po­ké­mon Go zur Me­dien­er­zie­hung in den Un­ter­richt ein­zu­bau­en – „zum Bei­spiel, um dar­über auf­zu­klä­ren, wel­che Da­ten vom An­bie­ter ge­sam­melt wer­den“. Auch das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um wer­tet das Spiel als An­lass, auf Da­ten­schutz­Ri­si­ken hin­zu­wei­sen. Schü­ler vor dem Un­ter­richt und in den Pau­sen von Spie­len ab­zu­hal­ten ist schwer – ob­wohl Han­dys in Bay­ern laut Ge­setz auf dem gan­zen Schul­ge­län­de aus­ge­schal­tet sein müss­ten. Im Klas­sen­zim­mer sei das leich­ter, sagt Aloi­sia Wie­den­mann vom Schul­amt im Kreis Augs­burg. „Ist ein Schü­ler im Un­ter­richt mit dem Han­dy ak­tiv, nimmt der Leh­rer es ab. Nach Un­ter­richt­sen­de er­hält er das Han­dy zu­rück.“

Fo­to: Micha­el Raith

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