An­de­re Län­der, an­de­re Fett­näpf­chen

So ma­chen sich Ur­lau­ber in exo­ti­scher Um­ge­bung nicht zum Glo­be­trot­tel

Mittelschwaebische Nachrichten - - Reise-journal - VON HANS-WER­NER RO­DRI­AN

Oben oh­ne in den USA? Na­se put­zen in Ja­pan? Bes­ser nicht. Die­ser Ur­laubs­knig­ge ver­rät, wor­auf es sonst noch zu ach­ten gilt.

In Süd­afri­ka gilt der aus­ge­streck­te Fin­ger als An­griffs­sym­bol. Au­gen­kon­takt und ein fes­ter Hand­schlag zur Be­grü­ßung wer­den da­ge­gen ge­schätzt. Ver­spä­tun­gen von ei­ner hal­ben St­un­de und mehr sind üb­lich. Von Afri­ka als ei­ner Ent­wick­lungs­re­gi­on zu spre­chen, be­lei­digt den Ge­sprächs­part­ner. Und: Süd­afri­ka­ner mö­gen es gar nicht, wenn beim Spre­chen die Hän­de in den Ho­sen­ta­schen blei­ben.

In Süd­ame­ri­ka gilt bei Ein­la­dun­gen ei­ne St­un­de Ver­spä­tung und mehr als an­ge­bracht. Bei der Be­grü­ßung in Bra­si­li­en neh­men sich auch wild­frem­de Men­schen in den Arm. Kom­pli­men­te dür­fen gern di­rekt und sehr persönlich sein. Ro­te Blu­men schenkt man aber nur zu Be­gräb­nis­sen. In Me­xi­ko reicht man nie­mals den Salz­streu­er von Hand zu Hand – das bringt Un­glück.

In den USA wird Je­der nach dem zwei­ten Satz beim Vor­na­men an­ge­spro­chen und nach Hau­se ein­ge­la­den – das ist al­ler­dings nur sel­ten ernst ge­meint. Auf „How are you“ant­wor­tet man stets „gre­at“. Bei Tisch ist das Na­se­put­zen ver­pönt, der wohl­er­zo­ge­ne Gast ver­schwin­det da­zu in den „re­st­room“. Beim Be­tre­ten ei­nes Re­stau­rants war­tet er, bis ihm ein Platz zu­ge­wie­sen wird. Am Strand gilt oben oh­ne als völ­lig un­mög­lich. Und für ein Ba­de­wan­nen-Nackt­fo­to vom ei­ge­nen Nach­wuchs sind Ur­lau­ber be­reits im Ge­fäng­nis ge­lan­det.

In der Ka­ri­bik, vor al­lem auf Ja­mai­ka, sind vie­le In­su­la­ner nicht ge­ra­de ka­me­ra­freund­lich. Takt­ge­fühl be­weist über­all auf der Welt, wer Ein­hei­mi­sche grund­sätz­lich um Er­laub­nis bit­tet, be­vor er sie ab­lich­tet. Das ge­bie­tet die Ach­tung vor dem an­de­ren Men­schen und kann auch im ei­ge­nen Land nicht scha­den.

In ara­bi­schen Län­dern gel­ten be­reits Mohn­bröt­chen als Dro­ge, für die man ins Ge­fäng­nis wan­dern kann. Le­ge­re Klei­dung ist ein Zei- chen von Ar­mut. Be­su­cher ver­mei­den es tun­lichst, die Ar­me vor der Brust zu ver­schrän­ken. Wohl­er­zo­ge­ne Frau­en schla­gen ih­re Bei­ne auch nicht über­ein­an­der. Das Ge­gen­über be­rührt man nie mit der lin­ken Hand – sie gilt als un­rein. Wer ein­ge­la­den wird, lehnt nach der drit­ten Scha­le Kaf­fee dan­kend ab. Frau­en tun gut dar­an, ih­re Au­gen mit ei­ner gro­ßen Sonnenbrille vor Män­ner­bli­cken zu schüt­zen. Auch of­fen ge­tra­ge­nes Haar oder en­ge Ho­sen könn­ten ei­nen fal­schen Ein­druck hin­ter­las­sen.

In Ja­pan be­tritt man frem­de Räu­me – auch Gast­häu­ser und Tem­pel – grund­sätz­lich oh­ne Stra­ßen­schu­he. Für die Toi­let­te gibt es ei­ge­ne Pantoffeln. Wer laut lacht, der ist be­reits un­ten durch. Die Bei­ne beim Sit­zen von sich zu stre­cken, be­lei­digt das Ge­gen­über genau­so wie ein Ess­stäb­chen, das man senk­recht in die Reis­scha­le steckt. Gu­te Ma­nie­ren be­weist hin­ge­gen, wer beim Tee um ei­ne zwei­te Scha­le bit­tet. Schwarz­wei­ßes Ge­schenk­pa­pier ist ta­bu, denn das bringt Un­glück. Über­reicht wer­den Ge­schen­ke erst beim Ab­schied, aus­ge­packt wird nicht vor den Au­gen des Ge­ben­den.

Ganz Chi­na schätzt Pünkt­lich­keit, eben­so förm­li­che Klei­dung. Beim Es­sen soll fröh­lich ge­rülpst und ge­schmatzt wer­den; das zeigt, dass es schmeckt. Ge­schen­ke müs­sen durch zwei teil­bar und mög­lichst in ro­tes Pa­pier ge­wi­ckelt sein. Im­mer noch un­üb­lich sind Trink­gel­der. Auch lau­tes Re­den, Spre­chen mit den Hän­den und aus­drucks­star­ke Mi­mik gel­ten als un­fein. Lä­cheln und ni­cken ist bes­ser als Hän­de­schüt­teln. Ach­tung bei Fra­gen: Der Chi­ne­se sagt nie­mals Nein, ei­ne Ab­leh­nung muss man aus ver­schie­de­nen Ja-Va­ri­an­ten her­aus­le­sen.

In Thai­land gilt das Zer­knül­len von Geld­schei­nen als Ma­jes­täts­be­lei­di­gung, weil der Kö­nig dar­auf ab­ge­bil­det ist. Das Strei­cheln übers Haar ei­nes Kin­des ist ein Faux­pas: Der Kopf wird bei Bud­dhis­ten als hei­li­ges Kör­per­teil ver­ehrt. Noch schlim­mer wä­re es, mit den Fin­gern auf an­de­re Men­schen zu zei­gen oder sie gar mit dem Fuß zu be­rüh­ren. Fuß­soh­len dür­fen nie auf Per­so­nen oder Bud­dha-Sta­tu­en ge­rich­tet sein. Thais le­gen Wert auf ge­pfleg­te Klei­dung: Mit T-Shirt und kur­zer Ho­se gilt man als Pro­let.

Auf den Phil­ip­pi­nen ist Pünkt­lich­keit un­höf­lich. Zum Es­sen kommt man min­des­tens ei­ne Vier­tel­stun­de zu spät. Ge­ges­sen wird gern mit den Fin­gern. Mit ei­nem „Ba­rong Ta­ga­log“, dem ty­pi­schen phil­ip­pi­ni­schen Ober­hemd aus Ana­nasfa­ser, kön­nen Män­ner mo­disch ei­gent­lich nichts falsch ma­chen – au­ßer sie tra­gen ein Sak­ko dar­über, das gilt als grob un­höf­lich.

In Russ­land kri­ti­siert man bes­ser we­der das Land noch die Re­gie­rung – auch wenn es die Ein­hei­mi­schen selbst tun. Dau­men und Zei­ge­fin­ger zum „O“zu for­men, steht nicht für Okay wie bei uns, son­dern für ei­ne ge­wis­se Kör­per­öff­nung und wird ent­spre­chend als Be­lei­di­gung be­grif­fen. Im Ge­schäfts­ver­kehr sind die neu­es­ten Ge­rä­te wich­tig. Termine hält man pünkt­lichst ein. Ein Nein beim Wod­ka ist da­ge­gen nicht mehr ver­pönt. (srt) Ist Käptn Blau­bär wohl zu­hau­se? Wohl kaum, da­für aber lang­jäh­ri­ge Stamm­gäs­te und sol­che, die es gleich bei ih­rem ers­ten Be­such im Haus No­ge wur­den. In dem klei­nen, schnu­cke­li­gen Ka­pi­täns­haus gleich hin­term Deich in Wes­ter­land auf Sylt sind die Zim­mer et­was für Ent­de­cker. Ein je­des ist an­ders und in den al­ler­liebs­ten Far­ben ge­stri­chen und mit Bet­ten, die schon historisch sind, jetzt aber hübsch be­malt je­den Gast auf al­ler­bes­ten Ma­trat­zen in das Land der Träu­me schi­cken. An den Wän­den hän­gen Gu­achen und al­ler­lei Fund­stü­cke mit ei­nem au­gen­zwin­kern­den Hu­mor. Die Fens­ter rah­men fei­ne Vor­hän­ge. Ge­nü­gend Stüh­le gibt es auch und ei­nen Platz zum Schrei­ben von An­sichts­kar­ten. „Lie­be Freun­de, mein Zim­mer ist win­zig, aber so­oo süß, ei­ne Pup­pen­stu­be, und das ein­zi­ge im Haus mit ei­nem Bal­kon, auf den abends noch die Son­ne scheint. Das soll­tet Ihr se­hen!“Die Gäs­te der an­de­ren sie­ben Zim­mer sit­zen gern im Vor­gar­ten auf der weiß ge­stri­che­nen Bank oder in den bei­den Strand­kör­ben mit dem blauweiß ge­rin­gel­ten In­nen­le­ben. Oder sie schnap­pen sich ei­nes der Fahr­rä­der und dre­hen ei­ne Run­de.

Üb­ri­gens, der Gast­ge­ber ist ein rei­zen­der Sach­se. En­ri­co Rich­ter ist der Mann für al­le Ge­le­gen­hei­ten. Er pflegt den Ra­sen, be­sei­tigt al­le Pro­ble­me und hat al­ler­lei Tipps be­reit. Vor al­lem macht er ein 5-Ster­ne-Früh­stück, des­set­we­gen man ger­ne bis 12 Uhr sit­zen bleibt. So lan­ge kann man näm­lich früh­stü­cken im Haus No­ge in der sehr ge­müt­li­chen, na­tür­lich auch ir­gend­wie pup­pen­haf­ten Lounge des al­ten Ka­pi­täns­hau­ses. Dann aber nix wie raus und übern Deich, der stei­fen Bri­se ent­ge­gen. Von der Gar­ten­pfor­te aus sind es ge­ra­de mal 378 Schrit­te. Und bei den Prei­sen sa­ge mal ei­ner, Sylt ist nur was für Rei­che! In­ge Ah­rens

* In un­se­rer Ru­brik „Zim­mer-Ser­vice“stel­len wir Ho­tels, Pen­sio­nen und Fe­ri­en­häu­ser vor, die un­se­re Re­dak­ti­ons­mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter aus­pro­biert ha­ben und be­mer­kens­wert fan­den.

Haus No­ge, Dr.Ross-Stra­ße 31, 25980 Wes­ter­land, Tel. 04651-92860, www.haus-no­ge­sylt.de, DZ ab 128 Eu­ro

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