Ehe­frau mit Elek­tro­scho­cker trak­tiert

War­um der An­griff ei­nes 39-Jäh­ri­gen trotz­dem fol­gen­los bleibt

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON WOLF­GANG KAH­LER

Günz­burg Das Cor­pus de­lic­ti ist et­wa zwölf Zen­ti­me­ter lang und um die zwei Zen­ti­me­ter dick. Durch den pin­ken Farb­ton mit Stern­chen wirkt das Be­weis­mit­tel in der Hand von Rich­ter Da­ni­el Theu­rer ziem­lich harm­los. Ist es aber nicht, es han­delt sich um ei­nen Elek­tro­scho­cker, den der An­ge­klag­te ein­ge­setzt hat.

Die An­kla­ge der Staats­an­walt­schaft ge­gen den 39-Jäh­ri­gen lau­te­te auf ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung. Des­we­gen stand der Mau­rer aus dem nörd­li­chen Land­kreis ges­tern vor dem Amts­ge­richt. Doch am Schluss der Ver­hand­lung ver­ließ er das Jus­tiz­ge­bäu­de als frei­er Mann.

Nach Er­mitt­lun­gen der Staats­an- walt­schaft war es En­de Ja­nu­ar in den Abend­stun­den zu ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem An­ge­klag­ten und sei­ner Ehe­frau ge­kom­men. Als der Streit es­ka­lier­te, griff der 39-Jäh­ri­ge zu dem als Schmink­stift ge­tarn­ten Elek­tro­scho­cker und „trak­tier­te sie in der Bauch­ge­gend“, wie Ober­staats­an­walt Chris­toph Ebert sag­te. Da­durch er­litt das Op­fer Schmer­zen und Rö­tun­gen der Haut­flä­che. Auf die Fra­ge von Rich­ter Theu­rer, ob sich der An­ge­klag­te, der oh­ne Ver­tei­di­ger zur Ver­hand­lung ge­kom­men war, zum Vor­wurf äu­ßern wol­le, kam die Ant­wort: „Kann ich, mach ich.“

Der 39-Jäh­ri­ge schil­der­te dar­auf­hin die Um­stän­de der of­fen­bar schwie­ri­gen zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hung. Die Ehe­frau hät­te schon öf­ter Streit mit ihm ge­sucht. „Wenn es laut wur­de, bin ich in den Kel­ler ge­gan­gen“, sag­te der Mann. Ei­gent­lich ha­be er nichts ge­macht, auf kei­nen Fall ha­be er den Scho­cker ziel­ge­recht ver­wen­den wol­len. Aber auf ein­mal ha­be er das Ge­rät, das Strom­stö­ße mit ho­her Span­nung er­zeugt, in der Hand ge­habt. „Ei­gent­lich war es nur zur Ab­schre­ckung, dass sie auf­hört“, be­schrieb der An­ge­klag­te die Si­tua­ti­on. Be­rührt ha­be er die Frau dann auf dem Pul­li im Bauch­be­reich. „Es tut mir heu­te noch leid, ich wer­de mir nie wie­der ei­nen Elek­tro­scho­cker kau­fen“, jam­mer­te der 39-Jäh­ri­ge. Ei­nen Arzt­be­such ha­be die Ehe­frau ab­ge­lehnt mit der Be­mer­kung: „Es geht schon.“Ober­staats­an­walt Ebert er­kun­dig­te sich nach dem ak­tu­el­len Ver­hält­nis des Paa­res: Man ha­be sich wie­der zu­sam­men­ge­rauft, lau­te­te die Ant­wort. Im­mer­hin ha­ben die Ehe­leu­te zu­sam­men vier Kin­der, dar­un­ter ei­ne be­reits er­wach­se­ne Toch­ter. Fi­nan­zi­ell ist der An­ge­klag­te wohl nicht ge­ra­de auf Ro­sen ge­bet­tet. Aber er be­wei­se sei­nen gu­ten Wil­len, in dem er der Frau mit drei der Kin­der so­gar ei­nen sie­ben­tä­gi­gen Ur­laub er­mög­li­che. Selbst ge­he er in die­ser Zeit schaf­fen.

Ob er mit der Ein­zie­hung des Be­weis­mit­tels ein­ver­stan­den sei, frag­te der Ober­staats­an­walt. Das war dem An­ge­klag­ten recht. Rich­ter Theu­rer er­gänz­te als War­nung, dass so­gar der Be­sitz ei­ne Straf­tat sein kön­ne, denn ein Elek­tro­scho­cker als Schmink­stift ge­tarnt könn­te auch als Ver­stoß ge­gen das Waf­fen­ge­setz ein­ge­stuft wer­den. Der An­ge­klag­te be­teu­er­te, dass der Scho­cker so­gar ein Prüf­zei­chen be­sit­ze und noch ziem­lich neu auf dem Markt sei.

Doch es blieb bei der War­nung, die Elek­tro­scho­cker-Atta­cke auf die ei­ge­ne Ehe­frau hat­te kei­ne straf­recht­li­chen Fol­gen für den An­ge­klag­ten. Ober­staats­an­walt Ebert selbst plä­dier­te für die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens. Rich­ter Theu­rer ver­kün­de­te dem leicht ver­dutzt wir­ken­den An­ge­klag­ten, dass die Ver­hand­lung be­en­det sei, denn er sei nicht vor­be­straft und ha­be sich mit der Ehe­frau wie­der zu­sam­men­ge­rauft.

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