Ge­zwit­scher im Wald

Auf ei­ner span­nen­den Er­kun­dungs­tour durch den Kö­nigs­ber­ger Forst er­le­ben Wan­de­rer die hei­mi­sche Vo­gel­welt haut­nah

Mittelschwaebische Nachrichten - - Mn-extra: Wander Mit - VON MA­THI­AS WILD

Frie­sen­ried Schon auf den ers­ten Me­tern zwit­schert und träl­lert es von al­len Baum­wip­feln. Be­reits kurz hin­ter dem Wan­der­park­platz im Asch­thal taucht man ein in ei­ne an­de­re Welt. Dich­ter, grü­ner Misch­wald säumt den Weg. Durch den Kö­nigs­ber­ger Forst bei Frie­sen­ried im Ost­all­gäu führt ein lie­be­voll ge­stal­te­ter Vo­gel­lehr­pfad. Ro­bert Meck­lin­ger vom Lan­des­bund für Vo­gel­schutz hat ihn 2006 an­ge­sto­ßen, 2010 wur­de er er­wei­tert. An 25 Sta­tio­nen ler­nen die Be­su­cher rund 60 ver­schie­de­ne Vo­gel­ar­ten ken­nen, dar­un­ter vie­le hei­mi­sche. Aber auch Ex­em­pla­re, die man bei uns nur noch ganz sel­ten zu Ge­sicht be­kommt und die auf der Ro­ten Lis­te der vom Aus­ster­ben be­droh­ten Ar­ten ste­hen. In höl­zer­nen Schau­käs­ten, die über den Pfad ver­teilt sind, wer­den die Tie­re in ih­rem na­tür­li­chen Le­bens­raum dar­ge­stellt.

Man­che Vö­gel schla­fen so­gar im Flie­gen

Von al­ler­hand Meis­ter­leis­tun­gen kün­den die In­fo­ta­feln in den Schau­käs­ten. Der Mau­er­seg­ler be­fin­det sich bei­spiels­wei­se die ers­ten drei Jah­re sei­nes Le­bens aus­schließ­lich in der Luft. Er frisst und schläft so­gar im Flie­gen. Der Kern­bei­ßer knackt mit sei­nem Schna­bel­druck von et­wa 70 Ki­lo­gramm mü­he­los selbst här­tes­te Ker­ne. Der Buch­fink ist ei­ner der aus­dau­ernds­ten Sän­ger des Wal­des. Rund 4500 Mal am Tag zwit­schert er. Der Zilp­zalp fliegt 1500 Mal, um das Ma­te­ri­al an­zu­schlep­pen, das er für sei­nen Nest­bau be­nö­tigt.

Ei­ne ers­te At­trak­ti­on der Run­de ist das Vo­gel­nest. In die­sem Holz­pa­vil­lon hat Meck­lin­ger ei­ne Vo­gel­fe- der­samm­lung von Tie­ren aus der gan­zen Welt zu­sam­men­ge­tra­gen. Zu­dem kön­nen Be­su­cher Vo­gel­ei­er be­stau­nen. Vom win­zi­gen Ei der Blau­mei­se bis zum rie­si­gen Strau­ßen­ei reicht die Band­brei­te.

Durch Guck­lö­cher brü­ten­de Kohl­mei­sen be­ob­ach­ten

Wäh­rend der Brut­zeit war­tet der Pa­vil­lon mit ei­nem wei­te­ren High­light auf. Durch Guck­lö­cher kann man di­rekt in die Nist­höh­len se­hen und die dort brü­ten­den Kohl­mei­sen be­ob­ach­ten. Zu­dem la­den Mit­mach­sta­tio­nen ein, sich auch ak­tiv zu be­tä­ti­gen, wie am Ban­do­li­no. Dort muss mit­tels Band­zug der rich­ti­ge Vo­gel zu­ge­ord­net wer­den. Wer an den Sta­tio­nen gut auf­ge­passt hat und die In­fo­ta­feln auf­merk­sam ge­le­sen hat, der hat nicht nur viel über die ge­fie­der­ten Wald­be­woh­ner ge­lernt. Für den dürf­te auch das Vo­gel­quiz kei­ne Schwie­rig­keit dar­stel­len, das je­der Be­su­cher aus­fül­len und in den Brief­kas­ten an der ers­ten Sta­ti­on beim Park­platz wer­fen darf. In re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den wer­den un­ter den rich­ti­gen Ein­sen­dun­gen klei­ne Prei­se ver­lost. Wäh­rend die Vö­gel in den Schau­käs­ten al­le ge­töp­fert sind, kann man ent­lang des We­ges in 20 Nist­käs­ten le­ben­di­ge Ex­em­pla­re be­ob­ach­ten. Da­für soll­te man sich je­doch ru­hig ver­hal­ten und et­was Ge­duld mit­brin­gen.

Blick von der Ried­ka­pel­le über das ge­sam­te Tal

Mit­tels ei­nes rie­si­gen Hör­trich­ters, der dreh­bar am We­ges­rand an­ge­bracht ist, kann man den Sing­vö­geln oder der Stil­le des Wal­des lau­schen. Ein loh­nens­wer­ter Ab­ste­cher führt vom Lehr­pfad zur denk­mal­ge­schütz­ten Ried­ka­pel­le, die hoch über Frie­sen­ried thront. Von dort kann man nicht nur das ge­sam­te Tal über­bli­cken. Die schat­ti­gen Ru­he­bän­ke eig­nen sich auch her­vor­ra­gend zum Ver­wei­len oder für ei­ne Brot­zeit.

Fo­tos: Ma­thi­as Wild

Ein­tau­chen in ein Meer aus Grün. Die Tour führt auf gu­ten Wald­we­gen durch saf­ti­gen Misch­wald.

Die Ru­he­bän­ke an der denk­mal­ge­schütz­ten Ried­ka­pel­le ober­halb von Frie­sen­ried la­den zum Ver­wei­len ein.

Ro­bert Meck­lin­ger vor der Fe­der­samm­lung im Pa­vil­lon „Vo­gel­nest“. Dort kann man mit et­was Glück auch nis­ten­den Vö­geln beim Brü­ten und Füt­tern zu­se­hen.

Ru­hen und be­ob­ach­ten kann man am In­sek­ten­ho­tel.

Schau­kas­ten mit ge­töp­fer­ten Vö­geln, dar­über ei­ner von 20 Nist­käs­ten, in de­nen le­ben­de Vö­gel brü­ten.

Die Wan­de­rung ist bes­tens be­schil­dert. So­wohl der Vo­gel­lehr­pfad …

… als auch der Weg zur Ried­ka­pel­le.

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