Was Leh­rer dür­fen – und was nicht

Zwei jun­ge Au­to­ren wol­len Schü­ler­fra­gen klä­ren. Denn vie­le Ju­gend­li­che ken­nen ih­re Rech­te kaum

Mittelschwaebische Nachrichten - - Panorama -

Han­no­ver Es soll ein Auf­klä­rungs­buch sein, kei­ne Kampf­an­sa­ge: „Was Leh­rer nicht dür­fen!“heißt das Buch, mit dem zwei jun­ge Män­ner und ein Rechts­an­walt Wir­bel aus­ge­löst ha­ben. 2015 er­schien es im Selbst­ver­lag, jetzt bringt Ull­stein ei­ne Neu­aus­ga­be her­aus.

„Vor ei­nem Jahr ver­kauf­ten wir gleich in der ers­ten Wo­che über 1000 Ex­em­pla­re, oh­ne Wer­bung“, sagt Initia­tor Dal­lan Sam, ein 20-jäh­ri­ger Schü­ler aus Cel­le. „Es ist ei­ne Markt­lü­cke, die wir ge­füllt ha­ben“, sagt sein Ge­schäfts­part­ner Fer­nan­do Ro­de, der sich nach Ab­schluss der Schu­le in Sankt Au­gus­tin am Rhein selbst­stän­dig ge­macht hat. Die bei­den tei­len schlech­te Er­fah­run­gen mit Leh­rern. Sam kennt in Nie­der­sach­sen drei Schul­for­men von in­nen. „Was auf der Haupt­schu­le ab­ging, war oft nicht in Ord­nung“, sagt der 20-Jäh­ri­ge, der jetzt sein Abitur am Wirt­schafts­gym­na­si­um ma­chen möch­te. „Aber ich dach­te im­mer, Leh­rer ist Leh­rer. Was er sagt, ist Ge­setz.“Ant­wor­ten auf die 50 wich­tigs­ten Schü­ler­fra­gen in­klu­si­ve der da­zu­ge­hö­ri­gen Pa­ra­gra­fen, ver­spricht das Werk voll­mun­dig. Als Ex­per­ten ge­wann das Duo Rolf Tar­neden aus Han­no­ver. Der 42-jäh­ri­ge Ju­rist und vier­fa­che Va­ter ist über­zeugt da­von, dass die meis­ten Schü­ler ih­re Rech­te nicht ken­nen. „Vie­le Fra­gen aus dem Buch wer­den mas­sen­haft in In­ter­net-Fo­ren dis­ku­tiert. Aber kaum ei­ner weiß die rich­ti­ge Ant­wort.“Häu­fig emp­feh­len die Au­to­ren im Zwei­fels­fall das un­mit­tel­ba­re Ge­spräch mit dem be­tref­fen­den Leh­rer oder den Blick in die Schul­ord­nung – denn die ist in je­dem Bun­des­land an­ders.

Auf die Fra­ge „Darf ein Leh­rer mich ein­sper­ren?“gibt es da­ge­gen ei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort. Frei­heits­be­rau­bung ist nach Pa­ra­graf 239 des Straf­ge­setz­buchs straf­bar. Am Amts­ge­richt Neuss (Nord­rhein– West­fa­len) wird der­zeit ei­nem Mu­sik­leh­rer der Pro­zess ge­macht, weil er Schü­ler am Ver­las­sen des Rau­mes ge­hin­dert ha­ben soll.

Der Vor­sit­zen­de des Ver­bands Bil­dung und Er­zie­hung (VBE), Udo Beck­mann, be­tont je­doch: „Die meis­ten Strei­tig­kei­ten wer­den fried­lich, ko­ope­ra­tiv und schul­in­tern ge­re­gelt.“Auch der Chef des Deut­schen Phi­lo­lo­gen­ver­ban­des, Hein­zPe­ter Mei­din­ger, be­ob­ach­tet: „Die gro­ße Mehr­heit der El­tern ver­sucht, Kon­flikt­fäl­le nicht ge­richt­lich, son­dern im Aus­tausch mit der Schu­le zu klä­ren.“Es ge­be je­doch ei­ne El­ternk­li­en­tel, die ver­su­che, Druck auf­zu­bau­en und sich das schwächs­te Glied, al­so den un­er­fah­re­nen Jung­leh­rer, her­aus­zu­su­chen. In sol­chen Fäl­len müs­se die Schu­le stand­haft blei­ben. (dpa)

Foto: Ju­li­an Stra­ten­schul­te, dpa

Die Schü­ler Fer­nan­do Ro­de (links) und Dal­lan Sam so­wie Rechts­an­walt Rolf Tar­neden wol­len Schü­ler un­ter­stüt­zen.

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