Im­mer wie­der leis­tet er sich Aus­rut­scher

Ei­gent­lich führt der An­ge­klag­te ein ge­ord­ne­tes Le­ben. War­um er trotz­dem mit ei­nem Bein im Ge­fäng­nis steht

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat -

Günzburg Bis zum An­schlag aus­ge­reizt hat ein jun­ger Mann aus dem Land­kreis die Ge­duld der Jus­tiz. Das Amts­ge­richt Günzburg hat­te ihm we­gen meh­re­rer Ein­brü­che und zwei­er Kör­per­ver­let­zun­gen schon ei­ne Haft­stra­fe oh­ne Be­wäh­rung auf­ge­brummt. Das Land­ge­richt Mem­min­gen ge­währ­te ihm ei­ne letz­te Be­wäh­rungs­chan­ce, weil der 19-Jäh­ri­ge ei­gent­lich ein ge­re­gel­tes Le­ben führt. Doch nur drei Mo­na­te nach die­ser Ver­hand­lung schlug der jun­ge Mann wie­der zu – mit der Faust ins Ge­sicht ei­nes an­de­ren Be­su­chers ei­ner Dis­co im Land­kreis.

Bei der Po­li­zei hat­te sich der jun­ge Mann we­nig ge­stän­dig ge­zeigt, so­dass Rich­ter Wal­ter Hen­le ihm mit deut­li­chen Wor­ten sei­ne Si­tua­ti­on vor Au­gen führ­te: „Von die­ser Ver­hand­lung hängt ab, ob sie ei­ne Haft­stra­fe von mehr oder we­ni­ger als zwei Jah­ren be­kom­men.“Bei ei­nem Rechts­ge­spräch zwi­schen Ge­richt, Staats­an­wäl­tin und Ver­tei­di­ger ei­nig­te man sich dar­auf, bei ei­nem Ge­ständ­nis noch ein­mal ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe zu ver­hän­gen. So räum­te der jun­ge Mann schließ­lich die Tat ein.

„Sie ha­ben Ihr Le­ben ei­gent­lich im Griff. Nur pas­sie­ren Ih­nen im­mer wie­der sol­che Aus­rut­scher“, hielt der Rich­ter dem An­ge­klag­ten vor. Des­sen bis­he­ri­ges Le­ben sei ge­rad­li­nig ver­lau­fen: Nach dem Schul­ab­schluss be­kam er ei­ne Lehr­stel­le, die Leh­re schloss er ab und wur­de von sei­nem Aus­bil­dungs­be­trieb un­be­fris­tet über­nom­men. Das Ge­richt wol­le ihm die­se Chan­ce auf ei­ne gu­te Zu­kunft nicht mit ei­ner Haft­stra­fe ver­bau­en, sag­te Hen­le. „Aber wenn Sie so wei­ter­ma­chen, zer­stö­ren Sie selbst Ihr künf­ti­ges Le­ben.“

Am Tat­abend hat­te der An­ge­klag­te ei­nem an­de­ren Dis­co­be­su­cher erst mit der Faust von hin­ten ge­gen den Kopf ge­schla­gen. Als die­ser sich um­dreh­te, be­kam er ei­nen wei­te­ren Schlag aufs Au­ge. Ganz un­schul­dig war das Op­fer wohl auch nicht, vor der Prü­ge­lei soll es zu Pro­vo­ka­tio­nen ge­kom­men sein. „Ich hat­te eh schon schlech­te Lau­ne, weil ich mei­ne Ex-Freun­din dort ge­trof­fen ha­be“, sag­te der An­ge­klag­te. Die Tat sei ei­ne Kurz­schluss­re­ak­ti­on un­ter Al­ko­hol ge­we­sen. Die bei­den jun­gen Män­ner ent­schul­dig­ten sich im Ge­richts­saal ge­gen­sei­tig für den Vor­fall.

„Wie soll es jetzt mit Ih­nen wei­ter­ge­hen“, frag­te Rich­ter Hen­le den An­ge­klag­ten. Der be­teu­er­te, dass er sich bes­sern wer­de und nicht mehr straf­fäl­lig wer­den wol­le: „Ich ge­he ge­ra­de über­haupt nicht mehr in Dis­cos.“Auch mit Al­ko­hol sei seit dem Tat­abend nichts mehr pas­siert. Die Mit­ar­bei­ter der Ju­gend­ge­richts­hil­fe er­klär­ten, dass sich der jun­ge Mann an al­le Wei­sun­gen ge­hal­ten ha­be. Zu­dem zahlt er die Schä­den der vor­an­ge­gan­ge­nen Ta­ten ab.

So stock­te das Schöf­fen­ge­richt vom Mem­min­ger Land­ge­richt ver­häng­te Haft­stra­fe von ei­nem Jahr und zehn Mo­na­ten auf zwei Jah­re auf. Das ist die höchst­mög­li­che Stra­fe, die noch zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den kann. Grund für die noch­ma­li­ge Mil­de ist die Hoff­nung, dass es der jun­ge Mann end­lich schafft, sich von Straf­ta­ten fern­zu­hal­ten. „Ob un­se­re Pro­gno­se rich­tig ist, muss sich er­wei­sen. Wenn Sie das nächs­te Mal vor Ge­richt ste­hen, gibt es kei­ne Be­wäh­rung mehr. Das ist si­cher“, gab Rich­ter Hen­le dem An­ge­klag­ten mit auf den Weg.

Da­zu kom­men noch ei­ni­ge Auf­la­gen. Der 19-Jäh­ri­ge muss zwei Wo­chen „Warn­schuss-Ar­rest“ver­bü­ßen und 1000 Eu­ro Schmer­zens­geld an den Ge­schä­dig­ten zah­len. Da­zu muss er ein An­ti-Ag­gres­si­ons­trai­ning ab­sol­vie­ren und sechs Ge­sprä­che mit der Sucht­be­ra­tung füh­ren we­gen sei­nes ag­gres­si­ven Ver­hal­tens un­ter Al­ko­hol­ein­fluss. „Ih­ren nächs­ten Ge­burts­tag soll­ten sie aus­schließ­lich mit Kaf­fee und Ku­chen fei­ern“, sag­te der Rich­ter. (adi)

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