In der Ge­mein­schaft ist es schö­ner

Die Ka­tho­li­sche Land­volk­be­we­gung be­müht sich ver­stärkt, glau­bens­fer­ne Men­schen an­zu­spre­chen. Da­für muss auch mal ei­ni­ges an­ders ge­macht wer­den

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON RO­NALD HINZPETER

Land­kreis Wenn schon die We­ge des Herrn zu­wei­len ver­schlun­gen sind, dann kann man doch auch mal als christ­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on ei­nen klei­nen Um­weg neh­men, um die Men­schen zu er­rei­chen. Die tun sich heut­zu­ta­ge manch­mal et­was schwer mit der Kir­che. Und so hat sich die Ka­tho­li­sche Land­volk­be­we­gung (KLB) ent­schlos­sen, ih­re nächs­te Ver­an­stal­tung am kom­men­den Sonn­tag in der Ka­pel­le Frau­en­brunn bei Wald­kirch mit dem Ti­tel „Som­mer­li­che Klän­ge und Tex­te“zu ver­se­hen (Be­ginn: 17 Uhr). Sie hät­te auch ein­fach „And­acht“schrei­ben kön­nen, aber das wür­de wohl nicht so recht zie­hen, meint die KLB-De­ka­nats­vor­sit­zen­de Mar­ti­na Hol­land. Sie steht mit die­ser An­sicht nicht al­lei­ne da, denn die ka­tho­li­sche Lai­en­or­ga­ni­sa­ti­on spürt ei­ne ge­wis­se Mü­dig­keit, was die ka­tho­li­sche Kir­che an­geht. Al­lei­ne mit dem nor­ma­len Sonn­tags­got­tes­dienst sei­en die Men­schen, zu­mal die Jun­gen, nicht mehr zu er­rei­chen. Des­halb ver­sucht die KLB, die ei­gent­li­chen tra­di­tio­nel­len In­hal­te mo­der­ner zu prä­sen­tie­ren. Der Kern bleibt un­be­rührt, denn es geht der Or­ga­ni­sa­ti­on dar­um, dem christ­li­chen Glau­ben im All­tag wie­der mehr Auf­merk­sam­keit zu ver­schaf­fen. Da­für müs­se halt man­ches et­was mo­der­ner ge­stal­tet wer­den, be­teu­ert das Team der KLB-Ver­ant­wort­li­chen im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. Das Be­mü­hen ging wohl schon so weit zu über­le­gen, wie die Vor­sit­zen­de zu- gibt, den Or­ga­ni­sa­ti­ons­na­men mög­li­cher­wei­se zu än­dern. Der klin­ge für man­chen si­cher­lich alt­ba­cken. Doch ei­gent­lich sei er doch sehr tref­fend: „Wir sind ka­tho­lisch, wir sind vom Land und vor al­lem sind wir ei­ne Be­we­gung. Wir ste­hen da­für, dass sich et­was be­wegt. Des­halb darf man den nicht auf­ge­ben.“

Die Ka­tho­li­sche Land­volk­be­we­gung exis­tiert in der Bun­des­re­pu­blik be­reits seit 65 Jah­ren. Sie war von den deut­schen Bi­schö­fen als Bil­dungs­und Ak­ti­ons­ge­mein­schaft für die Men­schen im länd­li­chen Raum ge­grün­det wor­den. Im De­ka­nat Günzburg be­steht sie seit rund 40 Jah­ren. Ih­re Keim­zel­le war die Land­ju­gend, doch „wir wur­den halt äl­ter“, sagt Dia­kon Jo­sef Mayer. Jetzt gel­te es, die Tra­di­ti­on nicht nur zu be­wah­ren, son­dern mit neu­em Le­ben zu er­fül­len, denn der Glau­be ha­be viel zu bie­ten. Christ­li­che Wer­te wie et­wa Fa­mi­lie und Ge­mein­schaft ha­ben „im All­tag gro­ße Be­deu­tung“. Da­bei sind er und das KLB-Team da­von über­zeugt, dass es kei­ne ver­geb­li­che Lie­bes­müh‘ wä­re, kir­chen­fer­ne Men­schen zu um­wer­ben, denn es ge­be nach wie vor ein sehr gro­ßes Be­dürf­nis nach Spi­ri­tua­li­tät und so­mit vie­le An­knüp­fungs­punk­te. „Wir müs­sen eben nä­her hin zu den Men­schen“, for­dert des­halb Christine Kuhn. Das wird in Zu­kunft noch wich­ti­ger, denn an­ge­sichts des Pries­ter­man­gels müs­sen sich noch mehr Kir­chen­ge­mein­den zu Pfar­rei­en­gemein­schaf­ten zu­sam­men­schlie­ßen, was bei wach­sen­den Ent­fer­nun­gen der Ge­mein­sam­keit im Glau­ben nicht un­be­dingt gut­tut.

Um mehr Men­schen zu er­rei­chen, be­müht sich die KLB („Wir sind die Pro­gres­si­ven“) et­wa um Got­tes­dienst in „le­bens­na­her Form“, um ge­mein­sa­me re­li­giö­se Er­leb­nis­se wie Wall­fahr­ten, aber sie bie­tet auch mal Film­aben­de im Of­fin­ger Ki­no an. Im Ja­nu­ar wird die fran­zö­si­sche Ko­mö­die „Mon­sieur Clau­de und sei­ne Töch­ter“ge­zeigt, die mit viel Witz ei­ner­seits den Ras­sis­mus auf die Schip­pe nimmt, an­de­rer­seits auch das Mit­ein­an­der und Ge­gen­ein­an­der der gro­ßen Re­li­gio­nen au­gen­zwin­kernd ka­ri­kiert.

Apro­pos Re­li­gio­nen: An­ge­sichts der Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen dem Wes­ten und der mus­li­mi­schen Welt sagt Dia­kon Mayer: „Sor­gen macht mir nicht der star­ke Is­lam, son­dern die schwa­che Chris­ten­heit.“Des­halb müs­se der christ­li­che Glau­be wie­der mehr Fuß fas­sen im All­tag. Doch lei­der ha­be das Ge­mein­schafts­den­ken mehr und mehr nach­ge­las­sen. Das gel­te es wie­der zu stär­ken.

Ge­ra­de den Ge­mein­schafts­ge­dan­ken scheint das Füh­rungs­team der KLB be­son­ders zu le­ben. Das hat nicht nur Rein­hold Sie­gner so er­lebt, als er einst da­zu­stieß („Ich bin in noch kei­nem Ver­ein so gut auf­ge­nom­men wor­den, wie beim Land­volk“), das zeig­te sich auch nach dem In­ter­view im Gar­ten von Mar­ti­na Hol­land in Wet­ten­hau­sen. Nach dem lan­gen Ge­spräch sag­te sie be­stimmt: „So, und jetzt wird erst mal ge­ges­sen.“Es war ei­ne gu­te Ent­schei­dung, noch ein gu­tes Stünd­chen län­ger sit­zen zu blei­ben – nicht nur we­gen des ge­grill­ten Schwei­ne­bauchs und der Spare­ribs.

Fo­to: Hinzpeter

Die Ver­ant­wort­li­chen der Ka­tho­li­schen Land­volk­be­we­gung im De­ka­nat Günzburg mö­gen es ger­ne ge­sel­lig. Un­ser Bild zeigt vor­ne von links Christine Bau­er, Dia­kon Jo­sef Mayer, Ilo­na Mes­ser­schmid, Vor­sit­zen­de Mar­ti­na Hol­land, Christine Kuhn. Da­hin­ter: Ewald Schus­ter und Rein­hold Sie­gner. Im Bild fehlt Eli­se Her­zig.

Archivfoto: Ma­nue­la Bau­er

Die Bru­der-Klaus-Ka­pel­le zwi­schen Wet­ten­hau­sen und Deu­bach: Ni­ko­laus von der Flüe ist der Schutz­hei­li­ge der Land­volk­be­we­gung. Am 25. Sep­tem­ber ver­an­stal­tet die KLB dort ei­ne And­acht.

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