Wo holt denn nun der Bart­hel den Most?

Der Bau­ern­hei­li­ge Bar­tho­lo­mä­us gilt als Bo­te des Herbs­tes. Was es da­mit auf sich hat

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Nachbarschaft - VON JO­SEF HÖLZ­LE

Un­ter­all­gäu Ob­wohl als Tauf­na­me nur we­nig ver­brei­tet, hat das Na­mens­fest des hei­li­gen Bar­tho­lo­mä­us am gest­ri­gen 24. Au­gust vor al­lem im bäu­er­li­chen Le­ben ei­nen be­son­de­ren Klang. „Bar­tho­lo­mä“, wie man im All­gäu sagt, si­gna­li­sier­te schon im­mer die Nä­he des Herbs­tes und war für die Bau­ern ein Über­gangs­da­tum. Das Ge­trei­de war ab­ge­ern­tet und man be­gann mit der Aus­saat für das nächs­te Jahr. Die Ta­ge des aus­ge­hen­den Au­gusts wer­den spür­bar kür­zer, Ne­bel le­gen sich übers Land, die Näch­te küh­len ab und die Son­ne ver­liert an Kraft.

„Zu Bar­tho­lo­mä sind die Flit­ter­wo­chen der Son­ne mit der Er­de zur Nei­ge, ih­re glü­hen­de Lie­be hat aus­ge­brannt, das Ver­hält­nis wird ein küh­le­res ...“, schreibt der Schrift­stel­ler Pe­ter Ro­seg­ger. Deut­lich ist auch die Bau­ern­re­gel: „Zu Sankt Bar­tho­lo­mä geht man im Som­mer in die Kir­che und im Herbst wie­der hin­aus“.

Die ka­tho­li­sche Kir­che er­in­nert mit dem Fest des hei­li­gen Bar­tho­lo­mä­us an ei­nen Apos­tel, Mis­sio­nar und Mär­ty­rer des ers­ten Jahr­hun­derts, der ei­nes be­son­ders grau­sa­men To­des starb. Dem Hei­li­gen wur­de der Über­lie­fe­rung nach bei le­ben­di­gem Leib die Haut ab­ge­zo­gen, be­vor man ihn ans Kreuz schlug. Bar­tho­lo­mä­us wird des­halb in der Kunst oft mit ei­ner ab­ge­zo­ge­nen Haut in bei­den Hän­den dar­ge­stellt. Der 24. Au­gust als Ge­denk­tag be­zieht sich auf die Über­tra­gung der Re­li­qui­en auf die In­sel Li­pa­ri. Um 1000 n. Chr. wur­den sie nach Rom über­führt, wo sie in ei­ner nach dem Hei­li­gen be­nann­ten Kir­che auf der Ti­ber­in­sel ru­hen. Bar­tho­lo­mä­us ist un­ter an­de­rem Stadt­pa­tron von Frank­furt am Main. Weit be­kannt ist auch das Kirch­lein „Sankt Bar­tho­lo­mä“am Kö­nigsee.

Bar­tho­lo­mä­us, volks­tüm­lich auch vie­ler­orts „Bart­hel“ge­nannt, wur­de un­ter an­de­rem als Schutz­hei­li­ger der Fi­scher und Schä­fer ver­ehrt. Für die Fi­scher hat­te die­ser Tag einst ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung. Die Laich­zeit war be­en­det, und es durf­te wie­der ge­fischt wer­den. In man­chen Re­gio­nen ent­stan­den Bar­tho­lo­mä­us-Ta­ge mit Fluss-Pro­zes­sio­nen und Wett­an­geln.

Auch von grö­ße­ren Schä­fer­tref­fen, zum Bei­spiel im Würt­tem­ber­gi­schen, wird be­rich­tet. Ei­ne ur­al­te Tra­di­ti­on hat der „Bart­hel­markt“in Ober­stimm bei In­gol­stadt. Er grün­det auf dem Bar­tho­lo­mä­us-Pa­tro­zi­ni­um der Dorf­kir­che. Der Markt mit gro­ßem Ross­markt, Fahr­ge­schäf­ten und meh­re­ren Bier­zel­ten dau­ert jähr­lich ab En­de Au­gust vier Ta­ge lang und gilt als ei­nes der äl­tes­ten Volks­fes­te in Deutsch­land.

Die Land­leu­te be­ob­ach­te­ten frü­her an Bar­tho­lo­mä mit sei­ner Nä­he zum Herbst ge­nau das Wet­ter und ent­wi­ckel­ten dar­aus ori­gi­nel­le Bau­er­nund Wet­ter­re­geln, wie zum Bei­spiel:

Wie sich an Bar­tho­lo­mä­us das Wet­ter ver­hält, so ist es auch im Herbst be­stellt.

Reg­net‘s zu Bar­tho­lo­mä auf den Hut, so wird der Herbst tro­cken und gut.

Wenn‘s Bar­tho­lo­mä reg­net, wird der Herbst tro­cken und die Kar­tof­fel ge­seg­net.

Sankt Bar­tho­lo­mä treibt das Korn in die Höh’.

Wie kaum ein an­de­rer Hei­li­ger hat es Sankt Bar­tho­lo­mä­us so­gar ge­schafft, sprich­wört­lich zu wer­den. „Dir zeig ich, wo der Bart­hel den Most holt!“– was so viel heißt wie „Dir zeig ich, wo es lang geht!“– ist ei­ne be­kann­te Dro­hung. Ent­stan­den ist die­ser Spruch einst aus der Pflicht der Wir­te, den Gäs­ten ab Bar­tho­lo­mä fri­schen Most vor­zu­set­zen. Ein Wirt, der sich nicht an die­se Re­gel hielt, be­kam für das fol­gen­de Jahr die Schank­li­zenz ent­zo­gen.

Fo­to: Saum­we­ber

Spät­som­mer wie aus dem Bil­der­buch: An den Bäu­men reift das Obst und un­ter der wär­men­den Son­ne blü­hen noch die schöns­ten Blu­men. Das Wet­ter am gest­ri­gen Bar­tho­lo­mäus­tag soll Aus­kunft über den Ver­lauf des na­hen Herbs­tes ge­ben.

Fo­to: hlz

In der Hau­se­ner Dorf­kir­che ist die­ses De­cken­ge­mäl­de zu se­hen, das den hei­li­gen Bar­tho­lo­mä­us zeigt.

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