Die ma­gi­sche Qu­el­le von Rog­gen­burg

Das Buch­brünn­le spru­delt wie­der. Und es ist be­liebt: War­um ihm man­che ei­ne be­son­de­re Kraft zu­spre­chen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Nachbarschaft -

Rog­gen­burg Der Mann re­agiert et­was un­wirsch: „Mir hilfts, wenn’s ih­nen nicht hilft, brau­chen sie’s ja nicht zu trin­ken“, sagt er, wäh­rend er sich aus dem Rog­gen­bur­ger Buch­brünn­le Was­ser ab­füllt. Meh­re­re Ka­nis­ter ste­hen be­reits im Kof­fer­raum sei­nes Au­tos. Zur ge­nau­en Wir­kung des Was­sers will der Nut­zer nichts sa­gen. Nur so viel: „Es hilft eben.“Der Mann ist längst nicht der ein­zi­ge Be­su­cher der Qu­el­le: Täg­lich bie­tet sich am Klos­ter­berg­brun­nen zwi­schen Meß­ho­fen und Rog­gen­burg das glei­che Bild. Im­mer wie­der fah­ren Au­tos vor, es wird Was­ser ab­ge­füllt und wie ein kost­ba­rer Schatz ab­trans­por­tiert. „Es ist vor­züg­lich für mein Aqua­ri­um ge­eig­net, die Fi­sche sind da­rin putz­mun­ter und kern­ge­sund“, sagt et­wa ein Neu-Ul­mer Aqua­ria­ner. Und ei­ne Rog­gen­bur­ge­rin be­haup­tet: „Mit dem Was­ser blü­hen die Blu­men dop­pelt so schön.“

Seit vie­len Jahr­zehn­ten wird dem Qu­ell­was­ser ei­ne hei­len­de Wir­kung zu­ge­schrie­ben. Ob­wohl die Ge­mein­de­ver­wal­tung dar­auf hin­weist, dass es kei­ne Trink­was­ser­qua­li­tät hat und häu­fig mit Kei­men be­las­tet ist, wird die Le­gen­de vom Heil­was­ser am Klos­ter­berg von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter ge­ge­ben. Ge­mein­de­ar­chi­var Lothar Ma­reis er­klärt sich das so: „Die Nä­he zum Klos­ter, aber auch das Ma­ri­en­bild­nis, das vom Was­ser um­flos­sen wird, ver­stär­ken wahr­schein­lich die Wir­kung, die ihm zu­ge­schrie­ben wird.“Auch er kennt vie­le Ge­schich­ten über die ver­meint­li­che Wir­kung der Qu­el­le. Vor über 100 Jah­ren wur­de sie am Berg zwi­schen Meß­ho­fen und Rog­gen­burg in ei­nen Brun­nen ge­fasst. Das Was­ser läuft aus ei­ner Säu­le un­ter­halb des Bild­stocks in den Trog. Der Über­lauf führt durch ei­nen Gra­ben zu den Stifts­wei­hern am Fuß des Bergs. Die Rog­gen­bur­ger Grä­fin The­re­se von Mir­bach-Gel­dern-Eg­mont (1911 bis 2000) hat das Ma­ri­en­bild ge­malt.

Das Buch­brünne­le ist ge­ra­de für äl­te­re Rog­gen­bur­ger mehr als nur ein Was­ser­spen­der. Es weckt Er­in­ne­run­gen und war schon im­mer Treff­punkt für Spa­zier­gän­ger, um ein Schwätz­chen zu hal­ten. Heu­te noch kann man über den süd­west­lich vom Brun­nen weg­füh­ren­den Weg in den gräf­li­chen Wald ein­tau­chen oder auf der Sitz­bank, die der Ver­ein für Hei­mat­pfle­ge auf­ge­stellt hat, ei­ne Rast ein­le­gen. Im Rah­men des Neu­baus der Kreis­stra­ße von Meß­ho­fen nach Rog­gen­burg muss­te der Brun­nen ab­ge­baut wer­den. Ei­ne bür­ger­schaft­li­che Initia­ti­ve um Glo­cken­bau­er Mein­rad Pech­mann sorg­te da­für, dass der Brun­nen ori­gi­nal­ge­treu et­was wei­ter süd­lich wie­der auf­ge­baut wer­den konn­te. Jo­hann Sau­ter re­stau­rier­te das Ma­ri­en­bild – nun spru­delt Rog­gen­burgs „ma­gi­sche Qu­el­le“wie­der. (mde)

Fo­to: mde

Gilt vie­len als Heil­quel­le: das Buch­brünn­le in Rog­gen­burg.

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